Bronze glänzt wie Gold

Die Marburger Mannschaft feierte in Herne den Gewinn der Bronze-Medaille bei der Deutschen Meisterschaft. (Foto: M. Schneider / belichtbar.net)
Planet-Cards-DBBL: Rückspiel um Bronze: Herner TC – BC Pharmaserv Marburg 71:77 (Hinspiel: 63:80).

Die Marburger Erstliga-Basketballerinnen haben bei der Deutschen Meisterschaft die Bronze-Medaille gewonnen. Erstes Edelmetall für den BC seit vier Jahren – und zum ersten Mal unter der Ägide von Patrick Unger. Das Rückspiel war jedoch deutlich umkämpfter als die erste Partie am Freitag.


„Bronze wäre für uns wie die Meisterschaft.“ Das hatte der BC-Trainer vor dem Hinspiel gesagt. Und viel begeisterter hätten Mannschaft und ihre mehr als 60 mitgereisten Anhänger auch den Titelgewinn nicht feiern können. Jubelschreie, Freudentänze, Umarmungen, Wasserdusche für die Trainer, Erinnerungsfotos mit den Fans, hier und da ein Tränchen. Das volle Programm. Immer dabei: die heiß ersehnten und hart erarbeiteten Medaillen. Auch beim Besuch eines Schnellrestaurants trug die Mannschaft ihre Schätze stolz um den Hals.

Davor lagen weitere 40 Minuten harte Arbeit. Nach gutem Beginn der Gäste 15:9 (6. Minute) trug Hernes aggressive Verteidigung immer mehr Früchte. Zwei Dreipunktspiele plus ein Dreier beschlossen einen 13:0-Lauf des HTC, der seine Führung gar auf 28:19 (12.) ausbaute.

Dann kam das Pharmaserv-Team zurück. Tonisha Baker vollendete einen Sololauf mit Korb plus Freiwurftreffer. Katie Yohn traf mit Ablauf der 24-Sekunden-Uhr in großer Bedrängnis einen Dreier (ihren 78. dieser Bundesliga-Saison, was Amanda Davidsons Team-Rekord überbot) und legte wenig später zwei weitere Distanztreffer nach zum 34:34 nach (17.).

Nun blieb der BC dran, ging mit 40:41 in die Kabine. Auch als der Dritte der Hauptrunde nach dem Seitenwechsel nochmal auf 47:40 davonzog, blieben die Marburgerinnen ruhig. Svenja Greunke, Patricia Benet und Stephanie Lee holten beim 55:54 kurz vor Ende des dritten Durchgangs die Führung für Marburg zurück und bauten sie sogar aus (59:54, 32.).

Als Finja Schaake und Tonisha Baker ein letztes Herner Aufbäumen (59:61, 34.) mit zwei Dreiern konterten, wurde allmählich gelächelt auf der Marburger Bank und in der Fan-Kurve. Es war klar: Diese Medaille gehört uns. Die verdiente sich nun auch die junge BC-Garde auf dem Feld. Den letzten Korb für die Lahnstädterinnen in dieser Spielzeit – zur höchsten Führung (77:67) – erzielte denn auch die 18-jährige Luana Rodefeld.


Patrick Unger (Trainer Marburg):
„Es freut mich, dass wir uns endlich mal belohnen konnten. Wir wollten unbedingt gewinnen. Und es hat fast alles so geklappt, wie geplant. Als Herne mit neun Punkten führte, haben wir gesagt: Wir dürfen nicht nervös werden, sondern müssen uns auf unsere Stärke besinnen, Mit Selbstvertrauen und füreinander spielen. Besonders ziehe ich den Hut vor Katie Yohn, die sich am Freitag an der Schulter verletzt hat, und dann schießt sie in kritischen Situationen vier von vier Dreiern rein. Auch für Finja freut es mich besonders, dass sie nach dem unglücklichen Hinspiel heute unter anderem einen wichtigen Dreier getroffen hat. Die Erfahrungen, die wir diese Saison gemacht haben, wie wir miteinander Spaß gehabt haben, kann uns keiner mehr nehmen. Wir haben einen Team-Spirit geweckt, den wollen wir auch nächste Saison haben. Ich hatte noch nie so viel Spaß beim Coachen.“

