Lebensretter für Leukämiepatienten kommt aus Wiesbaden

Christopher Rettig schenkt Hoffnung im Kampf gegen Blutkrebs.
 
Unter der kostenfreien Hotline 0800 - 76 67 724 sind Mitarbeiter der Stefan-Morsch-Stiftung erreichbar.
Wiesbaden: Rathaus |

Beim Autofahren ist der 24-jährigen Christopher Rettig vorübergehend nervöser als sonst. „Ich muss etwas mehr auf mich aufpassen“, erzählt der Wiesbadener. Dabei geht es ihm nicht so sehr um sich selbst, als um jemanden, den er gar nicht kennt. Rettig ist als Stammzellspender registriert und nun letzte Hoffnung für einen Leukämiepatienten, der dringend auf seine Spende wartet.

Der Fachinformatiker möchte kein Risiko eingehen, das ihn von der Stammzellspende abhalten könnte: „Ich bin vorsichtiger als sonst gefahren und hab auf Fußball spielen verzichtet“, erzählt er am Tag der Spende in der Entnahmestation der Stefan-Morsch-Stiftung, der ältesten Stammzellspenderdatei Deutschlands. Er weiß, dass es für den Patienten, der auf seine Hilfe wartet, schlimme Folgen hätte, wenn im etwas passieren würde.

Was Christopher Rettig in Birkenfeld bei der Stefan-Morsch-Stiftung leistet, haben im Jahr 2013 mehr als 600 andere auch getan: Einem Leukämiepatienten, dem weder Chemotherapie noch Bestrahlung helfen konnte, mit der Stammzellspende Hoffnung auf Heilung geschenkt. Unter dem Leitmotiv „Hoffen – Helfen – Heilen“ leistet die Stefan-Morsch-Stiftung, seit fast 30 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist es, Menschen zu werben, die sich als Stammzellspender registrieren lassen. Daher sind täglich Teams der Stiftung in ganz Deutschland unterwegs, um bei sogenannten „Typisierungsaktionen“ über das Thema Stammzellspende zu informieren – auch in Firmen und Unternehmen.

2011 ließ sich Christopher Rettig, der da noch Auszubildender bei CSC Deutschland war, als möglicher Stammzellspender registrieren. Denn ein damaliger Kollege hatte Leukämie. Um zu helfen, bot die Geschäftsführung gemeinsam mit der Stefan-Morsch-Stiftung den Mitarbeitern die Typisierung an. „Ich wollte helfen“, erinnert sich Rettig – deshalb lässt er sich damals registrieren. Das ist ganz einfach: Nachdem er über das Thema Stammzellspende aufgeklärt wurde, füllt er einen Fragebogen zu seinem Gesundheitszustand aus und unterschreibt die Einverständniserklärung. Um seine Gewebemerkmale, die HLA-Werte, zu untersuchen, wird ihm ein bisschen Blut abgenommen, gerade so viel, wie in einen Fingerhut passt. Braucht ein Patient eine Stammzelltransplantation, wird mit seinen HLA-Werten in den Spenderdateien nach einem kompatiblen Spender gesucht. Um zu spenden, sollten zehn der Werte übereinstimmen.

Kurz vor Weihnachten 2013 bekommt Christoph Rettig Post von der Stefan-Morsch-Stiftung: Womöglich könnte er als Spender einem Patienten helfen. „Mir war direkt klar: Ich spende!“, erzählt er. Doch vorher wurde ihm erklärt, was auf ihn zukommt, und er wurde genau untersucht. Mitte Januar war klar, er ist der optimale Spender.

Immer wieder denkt er an den Patienten, über den er nichts weiß: „Ich würde schon gern wissen, woher er ist, wie alt und ob es ein Mann oder eine Frau ist.“ Erst am Entnahmetag wurden ihm diese allgemeinen Angaben zum Patienten gesagt – mehr lässt der Datenschutz nicht zu.

Seine Familie und seine Freundin bestärken ihn in seinem Engagement: „Sie finden das alle gut und interessieren sich dafür wie das alles funktioniert.“ Auch sein Arbeitgeber, die Tim AG in Wiesbaden, stellte ihn frei und ermöglicht ihm so, die nötigen Termine ohne Probleme besuchen zu können.

