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Stiller Winkel Eglofs: weit mehr als Freilichtbühne!

Regisseur und Co-Autor German Bader mit Ensemble Das Recht der ersten Nacht
 
Der Ablaufplan zeigt die ganze Komplexität
 
Zelten: die Spezialität mit Kräuterbutter – oder Schinken – werden liebevoll zur leiblichen Stärkung der BesucherInnen vorbereitet
 
German Bader und Co-Autor Charly Rauch mit Ehefrau und Lampenfieber beim Premierenempfang
 
Einstimmung in der Hofwirtschaft Löwen bei Josef und Astrid Ellgass
Argenbühl: Frelichtbühne Stiller Winkel |

Kaiserwetter den ganzen Tag und dann – für’s Allgäu durchaus untypisch – nicht die geringste Gewittergefahr, waren die untrüglichen Zeichen, dass es auch der Herrgott selbst gut meinte mit der Premiere zur Spielzeit 2019, als am Samstag, 29. Juni, 20.30, Das Recht der ersten Nacht im idyllischen Stillen Winkel Eglofs zur Aufführung kam.

Während sich die Welt in einem Umbruch wie kaum jemals zuvor befindet und verzweifelt nach Lösungen sucht, hält der seit 1982 rührige Geschichts- und Heimatverein die Erinnerung an ein, eigentlich das erfolgreich bewährte Meglatzer Beispiel wach, indem er im zweijährigen Turnus immer wieder mit Historienstücken dafür sorgt, dass die bewegte Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.

Karl-Heinz Marx, Vorsitzender des GHV Eglofs begrüßte mit launigen Worten die BesucherInnen des ausverkauften Premierenabends, an der Spitze Bürgermeister Roland Sauter mit Vor- und Vorvorgänger nebst jeweils Gattinnen, sowie politische und kulturelle Vertreter der Region und wies in die seitens des, durch die Handlung führenden Narren erwarteten Reaktion auf seine Schilder ein, ehe er selbst in die Rolle des Grafen Hartmann von Grüningen schlüpfte.

Das Spiel beginnt am 25. Juli 1243, als Egidius mit einem Soldaten Magda, die vor der Heirat stehende Tochter von Juliana und Magnus, zur ersten Nacht beim Lehensherren Graf Hartmann von Grüningen abholen. Historisch verbürgt ist dieses Recht nicht, taucht vielmehr immer dann auf, wenn die Willkür eines Herrschers thematisiert werden soll.
Es ist ein besonderer Qualitätsaspekt des Laientheater, dass dieses zentrale Geschehen zwar Allen vor Augen steht, doch nie dargestellt wird und die Handling zudem gänzlich ohne nackte Haut oder sonstige einschlägige Momente auskommt, wie sie sonst allüberall als überstrapaziertes Stilmittel der Regie inflationär eingesetzt wird..

German Bader aus dem vorarlbergischen Hohenweiler bringt als neuer Regisseur 50 Jahre Bühnen- und Regieerfahrung mit und lässt ca. 50 SchauspielerInnen mit erkennbar neuer Handschrift agieren.

Beim absoluten Geheimtipp und must see der Allgäuer Kulturszene geht es aber um weit mehr, als “nur“ Theaterspiel und dessen Perfektion, denn einst: im Jahre 1243 haben sich die Meglatzer – die heutigen Eglofser – mit 1000 Mark in Silber freigekauft von der fürstlichen Herrschaft.
Eine bemerkenswerte und bis in die heutige Zeit beispielhafte Gemeinschaftsleistung. Als Lohn erreichten sie die Reichsunmittelbarkeit. Sie unterstanden ab diesem Zeitpunkt direkt dem Kaiser und waren frei und nicht mehr Leibeigene.

Sind es heute nicht Lehensherren, sondern Konzerninteressen, welche die Menschen knechten, der Lösungsansatz: der Gemeinsinn bleibt weiterhin gültig und Eglofs hat seine erfolgreiche Anwendung bewiesen.
Nahezu alle Problematiken der heutigen Tage ließen sich damit ebenfalls positiv angehen: sei es in Familie Gemeinde, Region, Land, Kontinent oder gar auch weltweit.
Nehmen wir das Beispiel der allseits völlig zu Recht kritisierten Wasserpolitik – eigentlich des Wasserraubbaues – von Nestlé, ermöglicht ihn nur die Bequemlichkeit der Konsumenten, denn andere Anbieter gibt es und der Konzern lebt von den Gewinnen aus seinen Umsätzen, müsste bei einem nachhaltigen Boykott ebenso rasch nachgeben, als die nach Abgasmanipulationen mit den besten Verkaufszahlen der Unternehmensgeschichte belohnten Automobilhersteller.
Das Allgäuer land it luck ist also aktuell wie damals, jetzt und auch in die Zukunft: bestens also als Leitmotiv geeignet!

