Eiderstedt in drei Tagen: Gegen den Wind zum Westerhever Leuchtturm

Der Leuchtturm Westerheversand ist das Wahrzeichen der Halbinsel Eiderstedt (Foto: Katja Woidtke)
 
Bei einer gemütlichen Kutschfahrt erfährt man viel über Land und Leute (Foto: Oliver Woidtke)
 
Nicht nur Socken haben Ringel ; ) Leuchtturm Westerheversand (Foto: Katja Woidtke)
Westerhever: Leuchtturm Westerheversand |

Die Halbinsel Eiderstedt liegt im Nordwesten Schleswig-Holsteins und ist von drei Seiten von der Nordsee umgeben. Durch Eindeichungen trotzten die Friesen dem Meer bereits ab 1200 Land ab. Zahlreiche Orte mit der Endung "Koog" erinnern an diese Form der Landgewinnung. Flaches Land, Wiesen, Schafe, Kühe und die für Eiderstedt charakteristischen Haubarge prägen das Bild der Landschaft. Viele Touristen zieht es an die endlos scheinenden Strände St. Peter-Ordings. Doch Eiderstedt hat viel mehr als die größte Sandkiste Deutschlands zu bieten:

Wer wie wir Eiderstedt in drei Tagen erkunden und genießen möchte, sollte auf jeden Fall einen Besuch des rot-weiß geringelten Leuchtturmes Westerheversand einplanen. Mit etwas Glück steht am Großparkplatz eine Kutsche bereit, die bis zu fünf Personen für eine halbe Stunde durch die schöne Landschaft hinter dem Deich fährt. Der Kutscher hält während der Tour einen kleinen Klönschnack mit den Fahrgästen und hat viele, spannende Infos zu Land und Leuten parat.

Schon am frühen Vormittag ist der Großparkplatz am Deich vor dem Leuchtturm Westerheversand gut gefüllt und leider wurden am Info-Haus neben dem Parkplatz direkt vor unserer Nase die letzten Karten für die Turmbesteigung verkauft. Aber der Turm ist auch ohne den Blick von oben ein lohnendes Ausflugsziel und so machen wir uns auf den Weg zum Deich, um durch die Salzwiesen zum Wahrzeichen Eiderstedts zu spazieren.

Mit der Kutsche übers Land


Schon nach ein paar Metern ändern wir unsere Pläne: Ein Kutscher wartet auf Gäste und für 25,- € erkunden wir die Landschaft hinter dem Seedeich in warme Deckeln gemummelt, entschleunigt und aus einer ganz besonderen Perspektive. Während der halbstündigen Fahrt pustet uns der Nordseewind kräftig um die Ohren, die Sonne lacht vom Himmel und wir erfahren dit un dat von Land und Leuten. Der Kutscher erklärt, dass Wehlen dort entstehen, wo nach einer Sturmflut der Deich bricht und das Meerwasser stehen bleibt. Heute sind die Wehlen Rückzugsorte für zahlreiche Wasservögel, an ihren Ufern wächst Schilfrohr. Das wurde früher geschnitten, um die Häuser mit dem getrockneten Schilfohr (Reet) einzudecken. Inzwischen wird das Reet aus Rumänien und Ungarn importiert. Auch wenn die Kosten für ein mit Reet gedecktes Dach relativ hoch sind, findet man diese für die Küste typischen Häuser immer noch überall auf Eiderstedt. Reetdächer bestechen eben nicht nur durch ihre Langlebigkeit, was die Kosten relativiert, sondern vor allem durch ihren Charme.

Während Pferd Poldi uns durch die schöne Landschaft kutschiert, können wir unsere Blicke schweifen lassen und entdecken Graureiher, Kiebitze und Austernfischer. Als wir zur ehemaligen Warft Stufhusen kommen, legt Poldi den zweiten Gang ein, denn das Gelände liegt hier vier Meter höher als die Marschlandschaft. Zum Schutz vor Sturmfluten wurde hier bereits im Mittelalter Erde angehäuft, um den Bewohnern der einst im Meer liegenden Warft einen sicheren Rückzugsort bieten zu können. Am beeindruckenden Haubarg vorbei geht es nun zurück zum Startpunkt. Die Kutschfahrt war ein super Einstieg für einen schönen Tag auf Eiderstedt und nun geht es auf Schusters Rappen weiter zum Leuchtturm.

