Alte Marburger Geschichten - Teil 10: Radfahrer ohne Angst vor dem Schutzpolizisten

Noch bis in die 1960er Jahre stand am Rudolphsplatz zur Verkehrsregelung ein Schutzpolizist. Links das Bekleidungskaufhaus Bersch, im Hintgergrund das Lahntor. Auf dem Foto sind die Fahrdrähte des Obusses zu erkennen, der 1951 die Straßenbahn ablöste.
Marburg: Rudolphsplatz | Diese Geschichte hat sich - wahrheitsgemäß wie auch die anderen bisher hier gebrachten Aufzeichnungen - in der Zeit nach dem Krieg am Rudolphsplatz zugetragen. Dort stand über viele Jahrzehnte - den Wurzel-Marburgern noch wohlbekannt - ein Schutzpolizist mit weißem Mantel. Dieser hatte den Verkehr an der Engstelle Rudolphsplatz/Lahntor Richtung Universitätsstraße zu regeln. Das dort den Weg versperrende Bekleidungskaufhaus Bersch wurde um 1970 abgerissen. Damit war das Nadelöhr beseitigt.

Die Marburger liebten die dort beschäftigten Polizisten. Zu Weihnachten konnten sich die Beamten vor Geschenken kaum retten, die den Schupos zu Füßen auf ihr kleines Podest abgelegt wurden. Man konnte ja nie wissen, wann man mal auf die Gunst des Verkehrslenkers dort angewiesen war - und eine Hand wäscht die andere. So war das damals (heute natürlich nicht mehr …).

Eines Tages kam ein Radfahrer mit vollem Tempo das Lahntor hinab gefahren und machte keine Anstalten, am Schutzpolizisten zu halten. Dieser hatte gerade den Verkehr vom Rudolphsplatz in Richtung Universitätsstraße freigegeben.

Als der Polizist mit Verve auf seiner Trillerpfeife den Radfahrer zum Gehorsam aufforderte, fuhr dieser ungebremst an ihm vorbei und rief: „Schreib´s auf für Meier Elnhausen.“

Wie schon an Anfang geschrieben: wahre Geschichte - erlebtes Marburg.
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2 Kommentare
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Horst Becker aus Wohratal | 18.06.2016 | 02:45  
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Werner Szramka aus Lehrte | 18.06.2016 | 10:24  
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