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Eglofs: als Dorf einzigartig – seine Freilichtbühne phänomenal!

Logo / Plakat (Foto: © Bild: www.theater-eglofs.de CC)
 
Autor Karl Stiefenhofer / Regisseur Günther Hannes Hauptkorn (Foto: © Bild: www.theater-eglofs.de CC)
 
Bühnenbild (Foto: © Bild: www.theater-eglofs.de CC)
 
Aufstellen zum Bittgang
Argenbühl: Frelichtbühne Stiller Winkel | Eglofs, das Dorf der Freien Leut, schreibt keine trockenen Geschichtsbücher, es spielt seine Geschichte seit vielen Jahren. Und damit diese bewegte Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, führte der seit 1982 rührige Geschichts- und Heimatverein im zweijährigen Turnus immer wieder Historienstücke auf seiner idyllischen Bühne im Stillen Winkel auf.

Karl Stiefenhofer, der Multiengagierte, vom mittelständischen Unternehmer, über den Autor diverser Theaterstücke, bis hin zum Heimatpfleger, sowie Vorsitzenden im Geschichts- und Heimatverein Eglofs und Heimatbund Allgäu, um nur einige zu nennen, bezeichnet Eglofs als einen Mikrokosmos, in dem sich eine vitale Möglichkeit auftut, Beispiel zu geben, wie in Respekt vor den früheren und Verantwortung für die künftigen Generationen, ein Stück besseres Leben praktiziert werden kann.

Mit “Schatten der Nacht“ spiegelte sich 2015 die Zukunft in der Gegenwart. Seine lange schon gehegten Gedanken zusammen mit Co-Autor und Regisseur Günther Hannes Hauptkorn in die Tat umgesetzt und deren Intentionen einmal nicht aus der Vergangenheit, sondern der Zukunft reflektiert: ohne dass die Gegenwart dabei besser wegkommen würde/könnte.

Eine überaus beklemmend gezeichnete Zukunft, welche nur allzu oft Bilder der Gegenwart aufsteigen ließ und Schauer über den Rücken jagte, wie sehr diese Fiktion eigentlich bereits in der Realität angekommen ist prägte dieses Stück.

Mit der von Regisseur Günther Hannes Hauptkorn überarbeiteten Wiederaufführung von “34 Kreuzer – 34 Stricke“ spielte die Komödie aus der Feder von Karl Stiefenhofer zwar in der Vergangenheit, die Parallelen zur Gegenwart und auch anderen Zeitachsenbetrachtung der Saison 2015 waren mehr, als nur frappierend.

“Wenn Euch nicht zum Lachen ist, lacht‘s trotzdem“ meinte der Hausherr in seiner gewohnt launigen Begrüßung, namentlich u. A. an den CDU-Bundestagskandidaten Axel Müller und Argenbühl‘s Bürgermeister Roland Sauter mit Gattin, sowie der Einladung zum Pausensekt an den weitangereistesten Gast, der diesmal aus Schleswig-Holstein kam.

Auch wenn es Regisseur Günther Hannes Hauptkorn absolut gelungen ist, das Historienstück zu einer Komödie umzuarbeiten und die ausnahmslos engagierten Akteure dies spritzig umsetzten, der eine oder andere bedenkenswerte und mahnende Aspekt blieb dennoch unübersehbar.

Die deutsche Revolution von 1848/49 war ein bürgerlich-demokratischer Aufstand gegen die Vorherrschaft und Privilegien es Adels in den deutschen Kleinstaaten, während heute die globalen Eliten den Unmut der Bevölkerung auslösen.

Die Revolutionäre wollten bürgerliche Freiheitsrechte durchsetzen und verlangten eine nationale Einigung. Die Mannheimer Volksversammlung forderte – inspiriert von der Februar-Revolution in Frankreich – im Großherzogtum Baden in ihren Märzforderungen bsw. Presse- und Versammlungsfreiheit, Schwurgerichte, Menschen- und Bürgerechte, Verfassung und Parlament. Durchwegs also Faktoren, die bis heute nicht existieren, schleichend ausgehöhlt wurden, oder daran sind, anderen Interessen geopfert zu werden!

