Mit dem Fahrrad auf der D-Route 11 von Naumburg nach München

Das Signet der D-Route 11.
 
Tour- Verlauf
 
Letzter Blick zurück nach Naumburg
 
Saaleck
 
Camburg
Wer hin und wieder den Saale-Radweg in Naumburgs Umgebung nutzt, dem wird vielleicht aufgefallen sein, dass vor einiger Zeit die Hinweisschilder um ein Symbol ergänzt wurden. Dabei handelt es sich um ein Rad, das auf der linken Seite Speichen hat und auf der rechten Seite auf rotem Grund eine 11 zeigt. Dieses Zeichen verweist auf eine D-Route, die durch den Burgenlandkreis führt. D-Routen gehören zu einem System von Radfernwegen, von denen es derzeit 12 gibt. Die D-Route 11 „Ostsee-Oberbayern“ ist mit 1697 km die längste, sie beginnt in Rostock und verläuft über Berlin und München bis kurz vor Salzburg.

Von Bernburg bis zur Saale-Quelle bei Zell im Fichtelgebirge verläuft die D-Route 11 auf dem Saale-Radweg. Da eine Rad-Tour zur Saale-Quelle noch auf meiner Wunschliste stand, nahm ich mir vor, in diesem Sommer zunächst dorthin zu radeln und danach noch ein „Stückchen“ weiter, die D-Route 11 in Richtung Süden zu erkunden.

Schon zeitig im Frühjahr begann die Planung der einzelnen Etappen, wobei sich herausstellte, dass es im Idealfall durchaus möglich ist, die ca. 830 km bis München in 9 Tagen zu absolvieren. Technische und organisatorische Vorbereitungsarbeiten folgten. Die Kondition wurde durch ca. 1.000 Trainingskilometer kreuz und quer durch unseren schönen Burgenlandkreis aufgebaut.

In der zweiten Julihälfte war es dann soweit. Die Wetteraussichten waren nicht unfreundlich, die Tour konnte beginnen.
Die erste Etappe sah 91 km bis Rudolstadt vor, bis Jena auf bekannten Wegen. Nach einer Umleitung in Jena-Lobeda ging es bei mittlerweile reichlich über 30°C weiter nach Kahla. Immer hügeliger werdendes Gelände und ein heftiger Gegenwind erschwerten auf den verbleibenden 25 km bis Rudolstadt das Fortkommen. Das voraus gebuchte Quartier lag zudem hoch oben über dem Saaletal, so dass der Tacho am Ende 96 km zeigte. Mit einem Spaziergang hinunter in die Stadt und einem Besuch der "Thüringer Bauernhäuser", die als ältestes Freilichtmuseum Deutschlands gelten, schloss der Tag ab.

Ein nächtliches Gewitter hatte die Luft gereinigt, so dass die zweite Etappe nach Saalburg bei angenehmen Temperaturen gestartet werden konnte. Kaum lag Rudolstadt-Schwarza hinter mir, gab es eine Sperrung des Saale-Radweges ohne Angabe einer Umleitung. Ein hilfsbereiter ortskundiger Radfahrer nahm sich meiner an und begleitete mich bis zum Ortsausgang von Saalfeld. Seinem Ratschlag folgend, fünf extrem schlechte Radweg-Kilometer zu umfahren, übersah ich dann hinter Kaulsdorf ein klitzekleines Umleitungsschild und stand vor einer gesperrten Brücke. Dank meiner mitgeführten Navigationstechnik konnte ich den richtigen Weg finden. Nach Überquerung der Staumauer der Talsperre Hohenwarte II fing bald die Kletterei an. Gelegentliche Regenschauer und heftiger Wind taten ihr Übriges, um die Fahrt zu erschweren. Jeder zwischenzeitlichen Abfahrt folgte ein noch steilerer Anstieg, was besonders nach dem Überqueren der Saale bei Altenroth mit der Mühlenfähre der Fall war. Weitere Stationen waren Ziegenrück und Burgk. Mittlerweile hatten sich dank des kräftigen Windes die Wolken verzogen, so dass die restlichen Kilometer bis zum Tagesziel Saalburg bei recht hohen Temperaturen absolviert werden mussten. Die bei Saalburg gebuchte Pension lag nach 85 Tageskilometern natürlich wieder ein ganzes Stück außerhalb und hoch über dem Bleiloch-Stausee.

