Marburg gibt den Takt vor

Knapp 40 Marburger Zuschauer hatten viel Spaß am Spiel ihrer Mannschaft. (Foto: Marcus Richter)
Planet-Cards-DBBL-Pokal, Achtelfinale: SV Halle Lions – BC Pharmaserv Marburg 40:76.

Mit einem ungefährdeten Auswärtssieg sind Marburgs Erstliga-Basketballerinnen ins Pokal-Viertelfinale eingezogen. Dort tritt das Pharmaserv-Team am 3. Januar beim Zweitligisten Bad Aibling an.

Vor dem Sprungball vereinten sich zunächst die Anhänger beider Vereine. Die Trommelsportler des Hallenser Fan-Courts und des Blue-Dolphins-Fanclubs fröhnten für eine Minute lang im gemeinsamen Rhythmus ihrer Leidenschaft: der Unterstützung ihrer jeweiligen Mannschaft.

Beide Trainer hatten für die Pokalpartie des Bundesliga-Fünften beim Sechstplatzierten mit einem offenen Verlauf gerechnet. Zu einem Herzschlagfinale kam es indes nicht. Von Beginn an gaben die Gäste aus Marburg den Takt vor.

Die Hessinnen standen sicher in der Verteidigung, gaben den Ton unter den Brettern an und zeigten viele sehenswerte Kombinationen. Bezeichnend der Spielzug zum 16:5. Svenja Greunke setzte sich im Defensiv-Rebound gegen drei Gegnerinnen durch, passte auf Tonisha Baker, die mit einem Traumpass Finja Schaake bediente. Acht Minuten waren da gespielt.

Neun Punkte in Serie sorgten bis zur 17. Minute für das 37:16. Und beim Stand von 45:19 für Marburg wurden die Seiten gewechselt. Auch beim Ligaspiel Anfang Oktober war das Pharmaserv-Team mit einer komfortablen Führung (48:23) in die Kabine gegangen, um sich dann von einer wie verwandelt aufspielenden Lions-Mannschaft überraschen zu lassen – auch wenn es damals zum BC-Sieg reichte.

Auch diesmal starteten die Löwinnen bissiger in den dritten Durchgang. Marburg agierte im Angriff überhastet, ließ aber immerhin hinten nicht viel zu. Eine Auszeit beim Stand von 47:26 in der 25. Minute brachte die Lahnstädterinnen wieder auf Kurs. Jetzt ging's Schlag auf Schlag: Dreier Schaake, Dreier Schaake, Dreier Yohn. Die Gastgeberinnen entschieden zwar diesen Abschnitt für sich – das aber nur mit Ach und Krach.

Auch im letzten Viertel kam der SVH nie mehr in Schlagdistanz. Auch, weil Trainer René Spandauw seinen Nachwuchstalenten viel Spielzeit gab. „Wichtiger als die Höhe der Niederlage war, dass die jungen Spielerinnen Erfahrung sammeln konnten. Davon werden wir in Zukunft profitieren.“

Die Pokalpartie endete aus Sicht der Marburger mit einem Paukenschlag: Denn eine „Aushilfe“ aus dem Regionalliga-Team setzte den Schlusspunkt. Zum ersten Mal in einem Spiel der Ersten Mannschaft auf dem Parkett, traf Charlotte Eggers 47 Sekunden vor Schluss zum viel umjubelten Endstand auf der Bank und bei den knapp 40 mitgereisten BC-Anhängern. „Es hat mega viel Spaß gemacht. Allein schon dabei zu sein. Unsere Mannschaft ist wie eine Familie“, sagte die 26-Jährige nach ihrem 6 Minuten und 12 Sekunden langen Debüt.


