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714. Newsletter Südharzstrecke - Pressemitteilung zum desaströsen Schienenersatzverkehr und erneuten Versagen der Deutschen Bahn AG

Schienenersatzverkehr Walkenried (Foto: Höchste Eisenbahn)

Südharz: Auch der dritte Schienenersatzverkehr im Jahr 2018 gelingt der Deutschen Bahn nicht - Die Deutsche Bahn stellt im „Harz-Weser-Netz“ die Geduld ihrer Fahrgäste im Jahr 2018 auf eine harte Probe – Abwanderung auf die Straße nicht ausgeschlossen (Stand: 30.09.2018)


Hallo liebe Eisenbahn-, ÖPNV- und SPNV-Interessierte!


Südharz.
Nach wochenlangen, durch Mangel an Lokführern bedingtem, punktuellen und kaum kalkulierbaren sowie meistens ersatzlosen Zugausfällen wurde schon der erste „Schienenersatzverkehr“ (SEV) aus Anlass der ebenfalls personalbedingten Totalsperrung von Stellwerken vollkommen versiebt. Zwei Tage lang fuhr wegen falscher Bestellung durch die DB AG nur ein Ersatzbus. Zwei wären nötig gewesen, um einen Stundentakt Walkenried – Nordhausen abzusichern. Folge: Stundenlange Wartezeiten für Kunden im dafür gänzlich ungeeigneten Bahnhof Walkenried.
Seit Anfang September werden, wiederum bedingt durch fehlende Lokführer, am Wochenende die Züge zwischen Northeim und Bodenfelde durch Busse ersetzt, die zwar fahren und die Fahrzeit auch einhalten, jedoch an den ersten beiden Wochenenden mit völlig überforderten Kleinstbussen gefahren wurden, dies schon ab der ersten Station keine weiteren Kunden mehr mitnehmen konnten. Reihenweise mussten Fahrgäste zurückbleiben. Inzwischen, nachdem sehr viel Goodwill zerstört worden ist, fahren hier große Busse.

Ein SEV-Bus der Verkehrsbetriebe Nordhausen am Sonntagmorgen in Walkenried. Ab und zu wurde tatsächlich gefahren. Nach der gestrigen Katastrophe traut sich niemand mehr zum Bahnhof. Die Lösung für die Kunden ist am Bus schon angebracht: Auto kaufen…
Wer geglaubt hatte, diese Serie von Pleiten, Pech und Pannen wäre nicht unendlich fortsetzbar, wurde am 29. und 30.9. grausam auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Gleiches geschah dem, der glaubte, dass die Bahn aus ihren Fehlern Schlüsse ziehen und besser aufpassen würde. Nichts dergleichen. Wegen Bauarbeiten der DB Netz AG in Barbis hat man – wohl um den Stellwerkern, von denen es auch zu wenige gibt, freie Schichten gewähren zu können – gleich den gesamten Verkehr zwischen Herzberg und Nordhausen auf die Straße verlagert. Die Busse benötigen für die ganze Strecke ca. 80 Minuten, weswegen man ständig drei Busse im Einsatz haben muss. Müsste – denn schon am Samstagvormittag fiel ein Fahrtenpaar pausenbedingt schlicht aus. Am Nachmittag wurde es dann ganz schlimm, denn nach 15 Uhr fuhr überhaupt kein Bus mehr in Richtung Herzberg und nach 16 Uhr keiner mehr in Richtung Nordhausen. 5 Stunden lang Totalausfall – die Fahrgäste wurden ratlos an den Bahnhöfen und Haltestellen zurückgelassen und mussten sich selbst um ihren Weitertransport kümmern.
Es bedurfte mehrerer Anrufe und Mails, um die Verantwortlichen auf die Probleme hinzuweisen. Danach kümmerte man sich, aber angesichts des Wochenendes und der Kurzfristigkeit der Anfrage war dies nur teilweise von Erfolg gekrönt. Daran konnte auch der persönliche Einsatz von Mitarbeitern aus der Leitung und von Teamleitern nichts mehr ändern. Er bewies nur, dass es immer noch Personal bei der Bahn gibt, das die Anliegen der Kunden wahrnimmt. Ein Hoffnungsschimmer. Der für die Beauftragung zuständige Bahnbus prüft und kontrolliert nichts.
Eine Rückfrage beim ausführenden Unternehmen, den Verkehrsbetrieben Nordhausen (VBN), ergab, dass man sehr wohl mit drei Bussen unterwegs sei, Samstag wie auch Sonntag, aber nicht genügend Fahrer hätte, um den kompletten Tag abzudecken. Dies habe man der Bahn auch mitgeteilt. Das weist diese wiederum von sich: Der Verkehr sei bei den VBN komplett für beide Tage bestellt worden, und eine Rückmeldung über fehlende Fahrer habe man nicht erhalten. Immerhin möglich, dass die VBN sich gemeldet haben, diese Meldung angesichts der Fülle der Beteiligten bei der Deutschen Bahn aber untergegangen ist. Schließlich sind der Bahnbus in Hamburg und die Leitstelle in Bremen (!) und nicht der örtliche Bahnbetrieb für die Bestellung des SEV zuständig. Und dort prüft man erst Recht nicht, ob es auch klappt. Nach abermaliger Rückfrage wollte man für Sonntag nach 16 Uhr den Verkehr mit Hilfe anderer Unternehmen absichern. Erfolg: Offen. Immerhin wollten die VBN einen (!) Bus weiterlaufen lassen. Mit diesem kann man einen 3-Stunden-Takt absichern…

