TEIL 2: Ägypten - Im Land der Pharaonen

Verkaufsstrategien in Ägypten
 
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"Hier werden Sie nicht belästigt"
Teil 2: Aladin ohne Wunderlampe

„Die Notausgänge befinden sich rechts und links und vorne und hinten, oben und unten und hier und da und überall!" (Aladin)

An dieses Zitat sollte man denken, wenn man über einen ägyptischen Basar läuft oder vorbei an Ständen und Märkten, unmittelbar vor oder nach dem Besuch einer der Sehenswürdigkeiten am Nil, auf dem Weg in den Bus, auf dem Weg zurück zum Bus, an Raststätten mitten in der Wüste, auf dem Weg zum Essen, ... auf dem Weg zur Toilette. (Das war übertrieben). Tendenziell möchten einem die Menschen in Ägypten nämlich immer gerne etwas mitgeben. Selbstverständlich gegen Geld. So muss man sich daran gewöhnen, galant an Plastiksphinx-verkaufenden Straßenhändlern vorbei zu schreiten oder unter Gewürz-und-Tee-Vertreibern hindurch zu tauchen. „Nur 35 €. Ägyptische Qualität“, rief mir einer der Verkäufer zu, als ich einen Sonnenhut nur eine Millisekunde zu lange angeschaut hatte. „35 €?“, wiederholte ich fragend, während ich auf das 'Made in China'-Schildchen deutete. „Echte ägyptische Qualität“, sagte der Verkäufer erneut. Aha, wer hätte gedacht dass Ägypten in China liegt. Den Sonnenhut nahm ich für 5 € mit. 1 € legte ich drauf für das Kind des Händlers, dass er doch unbedingt in die Schule schicken müsste. Ich habe ja ein gutes Herz. Als er mir hinterher rief, dass ein einziger Euro für seine - plötzlich - drei kleinen Kinder zu wenig seien und unser Reiseleiter auf der Weiterfahrt im Bus erklärte, dass die Schulen in Ägypten nichts kosten, war das mit dem „guten Herz haben“ dann auch (fast) zu Ende. Ab dann konnte man nur noch eins machen: Den Verkaufssinn der ägyptischen Straßenverkäufer belächeln.

„Es ist wirklich eine andere Welt“, dachte ich mir, als ich vom Deck unseres Schiffs die vorbeiziehenden Dörfer und Städte bestaunte, die sich abwechselnd in Landschaften aus Zuckerrohr, Schilf und Palmenwälder verwandelten. Freilaufende Esel, Pferde, Kühe und Hunde wuselten durch die Dörfer. Am Ufer sah man Frauen die ihre Wäsche im Nilwasser wuschen, während Männer in Kanus Zuckerrohr und Schilf von der einen Seite des Nils zur anderen transportierten. Unser Kreuzfahrtschiff ankerte in mehreren Städten, sodass wir zusammen mit unserem Reiseleiter verschiedenste historische Stätten besichtigen, Ausflüge unternehmen oder – natürlich - Basare besuchen konnten. Ab und an wurden selbst die Fahrten von der einen zur nächsten Sehenswürdigkeit zu einer optimalen Möglichkeit um Souvenirs zu erwerben. Eine artistische Meisterleistung und ein zirkusreifes Programm bekam man manchmal auch geboten. Kleine Ruderbote umkreisten unser Schiff bei Ein- und Ausfahrt in den Hafen und wenn man nicht aufpasste, bekam man auch mal ein mit einer Pyramide bedrucktes Handtuch ab, welches die Verkäufer von ihren kleinen Kanus nach oben auf das Deck schmissen. Selbstverständlich wollte fast niemand eines dieser Handtücher behalten und deshalb wurden sie wieder in Richtung der Verkäufer zurück befördert. Einige hatten jedoch einen geübteren Wurfarm als andere, sodass die Seehändler ihre Ware teilweise nur retten konnten indem sie die spektakulärsten Verrenkungen vollbrachten. Es wäre eine Einfachheit gewesen die Handtücher zu behalten ohne sie zu bezahlen - aber wir wollten ja nicht zu Seeräubern werden.

„Hier werden sie nicht belästigt“ stand auf einem Schild vor einem (!) Souvenirshop in fünf verschiedenen Sprachen, womit der Verkäufer klarstellte, dass er nicht ganz so „enthusiastisch“ seine Waren an den Mann bringt wie seine Kollegen. Während sich ein Großteil unserer Reisegruppe also frohlockend in seinen Laden begab um dann doch noch ein kleines Andenken mit nach Hause zu bringen, stand den anderen Straßenverkäufern für nur einen kurzen Moment ein dickes Fragezeichen auf die Stirn geschrieben. Allerdings machten sie genauso weiter wie zuvor als die nächste Reisegruppe ankam: „Skarabäus-Käfer, nur 10 €. Echte ägyptische Qualität“.

Trotzdem muss ich sagen, dass man in der Tat auch schöne Dinge zwischen dem typischen 'Made in China'-Ramsch finden kann. Auch der Besuch der „seriösen Einkaufsmöglichkeiten“ (Zitat des Reiseleiters) lohnte sich – so konnte man hier reine Essenzen kaufen, z. B. die Grundessenzen für alle gängigen Parfüms. Es gab die Möglichkeit zum Kauf von Kunstwerken auf echtem Papyrus oder Gewürzen wie Safran. „Leben uns leben lassen“, wiederholte unser Reiseleiter immer wieder. Wenn einem etwas gefällt darf man es kaufen, wenn nicht dann eben nicht. Schließlich leben die meisten Städte und Dörfer am Nil ausschließlich vom Tourismus.

Das Wichtigste lernte ich allerdings erst zum Schluss. Verkäufer und Händler sollte man immer – und wirklich immer – nach ihrem Namen fragen. Das mag zwar erst einmal komisch klingen, aber wann hat man schon die Möglichkeit einem Mann namens Aladin die Hand zu schütteln? Aladin war der Besitzer eines mobilen Schmuckgeschäftes und schenkte uns Armbänder im Gegenzug für ein wenig Mundpropaganda für sein Geschäft. Ich schaute mich nach seiner Wunderlampe um, konnte aber keine entdecken. Er konnte sich von seinem Dschinni aber nur eines gewünscht haben: Eine richtig gute Marketing Strategie.
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2 Kommentare
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Hans-Rudolf König aus Marburg | 21.05.2015 | 15:39  
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Annika Ludwig aus Berlin | 21.05.2015 | 19:56  
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