Der dritte Tagesabschnitt begann dank nächtlicher Regenschauer wieder mit freundlichen Temperaturen. Weniger freundlich hatten einige „Radsportfreunde“ gehandelt, die an einer entscheidenden Kreuzung die Wegweiser um 180° verdrehten und damit einige Verwirrung stifteten. Nach anfänglich fast ebenem Streckenprofil wurden die Anstiege immer häufiger, steiler und länger und waren mitunter nur noch schiebend zu bewältigen. In Blankenstein wich die Beschilderung des Weges wieder einmal von meiner auf dem Navi gespeicherten Route ab. Der Ausschilderung zu folgen stellte sich später als Fehler heraus, denn in Blankenberg waren keine Schilder mehr zu finden. Dank Navi fand ich eine Fußgängerbrücke über die Saale sowie den Saale-Radweg wieder und betrat bayerischen Boden. Nach Querung der A 9 an der Abfahrt Rudolphstein wurde aus der Saale die „Sächsische Saale“. Vorbei an Hirschberg immer schön bergan und bergab ging es weiter nach Hof. Danach wurde die Strecke etwas ebener. Wenn ich hinter Schwarzenbach an der Saale nicht einen Abzweig des Weges übersehen hätte, wäre ich meinem Tagesziel schneller näher gekommen. So befand ich mich plötzlich mitten im Wald in dichtem Unterholz und musste umkehren. 16 km vor der Saalequelle verließ ich die D-Route 11 und nahm die letzten 13 km des Tages, davon die Hälfte bergauf, bis in das Städtchen Helmbrechts in Angriff, wo ich von einigen Enkelkindern schon erwartet wurde. Wieder waren 86 km geschafft. Ein kleiner gemeinsamer Waldspaziergang ließ die Strapazen des Tages schnell vergessen.

Der Morgen des vierten Tages ließ schon erahnen, dass wieder eine Hitzeschlacht bevorstehen würde. Schnell konnten die verbleibenden Kilometer bis Zell im Fichtelgebirge bewältigt werden. Durch den Wald führte der Weg anschließend zur Saalequelle, die in reichlich 700 m Höhe über NN liegt. Ein Einheimischer erzählte mir, dass mein weiterer Weg noch einige Herausforderungen bereithalten würde, dann aber bald nur noch Genussradeln bietet. Er sollte Recht behalten. Zunächst fuhr ich, wenn auch bei Gegenwind, relativ gemächlich bis Gefrees, danach wurde es bergiger. Schließlich stieg die Straße steil an, ohne dass ein Ende abzusehen war. Mehrere Kilometer teilweise mit bis zu 18% Steigung waren auch schiebend bei zunehmender Hitze nur schwer zu bewältigen. Hinter Wülfersreuth in über 700 m Höhe war der höchste Punkt erreicht. Es folgte eine steile Abfahrt bis in die Nähe von Bischofsgrün, wo der Weiße Main, einer der Quellflüsse des Mains entspringt, dem ich die nächsten zwei Tage folgen würde. Hier begann nun tatsächlich das Genussradeln. Ein zum Radweg umgebauter ehemaliger Bahndamm brachte mich zunächst nach Bad Berneck, von wo aus es über weitestgehend offenes Gelände weiter ging und ich erneut erkennen musste, dass heftiger Gegenwind ein ebenso schlechter Wegbegleiter ist, wie es steile Berge sind. Bei Himmelkron querte der Radweg wieder einmal die A 9, bevor er durch Neuenmarkt und einige andere Orte Kulmbach erreichte. Kurz danach, unweit der Vereinigung des Weißen und Roten Mains zum Main lag nach 83 Tageskilometern mein Tagesziel Mainleus.
Der folgende Tag war ein Ruhetag, an dem es Kulmbach, das dort gebraute Mönchshof Bier und die über der Stadt thronende Plassenburg zu entdecken galt.

Nach heftigen nächtlichen Gewittern war es am nächsten Tag eine Freude, durch das frisch gewaschene Maintal zu fahren. Burgkunstadt, Lichtenfels und Bad Staffelstein waren einige Orte, an denen der Radweg vorbei führte. Zahlreiche Seen säumten den Weg und mehrmals wurden die A 73 bzw. A 70 überquert. Im Gegensatz zu den anderen Tagen waren viele Radwanderer unterwegs, die wie ich unter der zunehmenden Hitze und den einige Male in die falsche Richtung zeigenden Wegweisern zu leiden hatten. An einer Reihe kleinerer Ortschaften vorbei erreichte ich nach 86 km mein Quartier in Bamberg.
Die Bamberger Altstadt ist seit 1993 als Weltkulturerbe in die Liste der UNESCO eingetragen und wird dementsprechend gern von Menschen aus vielen Ländern besucht. Neben der Altstadt gehörte natürlich ein Besuch des Doms mit seinem sogenannten Bamberger Reiter zum abendlichen Pflichtprogramm.