"Ringelsocke" in den Salzwiesen


Kaum sind wir über den Deich, fällt unser Blick auf das imposante und rund 40 m hohe Bauwerk mitten in den Salzwiesen. Rot-weiß geringelt steht er seit über 100 Jahren an dieser Stelle und weist den Schiffen den Weg. Früher hatte ein Leuchtturmwärter hier Dienst, inzwischen wird das Leuchtfeuer längst automatisch von Tönning aus überwacht. Eine steife Brise weht uns entgegen und so geht es gegen den Wind auf den ca. 1,5 km langen Spaziergang Richtung Leuchtturm. Rechts blökt ein Schaf, links blökt ein Schaf und über uns trällern die Lerchen. Tapfer flattern sie gegen den Wind an und begleiten uns mit ihrem schönen Gesang. In den Salzwiesen entdecken wir Ringelgänse, die in sicherer Entfernung zum Weg äsen. Während einige Touristen zum Meer spazieren, biegen wir ab und bummeln weiter, immer den Nordseewind auf und den Gesang der Lerchen in den Ohren. Und dann ist Westerheversand so nah vor uns, dass wir schöne Erinnerungsfotos dieses wohl bekanntesten Leuchtturmes Schleswig-Holsteins machen können. Fast sind wir ein bisschen froh, keine Karten für die Turmbesteigung ergattert zu haben, denn hier hätten noch einmal 157 Stufen erklommen werden müssen, ehe man den Blick über die Landschaft hätte schweifen lassen können. Typisch für Westerheversand sind die beiden Leuchtturmwärterhäuschen, die den Turm links und rechts flankieren. Die Schutzstation Wattenmeer hat hier ihre Räumlichkeiten und bietet u.a. Wattwanderungen an.

Einbahnstraße durch die Salzwiesen


Ende Mai ist der Stockenstieg noch nicht freigegeben, aber ab Juni können Besucher den Rückweg vom Turm zum Deich über den historischen, geklinkerten Leuchtturmwärterweg antreten. Da der Stockenstieg nur einen halben Meter breit ist, gilt hier die Einbahnstraßenregelung - und das mitten im Salzwiesen-Vorland. Bitte denken Sie daran, dass Sie auf diesem Weg durch einen Randbereich des Nationalparks spazieren und nehmen Sie Rücksicht auf die tierischen Bewohner.

Mit dem Wind im Rücken treten wir unseren Rückweg an, genießen die Weite des Landes und die frische Luft. Immer auch mit einem Auge auf den Weg vor uns, um nicht in einen der unzähligen Schafsköddel zu treten. Überall auf dem Deich sind die wolligen Schafe anzutreffen. Sie halten das Gras kurz und festigen den Deich. Die Schafshaltung der Wolle wegen lohnt übrigens längst nicht mehr. Gleich hinter dem Deich können Urlauber im Schäfermarkt Hinz neben Schafsmilchseife auch Socken und Fleischerzeugnisse kaufen und so ein bisschen Eiderstedt mit nach Hause nehmen.


Weitere Ausflugstipps für Schleswig-Holstein finden Sie hier: http://www.myheimat.de/themen/ausflugstipp-schlesw...


Der Rote Haubarg bei Witzwort ist wohl der bekannteste Haubarg Eiderstedts: http://www.myheimat.de/uelvesbuell/freizeit/ausflu...


Katjas Ausflugstipps: http://www.myheimat.de/gruppen/-katjas-ausflugstip...


Tipps und Kosten:


Westerheversand kann von April bis Oktober jeweils am Montag, Mittwoch oder Samstag von 10:00 bis 16:00 Uhr zur vollen Stunde besichtigt werden. Karten für die Turmbesteigung sind am Info-Haus direkt neben dem Großparkplatz erhältlich. Dort können Sie auch für einen bestimmten Termin reservieren.

Kosten:
Parkplatz: 3,- €
Halbstündige Kuschfahrt: 25,- € für bis zu fünf Personen
Turmbesteigung: Erwachsene 4,- €, Kinder 2,- €

Im Info-Haus befindet sich ein kleiner Shop mit interessanten Reiseführern, Karten und Tüddel.



Hier geht's zum Beitrag über den Hochdorfer Garten: http://www.myheimat.de/tating/kultur/eiderstedt-in...


Eiderstedt in drei Tagen: http://www.myheimat.de/themen/eiderstedt-in-drei-t...
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Karl-Heinz Töpfer aus Marburg | 28.05.2015 | 13:43  
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Ingeborg Behne aus Barsinghausen | 28.05.2015 | 14:08  
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