100 Jahre Mittellandkanal – Der „Lange“ wird 100

Die Weserüberquerung bei Minden um 1960
Wenn man einmal von seinem ursprünglichen Namen (Ems-Weser-Kanal) absieht, liegt die Fertigstellung und Inbetriebnahme des Mittellandkanals nunmehr genau 100 Jahre zurück. Schon 1856 gab es erste Pläne zum Bau eines Schifffahrtskanals von Rhein bis an die Elbe bei Magdeburg.

Kompromisse und „Kanalrebellen“


Um das Projekt wurde im Deutschen Reich erbittert debattiert, da die Landwirte aus der östlichen Elbregion das Eindringen billiger Produkte aus dem Westen befürchteten; ihre Gegner nannten sie deshalb verächtlich „Kanalrebellen“! Als Kompromiss sollte der Kanal, dessen Bau mit dem Inkrafttreten des preußischen Wassergesetzes vom 1. April 1905 beschlossen wurde, nur bis Hannover angelegt werden. Im folgenden Jahr wurde der erste Bauabschnitt von Bergeshövede nach Hannover begonnen, damit war im Westen der Anschluss an den Dortmund-Ems-Kanal gegeben. Der Erste Weltkrieg verzögerte zwar den Weiterbau, trotzdem wurde der Abschnitt bis Minden, noch 1915 fertiggestellt. Ein Jahr später war auch die Querung des Wesertals bei Minden gelungen und der Kanal bis Hannover zum Misburger Hafen vorangetrieben; die Kompromisslösung war damit vollendet. Am 26. Juli 1926 wurde in einem Staatsvertrag die Vollendung des Mittellandkanals beschlossen. 1928 begann die Erweiterung des Kanals in östlicher Richtung. Noch im selben Jahr wurde die Schleuse Anderten in Hannover durch den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg feierlich eingeweiht.

Peine wird Hafenstadt


Schon 1929 fand die Anbindung an Peine statt, was insbesondere der Peiner Stahlindustrie einen völlig neuen Versorgungsstrang erschloss. Vorwiegend mit Männern des sogen. Reichsarbeitsdienstes, auch aus dem Peiner Raum, wurde 1933 bis Braunschweig erweitert und auf halber Strecke zwischen Peine und Braunschweig entstand eine völlig neue touristische Einrichtung am Kanal, das noch heutzutage beliebte Ausflugslokal Sophienruh mit einem eigenen kleinen Anleger für Schiffe.

Brücken waren nötig


Peine abwärts schnitt der Kanal aber zahlreiche Orte von den Landwegen ab, so waren denn auch etliche Kanalbrücken erforderlich, um die Dörfer nicht zu isolieren. 1938 wurde bei Magdeburg die Verbindung zur Elbe fertiggestellt. Die Elbüberführung gelang jedoch aufgrund des Zweiten Weltkriegs nicht mehr, die Bauarbeiten an der Kanalbrücke über die Elbe und am Schiffshebewerk Hohenwarthe wurden 1942 eingestellt. Noch zu Zeiten der deutschen Spaltung aber wurde der Ausbau letztlich nahezu abgeschlossen.

Der längste Kanal Deutschlands

Mit 325,3 Kilometern Länge ist der Mittellandkanal die längste künstliche Wasserstraße in Deutschland. Inklusive seiner Stich- und Verbindungskanäle beträgt die Länge 392 km. Im Prinzip ist er das wichtigste Verbindungsstück zwischen den Flüssen Rhein und Oder!
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1 Kommentar
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Kurt Battermann aus Burgdorf | 29.10.2015 | 08:44  
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