Nach einer heißen Nacht, das Quartier lag an einer viel befahrenen Straße und war schlecht zu lüften, verließ ich den Main-Radweg und folgte der D-Route 11, die nun für die nächsten zweieinhalb Tage häufig entlang des Main-Donau-Kanals führte. Dieser Kanal ist über 170 km lang und wurde 1992 nach einer Bauzeit von 32 Jahren fertig gestellt. Der Kanal ist über weite Strecken scheinbar schnurgerade und auf dem an ihm entlang führendem Radweg fand man kaum Schutz vor Sonne und weiterhin heftigem Wind, der häufig von vorn oder der Seite, aber nie von hinten kam. Einzige Abwechslung waren die diversen Schleusen. Hin und wieder lag der Kanal so hoch über dem Umland, das man sich lieber nicht vorstellen möchte, was im Falle eines Dammbruches geschehen mag. Um der Eintönigkeit zu entfliehen, bot sich ein Abstecher ins nahe dem Kanal liegende Forchheim mit seiner historischen Altstadt an. Bei Erlangen bog der Radweg vom Kanal ab und verlief in der Nähe der Regnitz bis nach Fürth, dann entlang der Pegnitz nach Nürnberg, meinem 6. Etappenort, wo ich bei hohen Temperaturen nach 78 km meine Unterkunft erreichte.
In der zweitgrößten Stadt Bayerns ist die historische Altstadt mit der hoch oben liegenden Burg auf jeden Fall einen Besuch wert, wie ein abendlicher Spaziergang zeigte.

Der siebente Tagesabschnitt begann mit dem dank Navigationstechnik gelungenem Versuch, Nürnberg in die richtige Richtung zu verlassen. Nach Querung der A 73 und A 6 führte der Weg an mehreren Ortschaften vorbei wieder an den Main-Donau-Kanal und an diesem entlang bis zum Rothsee nahe Hilpoltstein. Ein aufziehendes Gewitter wurde vom heftigen Wind zu meinem Glück in eine andere Richtung geblasen. Von nun an wurde das Gelände wieder bergiger, was unter normalen Bedingungen kein Problem gewesen wäre. Nur leider wütete an diesem Tag das Sturmtief Zeljko. Dankbar für jeden noch so kleinen Windschutz ging es teils auf Landstraßen, meistens aber auf unbefestigten Radwegen in Schlangenlinien vorwärts, denn die meist seitlich, selten von vorn kommenden Windböen ließen nichts anderes zu. Auf teilweise recht schmalen Wegen bestand insbesondere bei Abfahrten ständig die Gefahr, vom Weg gepustet zu werden.
In der Nähe von Greding traf der Radweg wieder einmal auf die A 9. In dem wunderschönen Ortskern konnte ich bei einer Rast beobachten, wie der Wind seine „Spielchen“ mit den aufgebauten Marktständen trieb. Nach mehreren Querungen der A 9 führte die D-Route 11 schließlich in das Altmühltal, wo ich einen sehr gut ausgebauten und beschilderten Radweg vorfand. Am Hang des Tales entlang, und damit etwas windgeschützt, erreichte ich bald Beilngries. In dem danach breiter und östlich verlaufenden Tal konnte ich über eine längere Strecke endlich mal die Vorteile des Sturmtiefs genießen, mit Rückenwind flog ich förmlich meinem Tagesziel Dietfurt a. d. Altmühl entgegen. Da staunten selbst die hier zahlreich vertretenen E-Bike-Fahrer. 3 km hinter Dietfurt gelangte ich schließlich nach fast 106 anstrengenden Tageskilometern zu meinem Nachtquartier.
Den hier folgenden zweiten Ruhetag der Tour nutzte ich, um bei einem motorisierten Ausflug in das nicht weit entfernte Regensburg Kraft für die verbleibenden ca. 200 km bis an das Tour-Ziel München zu tanken.