Und gerade das ist es ja, was wir heute zu Hauf erleben und bis zum dabei entstandenen Begriff der “Lügenpresse“ reicht: die Gefahren, welche durch von Machtansprüchen und Gier getriebenen Informationen, anstelle seriösem Journalismus ausgehen und in der Fülle kaum mehr zu unterscheiden sind.
Da jede Woche und meist noch schneller eine neue Sau durch’s Dorf getrieben wird, interessiert sich kaum Jemand mehr für das Schicksal der vorherigen – sind wir weniger Ergebnis orientiert, als von Berieselung überschwemmt und am medialen Gängelband der Mächtigen unserer Tage.
Die künstlich erzeugten Abhängigkeiten von sozialen Netzwerken und modernen Kommunikationsmitteln befeuern zudem in eine falsche Richtung.

Im Allgäu kam es nicht zu Kampfeshandlungen, die unruhigen Zeiten nach niedergeschlagener Revolution und von den Monarchen ausgebremster gesamtdeutscher Verfassung waren jedoch auch hier sehr wohl zu spüren.
Die im Kircharchiv überlieferte Aussage, des Eglofser Kaplans Clemens Knöpfler “34 Kreuzer reichen für 34 Stricke, um daran die deutsche Fürsten aufzuhängen“ gab dem Spiel seinen Namen.
Einen Ausspruch, mit dem sich Wirt Thadäus nicht nur einmal um Kopf und Kragen reden würde und von seiner Frau Gertrud in jeweils letzter Sekunde daran gehindert wird.

Und eine weitere historische Begebenheit ist der Schnitthahntanz, der im Allgäu vielerorts gefeiert wurde, wenn zum Ende der Erntezeit das Getreide eingebracht worden war. Sei es bei einem Festmahl mit Gästen oder mancherorts üblich: dem öffentlichen Wetttanz um den, von den Wirtsleiten ausgelobten Preis: einen Hahn, ein schönes Tuch oder wie im Stück um 34 Kreuzer.
In Eglofs ging es dabei besonders hoch her, da nach einem Gelübde aus dem 30-jährigen Krieg vom 03. Mai, dem Tag der hl. Kreuzauffindung bis zur Kreuzerhöhung am 14. September keine Tanzbelustigungen stattfanden und der Schnitthahntanz diese Pause beendete, Am 21. September 1849 kam es bei einer solchen Veranstaltung in Eyb zu einem tragischen, im Stück verarbeiteten Zwischenfall.

Strafversetzt kommt der degradierte Pfarrer Knöpfler als Kaplan nach Eglofs oder Megletz, je nachdem aus welchem seinerzeitigen Lager betrachtet, ist und bleibt aber weiterhin ein Freund von Gedanken wie Waldbesitz in Bauernhand!

Im bayrisch – württembergischen Grenzgebiet glaubt ihm der Landjäger den Kaplanstatus nicht, ist vielmehr von seiner Mission getragen, das Land vom fahrenden Volk zu befreien und wirft Schlaglichter auf die gegenwärtige Flüchtlingsdiskussion.

Sein erster Gang führt ihn – seit 2 Tagen hungrig und durstig unterwegs – nicht zum Pfarrer, sondern in die Wirtschaft: nein nach neuestem Regentenwillen Gasthof, vom örtlichen Wirt liebevoll als Gaschdhof angeschrieben.

Entgegen Knöpfler’s Überzeugung – wo der Herrgott raus, ist der Teufel rein – hat der Pfarrer in Obrigkeitshörigkeit die im Volk beliebten und dem Wirt die Existenz sichernden traditionellen Bittgänge abgeschafft und tendiert dazu dem Kaplan alle seelsorgerischen Aufgaben zu übertragen, um sich der Verwaltung widmen zu können und nur an hohen Festtagen noch selbst die Messe zu zelebrieren.
Ähnlichkeiten mit dem heute überbordenden Dokumentationszwang bei Ärzten, Pflegern und Priestern sind keineswegs nur rein zufällig, dafür umso überdenkenswerter!
Eine unsägliche Ausgestaltung der Verbindung Kirche – Staat hindern den Klerus sogar daran, dagegen einzutreten, dass freies Denken nicht mehr gewünscht, nicht mehr möglich ist.
Wie oft wünscht man sich gerade auch heute im Wiederaufkommen von Rassismus und braun-rechten Tendenzen eine klare kirchliche Position, wie sie ein “Löwe von Münster“ Clemens August Kardinal Graf von Galen oder Pater Rupert Mayer innehatten, um nur einige wenige Aufrechte der NS-Zeit zu benennen.
Nur noch wenige Augenzeugen, wie die gerade erst mit dem Hildegard-Hamm-Brücher Förderpreis für Demokratie ausgezeichnete Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano gibt es noch und dann kann Niemand mehr von damals einfordern: “nie mehr wegsehen! – dann liegt es ausschließlich in unser aller Verantwortung nicht zu vergessen, niemals mehr zuzulassen, was längst schon viel zu stark wieder tobt!

