Ein erstaunliches Haus: Der Wittespeicher in Rostock

Das gastronomische Unternehmen „Zwanzig12“ im Witteschen Speicher in der Rostocker Schnickmannstraße. Foto: Helmut Kuzina
Rostock: Schnickmannstraße | Am Witteschen Speicher in der Schnickmannstraße steht auf der kleinen Hinweistafel: „Der 1795 erbaute Fachwerkspeicher wurde durch die bedeutende chemische Fabrik Witt für deren frühindustrielle Produktion an pharmazeutischen Präparaten genutzt. Die hier entwickelten Fabrikate Pepsin und Pepton fanden weltweite Verbreitung. Im Keller des Gebäudes ist ein großes Tonnengewölbe des Vorgängerbaus erhalten.“

Der Wittespeicher wurde nach einer umfangreichen Sanierung in den 1990er Jahren zunächst von der Stadtinformation genutzt und dann ab 2002 als gastronomische Einrichtung. 2012 eröffnete das Unternehmen „Zwanzig12“ seinen Betrieb in dem altehrwürdigem Gebäude und schuf durch die Kombination aus Moderne und Historie ein besonderes Ambiente.

Friedrich Witte (1829-1893), ein Rostocker Apotheker und Fabrikant, hatte in Berlin und Rostock Naturwissenschaften studiert und 1853 den Doktortitel erhalten. 1856 übernahm er in Rostock die Hirschapotheke seines Vaters. 1862 verkaufte er die Apotheke und gründete mit dem Erlös eine chemische Fabrik in der Schnickmannstraße 14.

1871 gelang ihm die Gewinnung von Coffein in kristalliner Form aus Teestaub. Gemeinsam mit dem Chemiker Dr. Carl Großschopf entwickelte Friedrich Witte in den folgenden Jahren eine Reihe von Produktions­verfahren zur Herstellung von besonders reinem Pepsin, Labpulver, Pepton, Pankreatin und Papain. Die in Wittes Fabrik produzierten Pharmaka wurden bis in die USA und nach Russland exportiert.

Januar 2016, Helmut Kuzina
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