Das Silber lag im Kirchberg

Wandergruppe der Volkshochschule Marburg Biedenkopf unterwegs im Kirchberggebiet.
Wandergruppe der Volkshochschule Marburg-Biedenkopf erkundete den Kirchberg bei Gladenbach.
Warum nicht mal dem hektischen Lärm des Brunnenmarktes entfliehen und in der Ruhe des herbstlich bunten Kirchbergwaldes mit seiner geschichtlichen Vergangenheit zu wandern? So dachten zumindestens die 13 Teilnehmer einer heimatkundlichen Wanderung aus Gladenbach und Umgebung.
Man startete an der Martinskirche aus dem 12. Jahrh. Sie gehört neben den Kirchen von Dautphe und Breidenbach zu den Urkirchen des ehemaligen Kreises Biedenkopf. Am weiteren Weg lag nun das ehemalige Pfarrhaus, was als eines der schönsten Fachwerkgebäude des HInterlandes gilt. Noch ganz in Eiche zum Ende des 16. Jahrh. in Gönnern als Stockwerkrähmbau errichtet. 1606 dort abgebaut, kam es 1607 nach Gladenbach, wurde dort wieder aufgebaut und diente hier bis ins 20. Jahrh. als Pfarrhaus. Heilszeichen und Schmuckverzierungen machen das Haus zu einem Juwel des Fachwerkbaues.
Nun gelangte man am Fuße des Kirchberges zum Stolleneingang des ehemals 800m langen Haupterzganges. Er ist noch offen, aber leider nicht mehr zugänglich, da Gefahr durch herabstürzendes Gestein droht. In etwa 30 Schächten wurde im Kirchberg zwischen 1477 und 1604 Silbererz in großen Mengen und von hoher Qualität gefördert. Ein Chronist beschreibt: "Niemals bisher hat ein Berg in Hessen soviel Silber gegeben". Besondere Gesetze wie die "Blankensteiner Bergfreiheit" von 1562 bezeugen , dass die Landesherren sehr um die Förderung des Bergbaues der Region bemüht waren. Schließlich deckte das Silber im Kirchberg den Münzbedarf von Hessen zunächst in Kassel mit dem "Kasseler Reichstaler" und danach mit dem "Gladenbacher Ausbeutetaler". Es war die bis dahin erste Münze, auf welcher der Erzfundort aufgeprägt war und die Prägung erfolgte von 1588-1590 in Gladenbach. Danach vermünzte man nur noch in Marburg.
Die Silbervorkommen im Kirchberg erschöpften sich schon nach 1593. Nach Ausbeutung eines vom Hauptgang abzweigenden, zusätzlich vorgetriebenen Tiefenschachtes (140m Tiefe) war die Förderung nicht mehr lohnend. 1604 wurde deshalb der Bergbau im Kirchberg eingestellt und die Gladenbacher Münze geschlossen.
Gladenbacher Taler waren sehr gefragt und verschwanden schnell aus dem Handel. Bereits 1697 waren nur noch wenige Exemplare im Umlauf. Inzwischen sind im Münzhandel keine Stücke mehr erhältlich. Selbst die 1974 erfolgte Nachprägung in Form einer Medaille ist nirgendwo mehr zu bekommen. Die wenigen Reststücke sind vergriffen. Der Bankverkauf ist eingestellt.
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2 Kommentare
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Volker Beilborn aus Marburg | 21.10.2013 | 11:17  
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Siegfried Kuhl (sk1941) aus Marburg | 23.11.2013 | 17:26  
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