Marburgs verlorenes Shangri-La
Hier kommt ein Hilferuf aus dem Ausland von einem echten „Marburger Dippche“ an alle Personen, die noch den „Schutzmann“ in der Kurve am alten Rudolphsplatz erlebt haben.
Nur wenige Schritte weiter, genau gegenüber vom “Fronhof“ gab es im Gebäude Kilber-Zettl eine Milchbar; wir nannten sie „Miba“. Damals die erste und einzige ihrer Art. Dort stand eine alte „Rock-Ola“ Musikbox (oder war es sogar eine „Wurlitzer“?). Der einzige Ort in Marburg, wo man die kleinen schwarzen Rock’n’Roll Scheiben auflegen und hören konnte, ohne dass die „Alten“ ihren üblichen Kommentar „Negermusik“ dazwischen brüllten. Es war unser Mekka nach gemachten Schulaufgaben und Zeitungen austragen.
Es gab dort eine aus einem Sirup und Sodawasser frisch gemischte Coca-Cola aus einem Blechkanister unter dem Ausschanktresen. Die beste Coca Cola meines Lebens! Getrunken wurde aus echten Strohhalmen mit Papierhülle. Die Papierhülle wurde an einem Ende angefeuchtet und dann an die Decke der Milchbar geblasen, wo sie nach etlichen vergeblichen Versuchen kleben blieb. Und wer viele Zeitungen ausgetragen hatte, konnte sich vielleicht einmal im Monat einen „Blue Moon“ leisten und war im Siebten Himmel, denn dazu erklang natürlich der entsprechende Song von den "Marcels" aus der Box. Dort konnte man sogar ungestört mit den Girls am nächsten Tisch flirten: traumhaft.
Leider habe ich keine Fotos oder sonstige Erinnerungen an diesen unseren Marburger Zufluchtsort, das Shangri-La, das wir verließen und nie wieder fanden. Wer weiß mehr???
Leider habe ich auch nur schwache Erinnerungen. Wer hatte damals schon einen Fotoapparat? Und dann hätte er auch noch die Idee haben müssen das Lokal zu fotografieren, für die Nachwelt! Einfach nur Schade.
Hallo Hans-Rudolf! Es gibt seit ein/zwei Jahren eine DVD-Reihe über Marburg in drei Teilen: Teil 1 von 1925 bis 1955 (60 Minuten), Teil 2 von 1955 bis 1980 (80Minuten) und einen dritten Teil von 1980 bis in heutige Zeit. Das Material zu diesen DVD's wurde von den Lesern der Oberhessische Presse zur Verfügung gestellt und es sind da wirklich einmalige Zeitdokumente zu sehen, kommentiert von Marburger Zeitzeugen. Die Teile 1 und 2 habe ich mir bereits gekauft, den dritten Teil kaufe ich mir auch noch. Wenn's dich interessiert, beschreibe ich dir die DVD's etwas genauer.
Danke Horst, Ich habe auch die beiden ersten DVDs. Sehr interessant, aber leider kommt die Jugend der 50er/60er Jahre zu kurz.
Es gibt inzwischen auch eine aktuelle DVD, die das heutige Marburg zeigt. Kommentiert von einem aktuellen Stadtführer. Die Etiketten sind unterwegs. Mal sehen, wie lange die spanische Post braucht, um ihre Inseln zu beliefern...
King hat schon recht, in den DVD fehlt es an einigem. Ist wohl auch schwer, jedem gerecht zu werden.
Ja, leider sieht man in MR immer noch sehr vieles sehr einseitig. Diese DVDs sind dafür ein gutes Beispiel.
Vielleicht fehlte es an Material dafür, denn diese DVD's sind das Ergebnis eingereichter Filmdokumente von Zeitgenossen.
Hallo Hans,
deine Erlebnisse von der "Miba" kann ich mit dir uneingeschränkt teilen.
Leider habe ich auch keine Fotos, damals habe ich noch nicht soviel geknippst. Ich hatte nur 2 Klassenkammeradinnen, die Marquart Zwillinge, deren Eltern gehörte die Miba eine zeitlang, da war ich sehr oft dort.
Leider ist mir nicht bekannt, wohin es die Beiden verschlagen hat, die hätten vielleicht noch Bilder.
Ich hoffe, Euch geht es gut.
Zur Zeit herrschen hier in Hessen auch "tropische Verhältnisse".
Liebe Grüße
Rike
Hallo Rike, stimmt genau, der Name Marquart klingelt in meinem Ohr.
Kann man wirklich niemanden mehr von der Familie Marquart aufstöbern??? Ich würde zu gerne einen Bericht über unsere damaligen Fluchtmöglichkeiten aus der Spießerwelt Marburgs schreiben.
Hallo Hans,
man könnte höchstens hier ümer "my heimat" einen Suchaufruf starten, vielleicht gibt es doch noch jemand, der die beiden kennt und weiß, wo man sie findet.