Karl Stiefenhofer, der große Allgäuer Charakter, bezeichnet Eglofs als einen Mikrokosmos, in dem sich eine vitale Möglichkeit auftut, Beispiel zu geben, wie in Respekt vor den früheren und Verantwortung für die künftigen Generationen, ein Stück besseres Leben praktiziert werden kann. Eglofs: als Dorf einzigartig – seine Freilichtbühne phänomenal!
Hinter dem ehemaligen, heute vorwiegend als Museum dienenden Kempterhaus finden an die 250 Gäste Platz, lassen sich in lange zurück liegende Zeiten versetzen und genießen es, dass Eglofs, das Dorf der Freien Leut, sich verschrieben hat, seine Geschichte zu spielen.
Der Kampf um die Freiheit ist das prägende Merkmal Eglofser Geschichte, so schreiben die Historiker. Und das zeichnet Eglofs immer noch aus. Eine freie und unabhängige Gemeinschaft zu sein, das wollen die Leute im Dorf der Freien heute noch.

Karl Stiefenhofer, der Multiengagierte, vom mittelständischen Unternehmer, über den Autor diverser Theaterstücke, bis hin zum Heimatpfleger, sowie Vorsitzenden im Geschichts- und Heimatverein Eglofs und Heimatbund Allgäu, um neben dem Grüß Gott Verein nur einige seiner Aktivitäten zu nennen, ist natürlich wieder mit dabei, auch wenn die Autorenschaft diesmal mehreren Federn entstammt. Im Rahmen einer Schreiberwerkstatt ließen er, Charly Rauch und German Bader unter der historischen Beratung von Karl Milz Szenen aus einer rund 50-jährigen Periode der Geschichte entstehen.

50 Jahre vor der Eingangsszene, am 26. Dezember 1194, berichtet der Narr – Wolf Becker brilliert, obwohl er nach Unfall-Handicap am Stock geht – wird im italienischen Jesi, etwa zwei Tagesritte nordwestlich Rom, der Sohn von Kaiser Heinrich VI. und seiner Gattin Konstanze geboren: der spätere Stauferkaiser Friedrich II.

In seiner Jugend spielt eine der stärksten Szenen, als Federico, wie er auf Sizilien genannt wird und werden will, seinen Lehrer Priester Friedrich nach der Realpräsenz Jesu in der Hostie befragt. Weit über das bewusst gepflegte Grüß Gott und den sich in vielen Szenen wiederfindenden Gottesbezug hinaus geht die theologische Aufschlüsselung, dass es sich wie bei der königlichen Leibspeise Wildschein am Spieß verhält. So wie das Fleisch Träger der körperlichen Nährstoffe ist, ehe es wieder ausgeschieden wird, verhält es sich mit der Hostie als eben Träger der seelischen Nährstoffe!
Unübersehbar: es wächst ein kluger Kopf als Verantwortungsträger heran.

Als der Ruf zur Kaiserkrönung an Federico erfolgt, muss er mit seinem Jugendfreund und Vertrauten Ahmad, dem Sarazenen, sowohl Papst Innozenz, seinem ehemaligen Vormund, über einen Kreuzzug dienlich sein, als gegen den entmachteten Kaiser Otto die Gunst der deutschen Bischöfe und Fürsten sichern.
Der Narr verabschiedet sich – im weiteren Verlauf führen Troubadour und Dudelsackspieler durch die Szenen – mit dem Hinweis auf deren Machtpolitik und damit seither erkennbar nichts Neuem unter der Sonne.

In den Humorszenen der Reisigen – Albrisser, Weinbränder und Wolfgänger – gibt Ottmar Jörg als Albrisser – ebenso wie Rita Ortmann als Baderin wieder mit enormer Stimmgewalt agierend – beredtes Beispiel vom Eglofser Gemeinsinn, indem sie als Hauptdarsteller früherer Saisonen nun auch in Nebenrollen absolut überzeugen.

In der Talschmitte landet der Ravensburger Tuchhändler Jakob auf der Rückreise aus Florenz mit einem Deichselschaden und bringt mit seiner Tochter Juliana die Liebe für Schmiedsohn Magnus ins Haus, wie auch für seinen Bruder Columban weitere Anreize der großen Welt, da er Florenz a Stuck hinter Malloiche vermutet und sich über 20 Tagesritte Distanz aufklären lassen muss.
Eingestreut immer wieder liebenswerter Lokalkolorit, als bsw. Jakob feststellt, dass der Meglatzer Wein ganz schön sauer, eher zum Eise abschrecke, als zum Trinka sei, lt. Juliana a Loch in Bauch nei brennt, worauf Columban mint: denn saufsch danoch an Ravensburger: der ziaht Dir’s wieda zemm!
Ahmad leidet noch weit mehr und wird später eine sizilianische Rebe als Kaisergeschenk überbringen.

Als auch Friedrich mit einem defekten Hufeisen auf seinem Weg nach Konstanz in der Talschmitte Hilfe erfährt ist es die Stunde für Columban sich ihm und Gefolge anzuschließen.
Als sich Juliana bei ihrer Tante Maria um die Lindenblütenernte bemüht, sorgt mit deren Empfehlung lieba an Moa, als gar koin Ärger, eine der vielen Allgäuer Wahrheiten für Lacher.

