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Die alte Dorfschmiede

Ein über 5000 Jahre altes Handwerk, eines der ältesten - das Schmiedehandwerk ist am Aussterben.
Dieses Schicksal hat in den letzten Jahren leider auch viele andere Handwerks -Kleinbetriebe ereilt und der Trend macht auch vor dem Hinterland nicht halt.

Vor der hektischen Zeit des Autos, des Pc`s und Google, der mobilenTelefone, des Fernsehens und der Discos und Großveranstaltungen gab es in den Dörfern noch häufiger Begegnungen der Dorfbewohner untereinander. Man traf sich bei Nachbarn zu einem gemütlichen "Schwätzchen", oder es ging in die Spinnstube - ein Treffpunkt für Alt und Jung, wo häufig auch neue Bande geknüpft wurden.

Oft gab es zwanglose Zusammenkünfte bei den Handwerkern im Ort, wo dann von den "Alten" oft Dorfpolitik gemacht wurde.

Vor Jahrzehnten gab es auch im Hinterland in fast jedem Ort noch viele kleine Handwerksbetriebe, aber eine Dorfschmiede war immer dabei.
Das uralte Handwerk des Schmieds fasziniert auch heute noch, dort, wo es in historischen Schmieden vorgeführt wird.

In meinem Heimatort Lixfeld waren anno dazumal der Stellmacher (oder auch Schreiner), der Schmied, der Schuster und der Müller, bei denen wir Jungens je nach Laune der Handwerker bei deren Arbeit zuschauen durften.

Damals gab es in unserem Dorf den "Schmeddepetter" Heinrich Mai, den Mann, den wir mit Lederschürze kennen und der in 1932 eine neue Schmiede in massiver Bauweise neben der alten erstellt hatte. Er und auch später sein Sohn Martin Mai setzten das traditionelle Schmiedehandwerk ihrer Vorfahren fort.

Der größte Anziehungspunkt für uns Jungen war diese Dorfschmiede, denn dort gab es immer interessante Dinge zu sehen und zu erleben.
Ein offenes Kohlenfeuer, das mit Hilfe eines Blasebalges auf eine Temperatur von 1800 Grad C gebracht werden konnte. Gerade richtig um Eisenteile abwechselnd auf Rotglut zu bringen und zu schmieden.
Mit der Zange wurden die Eisenteile dann aus dem Feuer geholt und auf dem Amboss mit gezielten,gefühlvollen Schlägen in die gewünschte Form geschmiedet, u.a. die Grundformen der Hufeisen für Pferde und über 150 Klauenplatten für die Kühe (rechter und linker Fuß).

In den Sommermonaten konnte man dann auch zusehen, wie der Hufeisenschmied den Kühen neue "Schuhe" verpasste. Die Kühe mußten in der Landwirtschaft fest mitarbeiten und waren beim Ziehen der Wagen, des Pfluges und der Egge eingesetzt. Dabei nutzten sich die natürlichen Hornklauen ab.
Zum Anpassen der neuen "Schutzschuhe" wurden durch Schmieden die Klauenplatten äußerlich an den Hornfuß der Kühe angepasst, bei Unebenheiten auch eingebrannt und wenn der Sitz in Ordnung war, mit einigen Nägeln befestigt.
Beim Einbrennen entstand ein gewaltiger Rauch verbunden mit einem furchtbaren Gestank, was manchmal nicht nur die Zuschauer erschreckte - auch die Kühe.

Interessant waren die Reparaturen landwirtschaftlicher Geräte, angefangen bei Kettengliedern, Pflugscharen, Eggen, Hacken und Wagenräderbereifung.
Die Räder der Bauernwagen waren vom Stellmacher in Holz ausgeführt und es musste wegen der Abnutzung und der Stabilität ein eiserner Reifen aufgezogen werden.
Die Herstellung des Reifens und das Aufziehen auf das Holzrad wurde auch vom Schmied ausgeführt - dabei wurden die Reifen ebenfalls in heißem Zustand aufgezogen.

Ab 1957 übernahm dann der Nachfolger, sein Sohn Martin Mai die Schmiede.
Eine zusätzliche neue Produktion erforderte besonderes handwerkliches Können. Das war Vorraussetzung bei der Herstellung von Ziergittern, schmiedeeisernen Toren usw. und prägte sein Leben als Schmied. Martin war mit Leib und Seele dabei.
Als große Schmiedekunst kann man die feine filigrane Arbeit bei der Herstellung von Lampenschirmen und Lampenständer bezeichnen.

Seit 1995, also schon wieder seit 15 Jahren regt sich leider nichts mehr in der einst so interessanten Schmiede - sie ist ausgestorben !

Vom Aussterben bedrohte Tiere oder Pflanzen und sogar das Auftauchen eines einzelnen Molches werden von allen möglichen Vereinen oft mit einem unverhältnismäßig hohen finanziellen Aufwand gerettet - aber wer rettet unsere Handwerksbetriebe ?

Gruß Harry

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12 Kommentare

Danke Harry für den sehr interessanten und informativen Bericht. Alles ist vergänglich - aber wir brauchen alles auch wieder einmal.
Lg Fred

Ich habe viele Jahre meiner verwilderten Jugend in so einer Schmide verbracht auch als sie später ein Lokal wurde blieb ich Ihr treu. Demnächst soll sie neu eröffnet werden -- ich werde mal mit meiner Kamera vorbeischaun
gruß aus Bayern Manfred

Ja leider hört man kaum noch den hellen Ton, der beim Aufschlagen des Schmiedehammers auf das auf dem Amboss liegende, noch glühende und dadurch weiche Eisen entsteht, Dorfbewohner werden diesen Klang vermissen.
Sehr interessanter Bericht, Harry.

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