Ich habe auch noch Bilder (Klassenfotos schwarz/ weiß und recht klein),
aber zur Zeit streikt mein Scanner und ich kriege sie nicht in mein Rechner. Ich weiß nur, dass eine der Schwestern Irmgard hieß, der Name der anderen fällt mir nicht mehr ein.
Wünsche Dir ein schönes Wochenende
Liebe Grüße
Rike
Ich staune, daß Rike nach Mitternacht noch online ist. Ich war gestern schon vor 22 Uhr im Bett. Wohl die Wetterfühligkeit.
Hallo Siegfried,
ich bin eine absolute Nachteule, Du wirst mich noch öfters hier nach Mitternacht antreffen, falls du nicht wieder um 22Uhr ins Bett gehst.
Gute Nacht
Rike
Diese Milchbar war auch mein fast tägliches Ziel nach den Schulaufgaben.
Bananen - Milchshake und die französischen Schnulzen aus der Musicbox, viel mehr brauchte man nicht zum Glücklichsein, viel mehr war meist auch finanziell nicht drin.
Ich bin erst heute durch die OP-Marburg auf diesen Beitrag aufmerksam gemacht worden. Dort ist dieser Beitrag in der heutigen Samstagsausgabe abgedruckt.
Die Milchbar wurde seinerzeit von der Gastwirtsfamilie Bliedung eröffnet. Nachdem die Bliedungs einen Vertrag mit dem Bauherrn des neu erbauten Hochhauses am Ludwigsplatz in Gießen für den Bau und Betrieb des Dachcafes unterschrieben hatten wurde die Milchbar verkauft. Der neue Betreiber war der Italienische Staatsbürger Enoc Garbelotto mit seiner Schweizer Ehefrau Moni.
Ab dieser Zeit ging es dann in der MiBa hoch her. Rock'n'Roll und Jazz aus der Musikbox. Milchgetränke, ital. Eis / Eisbecher sowie Lasagne und Spaghetti waren vom frühen Morgen bis spät in die Nacht an der Tagesordnung.
Ca. 1965 gab die Familie Garbelotto die Milchbar am Rudolfsplatz auf und eröffnete am Steinweg (gegenüber vom Anker, neben Charly's) eine neue "Milchbar Garbelotto". Auch dort ging es an sechs Tagen in der Woche von 11 bis 24 Uhr hoch her.
Vor ca. 12+ Jahren wurde die Milchbar an die Inhaber Cais von der Eisdiele Venezia (Wasserscheide/Neustadt) verkauft.
Enoc Garbelotto lebt heute in seinem Heimatdorf Cappella Maggiore im Veneto und seine Frau Moni ging wieder nach Zürich zurück.
Einige ehemalige Angestellte der Milchbar leben noch heute im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Der den heutigen Marburgern wohl bekannteste Angestellte war Bruno Paoletti. Nachdem er die Milchbar verlassen hatte war Druckereiarbeiter bei der Oberhessischen Presse und ein über die Grenzen Marburgs hinaus bekannter und anerkannter Aktionskünstler. Heute lebt Bruno in Nesselbrunn.
Übrigens:
Die Milchbar am Steinweg gibt's immer noch. Sie wurde zwischenzeitlich an den ehemaligen Angestellten, Mauro Mandarino, verkauft und von diesem mit Erfolg weitergeführt. Ab und zu sieht man dort auch noch mal ein Gesicht aus einer früheren Zeit...
KDH - Danke für die super Info. Bringt mich schon ein Stückchen weiter in meiner privaten Story. Hast Du eine Ahnung, ob und wo man noch alte Fotos auftreiben kann (für mein privates Archiv)? Vielleicht in Nesselbrunn?
Nesselbrunn = Nein, da das ein Angestellter der Milchbar vom Steinweg war.
Probier doch einfach einmal die Telefonnummer von Monique (Moni) Garbelotto in Zürich herauszubekommen. Nach meinem Kenntnisstand vom letzten Montag soll sie dort noch leben. Ferner soll ihr Sohn Renato auch in oder in der Region Zürich wohnen.
Ja danke, das werde ich probieren. Buenas noches.
Hier noch eine kleine Berichtigung zum OP Artikel: Diese Milchbar hieß NICHT "Shangi-La", sondern sie WAR das Shangri-La für die MR-Jugend.
PS:
Für die Jugend der 70 und 80er Jahre war die "neue" Milchbar am Steinweg das "Quark".
Hans-Rudolf, ich hatte Dir ja versprochen, meine privaten Kontakte zu Kilber-Zetl, dem Vermieter der Milchbar, anzuzapfen, um an alte Fotos heranzukommen. Leider muss ich passen, dort ist leider auch nichts im Bild festgehalten worden, man hatte die Miba ja täglich vor Augen. Die Fotoapparate wurden halt meist nur einmal im Jahr für eine Handvoll Urlaubsfotos und Familienereignisse gebraucht. "Poor Boy"! Dieses Stück von den Lords, war eine der letzten Platten, die ich dort in der Musicbox gedrückt hatte.