Die Gattin des Schultheiß empfiehlt ihrem Obrigkeitsbückling bei Zuwiderhandeln gegen unnütze Verbote einfach wegzusehen, während er Beweis durchaus auch durch alternative Fakten zu ersetzen bereit ist, womit die Gegenwart sich in einer ihrer ganz besonders negativen Ausprägungen manifestiert.
Angesichts der heutigen Wegwerfmentalität gerade auch bei Lebensmitteln und dennoch harten Bandagen gegen Containern oder Pfandflaschenklau eine der vielsagendsten Szenen, wenn sich der als Hühnerfütterer versagende Landjäger nur mit Mühe davon abbringen lässt, das Ährenklauben einer armen Witwe als Diebstahl zu ahnden, das nicht auf ihrem Tisch landen darf, wonach sich die reichen Bauern nicht einmal mehr bücken wollen.
Über der Sinn oder Unsinn von Verboten ließe sich trefflich streiten, bsw. zur damaligen Auflage, dass zur erlaubten Eheschließung eine gewisse Existenzgrundlage bestehen musste, während heute allzu oft das Scheitern und die daraus resultierenden Negativfolgen geradezu vorprogrammiert sind.

Die wachen Geister, die es hier an der Argen wie in jeder Epoche gab und gibt prägen das Geschehen, zu dem nicht mehr verraten wird, als die Empfehlung hingehen und anschauen ist mehr, als lohnenswert!
Am 28.Juni, sowie 02., 05., 07., 08., 12. und 15.Juli sind – Spielbeginn jeweils 20.30 – die weiteren Gelegenheiten dazu!

Eglofs also, wie es immer war und ist, sowie mit seinem Bespiel und auch diesem Theater Mahnung und Appell an uns Alle gibt: am Besten mit einem, aus 2015 entlehnten Ausspruch: “Land it luck“ und entdecke den Eglofser in Dir!
So sah es auch der sichtlich begeisterte Bürgermeister Roland Sauter, der neben höchstem Lob für Stück, Ausstattung und Akteure felsenfest überzeugt ist, das neben dem Stolz auf die Tradition vor Allem auch die Gewissheit besteht, dass die Eglofser auch heute noch aus dem ihnen eigenen ganz besonderen Allgäuer Holz geschnitzt sind.

Aus der Riege der SchauspielerInnen einzelne AkteurInnen herausheben zu wollen fällt schwer, denn ein engagiertes Team überzeugte auf der ganzen Linie und bekam ebenso reichlich den hochverdienten Premierenapplaus, wie auch der Wettergott sein Wohlwollen mit einem bestens angelegten lauen Sommerabend beisteuerte.

Dennoch prägten Anneliese Buchner als wort- und Rita Ortmann als stimmgewaltige Akteurinnen ebenso die Szene, wie Sylvia Kubenz-Schmid und Andreas Wespel das Wirtsehepaar, Ottmar Jörg der Schultheiß, Karl-Heinz Marx, der Landjäger Engelbert, Gebhard Maurus als französischer Charmeur und natürlich Uli Herkle in der Hauptrolle des Kaplan Clemens Knöpfler.

Kontaktdaten für Kartenbestellungen und Informationen:
Geschichts- und Heimatverein Eglofs, Tel. 0 75 66 / 90 77 23, e-Mail: ghv@eglofs.de, www.theater-eglofs.de


Erich Neumann, freier investigativer Journalist
über DFJ Deutsche-Foto-Journalisten e. V. www.dfj-ev.de
Medienunternehmer im Gesundheitsbereich
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GSM +49 160 962 86 676
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