Patricia Benet (Spielerin Marburg):
„Wir wussten, dass Herne aggressiv sein würde. Aber wir haben an uns geglaubt, an unsere Arbeit und an uns als Team. Auch wenn mein Fuß wehtut: Ich freue mich riesig über die Medaille, die wir unbedingt haben wollten. Dafür haben wir die ganze Saison über gearbeitet und uns jetzt belohnt.“

Julia Köppl (Spielerin Marburg):
„Wir sind in dieses zweite Spiel reingegangen, um auch das zu gewinnen. Wir haben 40 Minuten lang gekämpft. Bei neun Punkten Rückstand haben wir Ruhe bewahrt und weiter als Team zusammengespielt, statt wie in der Phase davor uns in Einzelaktionen zu verzetteln. Jetzt freuen wir uns über diese Medaille.“

Svenja Greunke (Spielerin Marburg):
„Vor dem Spiel haben Katie und ich noch gesagt: Vor einem Jahr haben wir genau in dieser Halle schon mal zusammen eine Medaille gewonnen. Mit Rhein-Main im Pokalfinale. Heute war es gut, dass die Anzeigetafel in unserem Rücken war. So kam ich nicht ins Grübeln und musste auch nicht rechnen, sondern habe mich nur auf unser Spiel konzentriert. So wie wir gespielt haben, hat man gesehen, dass jede von uns unbedingt den Sieg wollte.“

Lea Mersch (Spielerin Herne):
„Marburg hat verdient gewonnen. Marburg hat eine super Team-Konstellation mit viel Energie. Die hat sich im Hinspiel schon aufs Feld übertragen. Das hatten wir nicht so erwartet. Heute sah es für uns in der ersten Halbzeit teilweise gut aus. Die Ausgangslage nach Freitag war aber schon sehr schwierig, um da nochmal zurückzukommen. Aber wir hätten uns auch noch besser präsentieren können.“


Fun Facts: Erste Medaille seit 2012 (Playoff-Bronze). – Erster Auswärtssieg in Herne seit dem 06.10.2010 und vier Niederlagen. – 150. Auswärtssieg der BC-Vereinsgeschichte. – Zum ersten Mal gewinnt Marburg beide Spiele um Playoff-Bronze (bislang vier Mal 1:1). – Alle drei Playoff-Bronze-Medaillen wurden in geraden Jahren gewonnen (2010, 2012, 2016). – Zum ersten Mal gelingt in den Playoffs eine Verbesserung um mehr als einen Platz gegenüber der Hauptrunde (Fünfter) und werden in den Playoffs zwei besser gesetzte Mannschaften besiegt (Keltern/Vierter, Herne/Dritter) – Katie Yohn stellt mit 80 Dreiern in einer Bundesliga-Saison (Hauptrunde plus Playoffs) einen neuen Team-Rekord auf (und seit mindestens 2008/09 einen neuen Liga-Rekord, vorher Amanda Davidson, 77, 2011/12, ebenso 29 Spiele). – Geglückte Revanche für die Heimniederlage im Pokalspiel um Platz drei gegen Herne vor fünf Wochen.

Fail Fact: Fehlanzeige!


Statistik
Viertel: 24:19, 17:21, 13:15, 17:22.
Herne: Amojo 4 Punkte, Bellock 7 (5 Rebounds), Boddie 13/2 Dreier, Greinacher 4 (2 Blocks), Fikiel 15 (10 Reb.), Karic 12, Lappenküper, Mersch 13/1 (4 Assists, 3 Steals), Takács 1 (5 Reb.), van der Velde 2.
Feldwürfe 42 Prozent (27/64), Freiw. 82 Prozent (14/17), Reb. 32 (def. 20), Turnovers 12, Ass. 9, St. 7, Bl. 3, Fouls 20.
Marburg: Baker 14/1, Benet 4 (5 Reb.), Gaudermann 2 (3 Ass.), Greunke 14 (5 Reb.), Köppl 2, Lee 11/1, Rodefeld 2, Schaake 7/1, Schwarzkopf, Thimm 7 (5 Reb.), Winterhoff, Yohn 14/4.
Feldw. 51 Prozent (29/57), Freiw. 80 Prozent (12/15), Reb. 33 (d. 25), TO 15, Ass. 10, St. 6, Bl. 2, F. 20.
Schiedsrichter: Maik Schupke, Marco Behm. Zuschauer: 500.
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