Schweres Sprengstoff-Unglück am Kaffweg. 1 Toter + 3 Schwerverletzte

Noch nach 84 Jahren ist der Eingriff in die Natur sichtbar. (Foto: Wolfgang O. H. Schmenner / WOHSCH / SDS Marburg)
 
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Zeitungsausschnitt: Oberhessische Zeitung vom 23.11.1932 (Foto: Wolfgang O. H. Schmenner / WOHSCH / SDS Marburg)
Marburg: Kaff |

Schweres Sprengstoff-Unglück am Kaffweg

1 Toter und 3 Schwerverletzte

Der direkte Weg zu den Hansenhäusern war in den 30er Jahren des vorigen Jahrhundert der über den Kaffweg.

Ausgebaut war der Kaffweg nur bis zur Einfahrt der Solmschen Villa. Der restliche Kaffweg, den Berg hinauf bis zu den Hansenhäusern, war ein unbefestigter Weg, des Nachts ohne Beleuchtung.

Die Autoumgehungsstraße zwischen Weidenhausen und der Sieche mit St. Jost wurde gerade gebaut. Für dieses Bauvorhaben wurde Erde benötigt. Diese gewann man unter anderem mit dem Abtragen eines Steilhanges am Kaffweg.

Dieser besagte Hang befand sich gegenüber des 1912 gebauten ATV.er Haus. Während der Bauarbeiten ereignete sich ein schwerer Sprengstoff-Unfall.

Die Oberhessische Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom Mittoch, den 23.11.1932 folgendes:

Schweres Sprengstoff-Unglück am Kaffweg

1 Toter und 3 Schwerverletzte

Heute morgen gegem 8.30 Uhr ereignete sich am Kaffweg, wo bekanntlich zur Zeit ein Abhang abgegraben und Sprengungen vorgenommen werden, um Erde für den Ausbau der Autoumgehungsstraße zu geinnen, eine Sprengstoff-Explosion. Die Arbeiter Simon, Klee und Brusius von hier bzw. aus Ockershausen wurden schwer verletzt.

Zudem Unglücksfall ist noch folgendes mitzuteilen: Die Unglücksstelle liegt gerade gegenüber dem ATV.er Haus am Kaffweg.
Am Montag waren hier zwei Sprengstoffladungen angebracht,die zur Explosion gebracht worden waren. Am gestrigen Tage wurden nun zwei weitere Schüsse in einer Tiefe von 1,80 Metern gelegt mit der Bestimmung, daß falls von den ersten Sprengladungen noch etwas übrig geblieben war, durch die neuen Sprengungen der Rest beseitigt würde.

Heute morgen fingen nun die Arbeiter an zu arbeiten und dabei schlug der getötete Arbeiter Rhiel mit einer Spitzhacke auf die steckengebliebende Sprengpatrone.

Diese muss zur Explosion gekommen sein und das Unglück herbeigeführt haben. Der Arbeiter Rhiel wurde 6 Meter weit auf die andere Straßenseite geschleudert. Die Schädeldecke war dem Bedauernswertem vollkommen abgerissen. Die drei in der Nähe befindlichen Arbeiter wurden erheblich verletzt und später in die Chirurgische Klinik eingeliefert.

Ob und wie weit ein Verschulden der Bauleitung oder des Sprengmeisters vorliegt, muß die eingeleitete Untersuchung ergeben. Der Sprengmeister wurde sofort auf der Polizei einem eingehenden Verhör unterzogen. Die Gerüchteüber die Verhaftung des Sprenmeisters entsprechen nicht den Tatsachen.

Die Explosion wurde heute vormittag fast in der ganzen Stadt gehört.

Eigentlich ist es ein Wunder, dass die Arbeiten bisher ohne größeres Unglück verliefen, denn durch die Sprengungen werden die Steine oft, wie uns Augenzeugen berichten, bis zur Höhlsgasse geschleudert. Gestern flog z. B. ein Stein durch ein Fenster des ATV.er Hauses in das Zimmer eines dort wohnenden Studenten, der glücklicherweise aber nicht verletzt wurde.

Die Arbeiten an der Baustelle mußten infolge des Unglücks für heute eingestellt werden.
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Siegfried Kuhl (sk1941) aus Marburg | 27.02.2016 | 18:35  
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