Fazit: Wer es am Ende war, der den dritten SEV binnen eines Jahres so gründlich versiebt hat, dass die Kunden in Scharen wegbleiben, ist am Ende egal. Die Kunden stehen eine oder zwei Stunden an den Haltestellen und Bahnsteigen, erhalten keinerlei sinnvolle Information (auch im vielgepriesenen aktuellen Netz mit seinen Apps waren die Busse als „fahrend“ vermerkt), müssen sich am Ende selbst behelfen, dafür Geld aufwenden und sich bei dessen Rückforderung vom miesen Kundenservice der Deutschen Bahn dann noch belehren lassen, welche Unterlagen denn so alle fehlen, um das Geld zurück zu erlangen. Persönliche Schuldzuweisungen nutzen nichts – das System „Deutsche Bahn AG“ krankt vom Kopf bis zu den Füßen. Atomisierte Verantwortlichkeiten, fehlende Kompetenz vor Ort, eine Unzahl von Zuständigen – dass muss schiefgehen, selbst wenn viele Gutwillige und Engagierte darunter sind. Sie sind von der Zahl her denjenigen, die „ihren Job machen“, weit unterlegen.

Bei „Höchste Eisenbahn“ ist man stinksauer. „Die Deutsche Bahn ist mit ihren vielen Fehlleistungen drauf und dran, das Vertrauen der Kunden im Südharz endgültig zu verspielen. Es kommen ja noch die Zugausfälle zwischen Northeim und Göttingen und die ständigen Verspätungen in Herzberg hinzu. Die dann eintretenden Fahrgastrückgänge wird man uns dann seitens der DB und der LNVG um die Ohren hauen. Das lassen wir uns nicht gefallen und werden nun abermals Minister Althusmann und die Spitze der LNVG über das informieren, was hier läuft oder vielmehr nicht läuft. Von der Bahn erwarten wir eine großzügige Schadensregelung, darunter mindestens einen Tag, an dem die Kunden die Züge der Südharzstrecke kostenlos nutzen können“ kommentiert Michael Reinboth von der Initiative. „Wir versuchen, Leute von der Sinnhaftigkeit des Verkehrsmittels Bahn zu überzeugen, und müssen zusehen, wie das Verkehrsunternehmen ein ums andere Mal die Erwartungen enttäuscht. Das ist mehr als bitter.“

Michael Reinboth

Viele Grüße

Burkhard Breme
Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz" 
37431 Bad Lauterberg


E-Mail: burkhard.breme@suedharzstrecke.de
Internet: http://www.suedharzstrecke.de
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