Dass Kaiser Otto IV Graf Hartmann von Grünigen zum Krieg gegen König Philipp II von Frankreich ruft ist die Gunst der Stunde für die Heirat von Juliana und Magnus, ohne dass der Braut auf Grund seiner Abwesenheit das Recht der ersten Nacht dwoi Tag?roht.

Bei der Taufe von Tochter Magdalena ruft Opa Simon auf, dass gscheit gefestet wird, worauf Ehefrau Dorothe warnt: aber it so, dass ma wieder zwoi Täg it aufstande ka, was Simon lakonisch kontert: ach des isch doch a Tauf. Do goht’s um a neues, ganzes Lebe, was jucket do scho zwoi Täg?

Um sein Machtkonstrukt zu sichern, ist es Friedrich daran gelegen, die Grafschaft des Hartmann von Grünigen zu erwerben.
Auf das von Ahmad überbrachte Angebot fordert dieser noch 1000 Mark Silber, mit denen sich die Bauern selbst freikaufen müssen und sieht in der Uneinigkeit das Scheitern, also seine Chance des Besitzfortbestandes.

Die Bauern beratschlagen, wie sie die Gunst der Stunde ergreifen und für eine bessere Zukunft nutzen können. Die Wirtin hält das Gelingen für ein Zauberkunschtschtück, denn da Magier zaubrat Hase aus am Huat und Ihr hätted denn meh wia zwoi Baure unter an Huat brocht. Wenn des it zaubfrat isch!.

Magnus und Caspar werden von der Bauernversammlung auserkoren in den Obere Sturz z‘ ganga, um auch die dortigen Bauern zu überzeugen. Dass der sie begleitende und später verratende Dietz ein Spion des Graf Hartmann von Grünigen ist, wissen sie nicht.

Es gelingt, das Geld kommt zusammen und wird, nachdem Dietz sich unter dem Vorwand seine – gar nicht existente – Tante in Weitnau zu besuchen, entfernt hat beim Überfall auf Magnus und Caspar entwendet.
Der Heim kehrende Columban und das Gefolge von Friedrich erobern es zurück und überbingen es mit den Reisigen, sodass der Reichsunmittelbarkeit wie auch Hochzeit von Caspar und Magda Nichts mehr im Weg steht: lediglich Caspar hat noch den Alptraum vom Recht der ersten Nacht an seiner Braut.

Zur Hochzeitsfeier und Reichsunmittelbarkeitsfest befürchtet Dorothe, bei dera Sauferei isch Dir morge gwieß it besser, sondern oifach bloss schlecht, wozu Simons Fazit lautet was isch scho uin Tag schleacht sei, wenn’s für Generationen besser werd?

Wie es auch heute gelingt: den Eglofser in sich entdecken!
Am Mittwoch, 03.; Freitag, 05.; Mittwoch, 10.: Freitag, 12.; Samstag, 13.; Sonntag, 14.; Mittwoch, 17.; Freitag, 19.; Samstag, 20.;  Sonntag, 21.; Mittwoch, 24.; Freitag, 26. und Sonntag 28. Juli 2019 sind – Spielbeginn jeweils 20.30 – die weiteren Gelegenheiten dazu!

Kontaktdaten für Kartenbestellungen und Informationen:
Geschichts- und Heimatverein Eglofs,
Onlinereservierung www.theater-eglofs.de oder per e-Mail karten@theater-eglofs.de.
Das Kartenbüro nimmt telefonische Bestellungen entgegen: Dienstag bis Freitag von 16.00 bis 19.00 unter +49 / 75 66 / 90 77 23


Erich Neumann, freier investigativer Journalist
über DFJ Deutsche-Foto-Journalisten e. V. www.dfj-ev.de
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© Bild: www.cmp-medien.de CC – Regisseur und Co-Autor German Bader mit Ensemble Das Rech der ersten Nacht
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© Bild: www.cmp-medien.de CC – Karl Stiefenhofer genießt es Hahn im Korb zu sein
© Bild: www.cmp-medien.de CC – Blick hinter die Kulissen in die Schneiderwerkstatt
© Bild: www.cmp-medien.de CC – Blick hinter die Kulissen in der Maske
© Bild: www.cmp-medien.de CC – Maske für den Soldaten Maximilian Reissner …
© Bild: www.cmp-medien.de CC – … der zu Beginn bei Juliana und Magnus deren Tochter Magda zum Recht der ersten Nacht abholt
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© Bild: www.cmp-medien.de CC – Ahmad und Friedrich planen die Reise ins Teutonenland
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© Bild: www.cmp-medien.de CC – Troubadour Ralf Wolf und Dudelsackspieler Ewald Boch beim Markttag
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© Bild: www.cmp-medien.de CC – … und Hütchenspieler beim Marktag
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© Bild: www.cmp-medien.de CC – Bauernversammlung
© Bild: www.cmp-medien.de CC – Alptraum von Caspar Balde Fabian Fuchs zum Recht der ersten Nacht an seiner Braut Magda
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