Nach dem Ruhetag hatte das Sturmtief Zeljko seine Kraft verloren und es war nur noch „normal“ stürmisch. Ab Dietfurt fließt die Altmühl im Bett des Main-Donau-Kanals, der auf den ersten 35 km mein Wegbegleiter war. Vorbei an der Nachbildung eines Keltendorfes aus der Eisenzeit und der Stadt Riedenburg war Kehlheim an der Donau bald erreicht. Hier folgt die D-Route 11 eine kurze Strecke dem Donau-Radweg, vorbei an der Mündung des Main-Donau-Kanals. Kurz danach, bei Saal an der Donau biegt die Route nach Süden ab. Auf der häufig an Feldern entlang führenden Strecke war der Wind für Radfahrer wieder ein ernst zu nehmender Gegner. Abensberg und Rohr in Niederbayern waren die nächsten Orte, an denen es auf dem Laaber-Abens-Radweg und dem Hopfenland Hallertau Radweg entlang ging. Kurz vor dem Tagesziel nach 98 km in der Gemeinde Ergoldsbach war erstmals ein Hinweis auf die Isar zu finden, der ich am nächsten Tag über weite Strecken folgen würde.
Beim Abendessen in einem idyllischen Biergarten frischte der Wind wieder derart auf, das alles, was nicht irgendwie befestigt war, weg zu fliegen drohte.

Die neunte Tour-Etappe sollte mich bis kurz vor München bringen. Der Tag begann wie an den Vortagen mit viel Sonne und Wind. Auf Landstraßen war hügelauf und -ab eine Reihe von Dörfern zu durchfahren. Nach der Querung der A 92 gelangte ich dann an den Isarradweg, auf dem die D-Route 11 nun bis München verlief. Zunächst kam Landshut in Sicht, wo ich einen kleinen Abstecher in die Innenstadt machte. Bis zum später folgenden Echinger Stausee und auch danach war man wieder voll der Willkür des Windes ausgesetzt. Einige Kilometer nach erneuter Querung der A 92 erreichte ich Moosburg, wo der Platz vor dem St. Johannes und Kastulusmünster zum Rasten einlud. Der nächste Streckenabschnitt auf dem weitestgehend naturbelassenen Isarradweg brachte mich durch Auenwälder, die teilweise Schutz vor stürmischem Wind boten, bis nach Freising. Auch hier war der Radweg wie so oft in Bayern so angelegt, das er nur außen an der Stadt vorbei führte. Also verließ ich den Radweg wieder einmal, um wenigstens einen kleinen Eindruck von dieser Stadt gewinnen zu können. Ein Stück weiter, bei Ismaning, knapp 18 km vor dem Münchener Stadtzentrum, beendete ich nach 94 km die Tagestour, um Verwandtschaft, die es kürzlich von Thüringen hierher verschlagen hat, zu besuchen.

Am nächsten Tag waren die letzten 18 km bis zum Münchener Stadtzentrum fast ein Kinderspiel. Dem Isarradweg folgend, war die Ludwigsbrücke Richtung Innenstadt bald erreicht. Auf großzügig angelegten Radwegen konnte man am Isartor vorbei zum Marienplatz radeln. Allerdings hatte ich, der die ganze Tour nahezu allein gefahren war, nicht mit der Resolutheit vieler Münchener Radfahrer gerechnet. In Gruppen von 20 bis 30 Fahrern fuhr man von Ampel zu Ampel, wobei so manchem Pedalritter jedes Mittel recht war, um möglichst als Erster an der nächsten Ampel anzukommen. Als dann auch noch die Straße und der Radweg durch ein Rettungsfahrzeug blockiert waren, wurde eine Slalomfahrt um die sich stauenden Autos veranstaltet. Mir als Kleinstädter war das zu riskant, so dass ich mein Tourziel, den Münchener Marienplatz, die letzten 100 m schiebend erreichte. Groß war die Freude, ich hatte es tatsächlich geschafft, die letztendlich 832 km von Naumburg nach München mit dem Fahrrad zu fahren.

Zum Glück kann ich nach dieser Tour ein ähnliches Fazit ziehen wie vor drei Jahren, als ich mit dem Fahrrad von Naumburg nach Bremen fuhr. Weder Muskelkater noch technische Defekte haben das Vergnügen beeinträchtigt, durch unser schönes Land zu radeln. Nur der häufig wehende starke Wind erforderte zusätzliche Kräfte und Aufmerksamkeit. Ich habe viel über die Südhälfte unseres Landes gelernt und kann nur hoffen, dass es in dieser Qualität erhalten bleibt.
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4 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 18.08.2015 | 05:57  
2.304
Gerd Henschel aus Naumburg (Saale) | 18.08.2015 | 15:09  
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Conny Brummack aus Naumburg (Saale) | 22.09.2015 | 12:30  
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Matthäus Felder aus Lichtenstein | 26.09.2015 | 15:35  
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