Patrick Unger (Trainer Marburg):
„Wir waren alle heiß auf's Viertelfinale. Wir haben gut zusammen als Team gespielt und alles umgesetzt, was wir machen wollten. Unsere Guards Julia Gaudermann, Tonisha Baker und Patricia Benet haben einen riesen Job gegen Aliaksandra Tarasava gemacht. Auch alle dahinter kannten ihre Aufgaben genau und haben sie erfüllt. Besonders Stephanie Lee hat neun wichtige Rebounds geholt.“

Finja Schaake (Spielerin Marburg):
„Bei uns lief es von Anfang an. Wir haben uns als Team gepusht. Das war bei Halle so nicht der Fall. Wir konnten Tarasava aus dem Spiel nehmen, haben es aber zu Beginn des dritten Viertels zu locker angehen lassen. Es hat mega viel Spaß gemacht und es war toll, dass wieder so viele Marburger Zuschauer hier waren. Die waren richig laut.“

René Spandauw (Trainer Halle):
„Ich hatte heute ein Déjà-vu. Wie im Ligaspiel haben wir es Marburg zu leicht gemacht. Wir haben in der ersten Hälfte 17 Mal den Ball weggeschmissen und auch bestimmte Sachen nicht umgesetzt. Sascha Tarasava hat bisher die Mannschaft getragen. Die Gegner stellen sich auf sie ein und auch sie darf mal einen schlechten Tag haben. Seit der schweren Verletzung von Laura Hebecker spielen wir auch nicht mehr so locker. Sie fehlt uns sehr. So einen Ausfall könnte kaum ein Team in der Liga verkraften.“


Fun Facts: Im 75. Pokalspiel seit dem Wiederaufstieg 1992 war es in diesem Wettbewerb der Sieg mit der größten Differenz gegen einen Erstligisten. Und der Auswärtssieg mit der größten Differenz gegen einen Erstligisten seit dem 5. November 2006 (107:65 in Göttingen). Gleichzeitig wettbewerbsübergreifend die wenigsten Gegenpunkte seit dem 9. März 2008 (DBBL, 54:32 gegen Freiburg).

Fail Fact: Die Auslosung zum Viertelfinale bescherte dem BC im Pokal das 20. Auswärtsspiel in Serie. Das bisher letzte Heimspiel gab's am 14. Oktober 2009 (82:80 n.V. in der zweiten Runde gegen Oberhausen).

Statistik
Viertel: 9:20, 10:25, 16:13, 5:18.
Halle: Ederaine 9 Punkte, Engeln 4 (6 Rebounds), Hartmann 5/1 Dreier (9 Reb.), Henningsen, Horn 9 (6 Reb.), Kühn, Müller, J.Schinkel, L.Schinkel 3/1, Szmutku, Tarasava 8/1, Yancheva 2 (7 Reb.).
Feldwürfe 29 Prozent (16/55), Freiw. 71 Prozent (5/7), Reb. 39 (def. 28), Turnovers 26, Assists 4, Steals 4, Blocks 4, Fouls 11.
Marburg: Baker 0 (6 Reb.), Benet 6 (5 Ass., 3 St.), Eggers 2, Gaudermann 8, Greunke 6, Köppl 2, Lee 6 (9 Reb.), Schaake 19/2, Thimm 8 (5 St.), Yohn 19/5 (3 Ass., 3 St.).
Feldw. 40 Prozent (32/80), Freiw. 83 Prozent (5/6), Reb. 41, TO 5, Ass. 16, St. 15, Bl. 1, F. 13.
SR: Hofmann, Ambrosius. Z: 300.


Viertelfinale

am 3. Januar 2016 spielen:
TuS Bad Aibling Fireballs – BC Pharmaserv Marburg
TSV 1880 Wasserburg – TV Saarlouis Royals
Chemcats Chemnitz – Rutronik Stars Keltern
Herner TC – Avides Hurricanes Rotenburg/S.

Die Partie beim ungeschlagenen Spitzenreiter der 2. Liga Süd wird für Marburg der erste Ausflug nach Bad Aibling sein. Die Firegirls spielten zwar in der vorigen Saison bereits im Oberhaus. Das Heimspiel der Oberbayerinnen gegen den BC fand allerdings beim Season Opening in Chemnitz statt. BC-Trainer Patrick Unger kommentiert das Los so: „Das wird nicht einfach. Ich habe respeckt davor, was Bad Aibling leistet. Sie sind vom Personal her eigentlich eine Erstliga-Mannschaft und werden auch sicher wieder aufsteigen. Wir werden uns gut vorbereiten und versuchen, nach der Weihnachtspause früh unseren Rhythmus wieder zu finden.“
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