In der Lübecker Marienkirche: „Gebrochene Kreuze“ von Günther Uecker

Die „Installation der vierzehn gebrochenen Kreuze“ von Günther Uecker im Chorumgang der Marienkirche. Foto: Helmut Kuzina
Lübeck: St.-Marien-Kirche | Beklemmend sehen die Nagelkreuze von Günther Uecker aus, die im Chorumgang der Marienkirche stehen, und die Besucher gehen bei ihrem Rundgang überwiegend eilig weiter, weil sich ihnen die wuchtigen und außergewöhnlichen Exponate nicht unmittelbar erschließen.

Auf der Hinweistafel ist nur vermerkt: „Verletzungen – Verbindungen, vierzehn gebrochene Kreuze, Günther Uecker, 2000“. Seit Oktober 2003 befindet sich die Installation als Dauerleihgabe im gotischen Gotteshaus inmitten der Altstadt.

Die Kreuzfragmente, verwickelte und verbunden Pfähle, Kanthölzer vom Querschnitt etwa 15 x 15 cm und einer Höhe von fünf bis sechs Metern, sind auf Boden- oder Standplatten befestigt. Aus den kurzen Querbalken ragen so genannte „Zimmmermanns-Nägel“, Metallstifte einer Länge von fast 30 cm.

Günther Uecker ist ein Objektkünstler von internationalem Rang, der vor allem durch seine reliefartigen Nagelbilder bekannt wurde. Seine Arbeiten verknüpfen sich mit apokalyptischen Visionen, besonders mit Kriegszerstörungen, sie vereinen Trauer und Bedrohung auf der einen Seite, Hoffnung und Menschlichkeit auf der anderen.

Typisch für die Arbeit des Künstlers ist, die Nägel niemals komplett in das Holz zu hämmern, sondern Uecker lässt einen Teil der Stifte herausragen - in den leeren Raum, um Zeichen der individuellen Interpretation zu bieten, wo die Sprache als Kommunikationsmittel scheitert.

Die Installation der vierzehn gebrochenen Kreuze scheint an die Stationen des christlichen Kreuzwegs anzuknüpfen. Für Günther Uecker stellen die Nägel Symbole mit biblischem Bezug dar, mit ihnen wurde Jesus ans Kreuz geschlagen, Signale dafür, wie Menschen Menschen Gewalt antun.

April 2015, Helmut Kuzina
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