Mit der Übertragung von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. „Wegen einer Knochenmarkspende hatte ich Bedenken, ob es gefährlich ist“, gibt er zu. Bei dieser Entnahmevariante entnehmen Mediziner etwa 0,8 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen des Spenders. Deswegen entschied er sich für die zweite Entnahmevariante: die Apherese. Dabei werden, ähnlich wie bei der Blutplasmaspende die Stammzellen aus dem Blut gefiltert. Vorher muss sich der Spender einen körpereigenen Botenstoff spritzen, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Spender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen aus. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen.

„Das lange Liegen während der Apherese ist ganz schön anstrengend“, findet Christopher Rettig, „Aber ich würde es wieder machen.“ Er weiß nun, wie einfach es ist, einem Leukämiekranken zu helfen und hofft, dass mehr Menschen es ihm gleichtun: „Ich kann es nur jedem empfehlen, sich zu typisieren. Es ist kein großer Aufwand, das kann man ruhig in Kauf nehmen.“

Antworten auf die häufigsten Fragen rund um das Thema Stammzellspende:

Ab welchem Alter kann man sich typisieren lassen?

Jeder gesunde Erwachsene ab 18 Jahren kann sich als Stammzellspender registrieren lassen. Mit dem Einverständnis der Eltern kann man sich bereits ab 16 Jahren typisieren lassen. Die Eltern sollten dann die Einverständniserklärung mit unterschreiben.

Warum liegt das Typisierungsalter bei der Stefan-Morsch-Stiftung bei 40 Jahren?
Prinzipiell kann sich jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren registrieren lassen. Das Höchstalter für eine kostenlose Neuaufnahme haben wir für unsere Datei so festgelegt, da wir wissen, dass Spender, die älter als 40 Jahre sind, nicht mehr oder nur noch sehr selten von den Transplantationszentren als Spender angefordert werden. Das liegt unter anderem daran, das sich mit zunehmendem Alter die Zellteilung verlangsamt und die Beschwerden zu nehmen. Deshalb bitten wir, Spender, die älter als 40 Jahre sind, einen Beitrag für die Typisierungskosten zu leisten. Denn als gemeinnützige Organisation finanzieren wir die Registrierungen aus Spendengeldern. Und diese Gelder wollen und müssen wir so verantwortungsvoll wie möglich einsetzen.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient einen passenden Spender findet?
Die Wahrscheinlichkeit, für einen Patienten einen kompatiblen Stammzellspender zu finden liegt in der Größenordnung von 1 : 10.000 und 1 : 1.000.000 und ist abhängig von den Gewebemerkmalen (HLA-Merkmalen) des Patienten. Je genauer die Übereinstimmung zwischen den Merkmalen dieses DNA-Teilstückes des Spenders und denen des Patienten ist, umso größer sind die Erfolgsaussichten für eine Stammzelltransplantation.

Ich bin bereits typisiert. Soll ich nochmal?
Wer bereits typisiert ist, sollte sich nicht noch einmal registrieren lassen. Egal, wo er registriert ist, die Daten aller Stammzellspenderdateien stehen anonymisiert über das deutsche Zentralregister des ZKRD für weltweite Suchanfragen zur Verfügung. Wer mehrfach registriert ist, würde als Mehrfach-Treffer erscheinen und so zunächst den Eindruck erwecken, es gäbe mehrere Spender zu Auswahl. Letztendlich wäre das eine trügerische Hoffnung. Wer schon typisiert ist, sollte jedoch überlegen, ob die Spenderdatei noch die aktuellen Kontaktdaten hat.

Sollten Sie noch Fragen haben – die Stefan-Morsch-Stiftung ist unter der gebührenfreien Hotline 08 00 - 766 77 24 oder über info@stefan-morsch-stiftung.de erreichbar. Auf der Homepage www.stefan-morsch-stiftung.de oder via Facebook kann man sich ebenfalls informieren.

Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz in Birkenfeld ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die gemeinnützige Stiftung seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist, Menschen zu werben, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. So werden täglich Stammzell- oder Knochenmarkspender aus der stiftungseigenen Spenderdatei von ca. 380 000 potentiellen Lebensrettern weltweit vermittelt. Die Stiftung ist Mitglied der Stiftung Knochenmark- und Stammzellspende Deutschland (SKD).
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