1716 - Vor 300 Jahren erwarb Herzogin Sophie Land für ihr Lustschloss in Fürstenau

Der heutige Ort Fürstenau steht auf der Stelle der Wüstung des Ortes Haselrede, der 1318 erstmals urkundlich erwähnt wurde. 1716 erwarb Herzogin Elisabeth Sophie Marie (1683−1767) den dort noch bestehenden Häßler- oder Hasselhof und ließ dort ein Lustschloß errichten, das den Namen Schloss Fürstenau erhielt. Kein ungewöhnlicher Vorgang in dieser Epoche, in der selbst unbedeutende Landesfürsten von einem eigenen kleinen Versaille träumten; oftmals ohne Rücksicht auf ihre Finanzen!
Ab 1712 hatte ihr zunächst das Schloss in Vechelde (1671 erbaut) als Wohnsitz gedient. Das neue Fürstenauer Schloss wurde allerdings wenig genutzt und diente um 1802 bereits als Gefängnis des Gerichts Vechelde und wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgebrochen; Fürstenau hatte damals gerade einmal 65 Einwohner in zehn Feuerstellen.

Ein Heilwasser-Brunnen wurde entdeckt

In den 1720er Jahren untersuchte Rudolph August Behrens, der Leibarzt des Herzogs August Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel, die Heilwirkung einer Mineralquelle in der Nähe des Dorfes. Die Quelle blieb jedoch ungenutzt.

Neuordnung unter Napoleon Bonaparte

Mit dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel wurde Fürstenau 1807 in das von Napoleon geschaffene Königreich Westfalen eingegliedert. Durch ein königliches Dekret vom 5. Januar 1813 wurde die Commune Fürstenau im Landkanton Peine (Distrikt Braunschweig) im Departement Oker aufgehoben und mit der Commune Sophienthal vereinigt.
Nach der Auflösung des Königreichs Westphalen im selben Jahr, gehörte der Ort bis 1918 zum Herzogtum Braunschweig. Fürstenaus Zuordnung zum Landkreis Braunschweig endete am 1. März 1974 im Zuge der Gebietsreform Niedersachsens. Seitdem gehört der Ort zur Gemeinde Vechelde.

Der Ortsname „Sophiental“ erinnert an die Herzogin

Im Jahr 1724 übertrug Herzog August Wilhelm seiner Frau, die in dritter Ehe mit ihm verheiratet war, ein Gebiet in der Gemarkung Wendeburg, wo sie mit dem Alterssitz Sophiental eine weitere Schlossanlage errichten ließ. Auch dieses Schloss blieb nicht erhalten. Die dort in Holzfachwerkbauweise errichteten fürstlichen Häuser wurden 2 Jahre nach dem Tod der Herzogin 1769 abgetragen. Ein großer Teil der Baumaterialien wurde versteigert, einige Balken wurden in der Wendeburger Marienkirche verwendet, und das ehemalige Küchengebäude auf dem Schlossgelände wurde zur Revierförsterei umgebaut. Aus der Ansiedlung entwickelte sich der nach der Herzogin benannte recht junge Ort Sophiental.
Teile des Schlossgrabens des Fürstenauer Schlosses mit Wall und altem Baumbestand sind jedoch noch sichtbar im Ortskern von Fürstenau erhalten und genießen Schutzcharakter.


Abbildungen:

Herzogin Elisabeth Sophie Marie auf einem Gemälde von Christoph Bernhard Francke, vor 1729
Historische Landkarte von 1639 mit der Wüstung Haselrede östlich von Peine
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 03.01.2016 | 08:05  
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