Train of Hope in Lehrte

 
Lehrtes Bürgermeister Klaus Sidortschuk zusammen mit den Helfern der Feuerwehr
Lehrte: Bahnhof Lehrte | Hallo ihr da draußen,

vor einigen Wochen machte der berühmte „Train of Hope“ (Zug der Hoffnung) in Lehrte halt und brachte rund 400 (anfangs hieß es 2000) Menschen u. a. aus Syrien nach Lehrte, wo sie später u. a. mit Bussen nach Braunschweig gebracht wurden.

Radio Leinehertz 106.5 fragte bei mir an, ob ich die Ankunft begleiten könnte und ich sagte sofort zu, denn bisher habe ich nur von diesen Zügen gehört und gelesen, da sie um Hannover usw. einen großen Bogen gemacht haben und teilweise direkt nach Hamburg usw. durch gefahren sind.

So machte ich mich also früh morgens um halb 7 (die Ankunft war für 7 Uhr angekündigt) auf den Weg zum Bahnhof, wo mich schon die Schlange von Reisebussen erwartete, im Gespräch mit den Fahrern erfuhr ich dann, dass sie die Flüchtlinge in die Aufnahmeeinrichtungen in Niedersachsen (Braunschweig), Mecklenburg Vorpommern und Schleswig Holstein bringen.

Da noch etwas Zeit war und am Bahnhof außer den Pendlern noch nichts los war, guckte ich an der Turnhalle Friedrichstraße mal, ob ich da Informationen bekommen könnte, aber außer einem Team vom DRK, was auch nicht wirklich weiter wusste, da noch kein Verantwortlicher da war, so machte ich mich dann auf den Weg wieder zum Bahnhof, wo mittlerweile die Busfahrer die Information hatten, dass sie falsch sind und geleitete führte diese dann durch Lehrte zum Schützenplatz, wo ich dann auch gleich die Pressesprecherin der Region Hannover in der Technischen Einsatz Leitung fand und auch ein Statement einfangen konnte.

Ab da ging es dann auf einmal Schlag auf Schlag, denn entgegen einer Ankündigung hieß es, dass der Zug schon um 8:15Uhr in Lehrte ankommen soll, aber wie man die Bahn halt kennt, lernten die Flüchtlinge gleich mal das Bahnfahren kennen, inklusive Verspätung, sodass der Zug dann doch wie angekündigt kurz nach halb 9 in Lehrte eintraf.

Sah man in die Gesichter der Menschen, die aus den Zügen ausstiegen, sah man die Erschöpfung von der Zugfahrt aus Passau nach Lehrte, aber man sah auch die Hoffnung und die Freude, dass sie es bald geschafft haben.

Nachdem die letzten Flüchtlinge den Bahnsteig verlassen hatten, ging ich noch mal zur Turnhalle, um dort einige Fotos zu machen und um dort auch noch mal einige Statements einzusammeln.

Beim Fotografieren wurden 2 Jungs (9 und 11) auf mich aufmerksam und neugierig und gaben mir zu verstehen, dass sie auch mal fotografieren möchten, gesagt getan, durfte der älteste (der Jüngere wollte dann doch nicht) ein Foto machen, das strahlen in den Augen von Hussein (so hieß der ältere der beiden) sprach Bände.

Beide Jungs nahmen mich dann auch und stellten mir ihre Familie (so viel zum Thema „alles allein Reisende junge Männer“), wo sich die Kommunikation schwer war, da beide kein Englisch konnten. Der Vater führte mich dann zum Englisch sprechenden großen Sohn, welcher mir dann auf Englisch erklärte, dass ein Kind der Familie samt Begleitperson in Hannover in einem Krankenhaus ist und sie gerne zusammen mit den beiden weiter fahren möchten.

In Zusammenarbeit mit dem Team des DRK und einem Dolmetscher wurden dann genauere Informationen eingeholt und in Braunschweig fand dann später die „Familienzusammenführung“ statt.

Als die Mutter die Nachricht übersetzt bekam, dass alles geklärt ist und die Familie wieder zusammenkommt, fing sie an zu weinen, vor Freude und sie hat sich mehrmals für die Hilfe beim Dolmetscher und auch bei mir bedankt.

Für mich war diese Begegnung sehr prägend, ich werde diese Blicke der Hoffnung und der Freude, als die Menschen in Lehrte ankamen nie vergessen, denn was diese Menschen durchgemacht haben, wünscht man keinem, wir können FROH sein, dass wir in einem Land leben, wo seit 70 Jahren Frieden herrscht.

Sollte in Deutschland irgendwann wieder Krieg ausbrechen (was ich nie hoffe), wären wir alle froh, wenn uns andere Länder aufnehmen würden, wenn wir dorthin flüchten. Wir wären froh, wenn 90% der Menschen in den Ländern so eine Willkommenskultur präsentieren, wie wir es in Deutschland machen. Aus diesem Grund rufe ich dazu auf, die Flüchtlinge in Deutschland Willkommen zu heißen und lasst euch nicht vom Rechten Pöbel aus Sachsen usw. beeinflussen, bildet euch eine eigene unvoreingenommene Meinung, bevor ihr über andere urteilt.

Ich möchte an dieser Stelle allen Hilfsorganisationen in ganz Deutschland danken, die sich so aufopferungsvoll für die Flüchtlinge einsetzen. Ich möchte auch den vielen ehrenamtlichen Helfern in den Bahnhöfen von München, Hamburg, Dortmund, in den Notunterkünften usw. DANKE sagen, denn das sind DIE wahren Helden in der aktuellen Zeit, denn sie investieren sehr viel Zeit und betreuen die Flüchtlinge ehrenamtlich und organisieren sich teilweise selbst über das Internet.

Das soll es nun gewesen sein, ich glaube, die Bilder sprechen für sich.


Mit freundlichem Gruß

Lars
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6 Kommentare
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Klaus Anton aus Burgwedel | 16.10.2015 | 19:39  
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R. S. aus Lehrte | 18.10.2015 | 12:36  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 20.10.2015 | 15:45  
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Klaus Anton aus Burgwedel | 20.10.2015 | 19:37  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 20.10.2015 | 23:36  
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Rainer Bernhard aus Seelze | 12.11.2015 | 02:02  
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