Charaktere erkennen Menschen verstehen

  Der Begriff „Charakter“ bezeichnet die Persönlichkeit eines Individuums oder auch eine besondere Theaterrolle wie Faust oder Hamlet. Worte wie Charakterzüge, Charakterstärke und Charakterköpfe gehören wie selbstverständlich in unser Vokabular.

Doch wie wirkt sich der Charakter auf den persönlichen oder beruflichen Erfolg aus?

Antwort darauf gibt der mittelfränkische Charakterforscher Walter Rotter (64), der in über vier Jahrzehnten Tausende von Menschen empirisch erforschte. Geburtstag und –stunde reichen Walter Rotter völlig aus, um einen Menschen bis aufs i-Tüpfelchen zu charakterisieren. Das klingt zwar zunächst nach reichlich astrologischem Hokuspokus, hat aber nicht einmal ansatzweise etwas damit zu tun.
„Der Charakter eines Menschen ist von Geburt an festgelegt“, weiß der Mann, der in 46 Jahren die Charaktereigenschaften von 28.000 Frauen und Männern untersuchte und diese in je 144 weibliche und männliche Charaktertypen unterteilte. Für seine Studien befragte er die Menschen nach ihren Geburtsdaten, beobachtete sie über einen längeren Zeitraum, machte sich Aufzeichnungen, analysierte ihre Eigenarten und kam schließlich zu dem Ergebnis, dass sich diese stets deckten. „So sind Widder die stärksten Grundcharaktere in allen Lebensbereichen“, sagt Rotter im Brustton der Überzeugung. „Viele Erfolgsmenschen wie Gerhard Schröder, Richard von
Weizsäcker oder Helmut Kohl sind unter diesem Sternzeichen geboren.“ Doch gilt es, zwischen Frauen und Männern zu unterscheiden. „Eine weibliche Widder-Jungfrau etwa ist zwar sehr willensstark, kann aber nur schlecht Nein sagen. Sie gibt oft zu viel und bekommt häufig zu wenig zurück, was bis zur Depression führen kann. Dem männlichen Pendant hingegen droht diesbezüglich keine Gefahr, denn er ist meistens knallhart und zeigt nur sehr selten Mitgefühl mit anderen.“

Als der ehemalige Leistungssportler – er war erfolgreicher Fünfkämpfer – mit 22 Jahren an Lungenkrebs erkrankte und daraufhin ein Jahr in der Klinik verbringen musste, führte er seine Charakterstudien fort und entdeckte, dass sein Hobby seine Berufung ist.
“Und ich erkannte, dass man alles erreichen kann, wenn man es nur will.“ Seine Forschungen und Erfahrungen sind die Basis für das von ihm entwickelte und patentierte Qualifikationssystem PQS (Personality Qualification System). Damit betrachtet Rotter die Charaktereigenschaften, das Dominanzverhalten, die Persönlichkeitsstruktur und die emotionale Intelligenz eines Menschen ganzheitlich. Durch dieses spezielle Konzept stellt er auch defizitäre Verhaltens- und Gebrauchsmuster fest, die den persönlichen oder beruflichen Erfolg nicht selten verhindern. „Menschen sind durch ihre Kindheit nachhaltig geprägt“, sagt er. „So können zum Beispiel Männer, die als Jungs nicht weinen durften, Gefühle häufig gar nicht oder nur sehr schwer zeigen.“ An der Veränderung
solch hartnäckig manifestierter Strukturen arbeitet Rotter mit seinen Klienten während einer etwa vierteljährlichen Betreuungsdauer.

Wie viele davon schaffen es mithilfe seines Konzepts, ihre kindheitsgeprägten Verhaltensmuster abzulegen und somit ihre Persönlichkeit oder ihre Erfolgschancen positiv zu verändern? „Die Erfolgsquote liegt bei 95 bis 98 Prozent“, freut sich Rotter, der Politiker, Manager und Spitzensportler ebenso betreut, wie Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller. Seit einiger Zeit analysiert er für die Sankt Petersburger Niederlassung eines deutschen Unternehmens vorab die Bewerber – ohne diese je gesehen zu haben. „Bisher lag ich noch mit keiner Empfehlung daneben.“

In den letzten Jahren verhalf Walter Rotter mehreren Sportlern vom Handball über den Radsport bis zum Tennis zu Deutschen Meister- und sogar zu Europa- und Weltmeistertiteln. „Sogar ein olympischer Taekwondo-Silbermedaillengewinner von Sydney gehört dazu“, berichtet er stolz. Auch ein Buch hat er geschrieben und jede Menge Interviews in Zeitungen, beim Rundfunk und im Fernsehen gegeben. „Die meisten sind sprachlos, wenn ich sie zutreffend charakterisiere und dann kommt die Frage: Wie können Sie das alles wissen?“

Das Geburtsdatum macht’s Walter Rotter möglich!
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