Aber ich denke, da kommt noch was. Wir paar Hansels waren schließlich nicht die einzigen, die damals die Milchbar regelmäßig bevölkert hatten. Schließlich waren die ca. 7 Tische meist ausgebucht. Der OP-Bericht wird mit Sicherheit viele der Ehemaligen erreicht haben. Auch wenn die Agfa Klack nicht in die Hosentasche passte, einer wird sie vielleicht mal mitgenommen haben.
Man macht eben von alltäglichen Dingen keine Fotos (grundsätzlich) Vielleicht hat der Ausstatter Fotos gemacht. Von wehm stammen die Möbel?
Hallo, ich weiß nicht, ob mein erster Kommentar hochgeladen wurde, deswegen schreibe ich nochmal. Ich hatte mich in Erika Marquart "verguckt" und besuchte die Familie mit dem Fahrrad in den Sommerferien an ihrem Wohnort, zu dem sie verzogen waren. Ich fuhr nach Eitorf/Sieg eine Woche in die Jugendherberge und verbrachte mit beiden Mädchen eine schöne Zeit, von der ich auch noch Bilder habe. Leider habe ich aber auch keine Bilder von der Milchbar. Aber hiermit ist nun geklärt, wohin Marquarts verzogen sind, nachdem die Milchbar zu machte. Vielleicht kann man ja über Eitorf und Marquart Näheres erfahren oder Bilder bekommen?
Ich denke jedenfalls auch noch gerne ond oft, wenn ich am Rudolfsplatz bin, an die Milchbar und meinen Ausflug nach Eitorf zurück. Mit der Zeit hat sich dann der Kontakt aufgelöst, ich hatte dann eine andere Freundin, meine heutige Frau!
Hallo Uwe, gut, dass Du noch einmal schreibst. Dein erster Beitrag ist nicht angekommen (wie Du oben sehen kannst). Eitorf ist ein guter Tipp. Ich werde versuchen, dort die Spuren der Familie Marquart weiter zu verfolgen.
Danke und Frohe Weihnachten.
Hallo, frohe Weihnachten wünscht Ihnen Gerda Beil, geb. Bliedung aus Giessen.
Ich erhielt Post aus Niederweimar von meiner Freundin mit dem Zeitungsartikel vom 20.12.08.
Es war eine Weihnachtsfreude nach so langer Zeit von der Milchbar in Marburg zu lesen und die alten Geschichten zu hören, wie unsere Gäste das erlebt haben. Mein Bruder Martin Bliedung wohnt auch in Giessen und mein ältester Bruder Gerhard Bliedung ist vor 12 Jahren verstorben. Ich habe noch Zeitungsartikel mit Bildern und wenige Fotos aus dieser Zeit. Die Musikbox war eine Rockola.
Wenn es den Laden heute noch genauso geben würde, stände er evtl. unter Denkmalschutz.
Gerda, hocherfreut
Gerda, stelle doch bitte die Zeitungsartikel und Fotos als Beitrag auf myHeimat zur Verfügung.
Und hier ist der Link zu den Fotos von Gerda Bliedungs Milchbar:
http://www.myheimat.de/giessen/beitrag/66930/bilde...
Hallo Udo,
danke über die Information der Marquart Mädchen.
So weiß ich wenigstens, wo ich nachforschen kann, um sie zu unserem nächsten Klassentreffen einzuladen.
liebe Grüße
Rike
Hallo Udo,
danke für den Hinweis über die Marquart Mädchen.
So habe ich einen Anhaltspunkt, wo ich sie suchen kann, um sie zu unserem nächsten Klassetreffen einzuladen.
Liebe Grüße
Rike
Hallo Rike, In Eitorf/Sieg habe ich schon telefonisch geforscht und bin nicht weiter gekommen. Es gibt dort nur einmal Marquart ohne jegliche verbindung nach MR. Über Gerda (sihe oben) kommst Du wahrscheinlich weiter.
Hallo, Friederike Haack, bei Stayfriends hat man gute Chancen Klassenkameraden wiederzufinden
Hallo Hans Rudolf - Du hast Dir in Deinem Vortrag viel Mühe gegeben, die Stimmung von damals rüber zu bringen.---Man kann diese spüren ---
DANKE dafür.
Gruß Fred
Meinen Beitrag zu den Marquard Zwillingen habe ich hier ja schon geschrieben, aus dem hervorgeht, dass sie damals nach Eitorf gezogen sind und ich sie besuchte. Da müsste man ansetzen! Seid gegrüßt.
Udo, die Sache ist schon lange geklärt. Siehe meine folgenden Beiträge zum Thema Milchbar.





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