Das alte Siegel der Gemeinde Groß Lafferde

Siegelabdruck (Ausführung von 1667)
 
Siegelabdruck von 1955
In der Passionszeit des Jahres 1662 soll Herzog August II (der Jüngere) nach Groß Lafferde gekommen sein und in der Kirche die Karfreitagspassion angehört haben. Aus Begeisterung habe er der Gemeinde versprochen, ihr bei der Behauptung des Patronatsrechtes zu helfen. Dafür erwarte er, dass die Gemeinde nach dem Tode des derzeitigen Pastors, seinen Feldprediger Rembertus Bütticher (Böttcher) als Pastor annehme. Zur Bekräftigung dieser Vereinbarung habe die Gemeinde noch im Jahre 1662 ein Siegel erhalten, in dem Schafschere und Pflugschar mit der Umschrift „Gott mit uns – Groß Lafferde 1662“ dargestellt sind.

Somit hatte
• der Herzog seinen Feldprediger Rembertus gut versorgt
• sich der Wunsch von Rembertus Vater erfüllt, den Sohn in Groß Lafferde als Pastor zu haben,
• die evangelische Kirchengemeinde Groß Lafferde Hilfe zu erhoffen, falls es Probleme mit dem katholischen Landesherrn geben sollte.

Zum letzten Punkt ist anzumerken, dass Groß Lafferde als Auswirkung des 30-jährigen Krieges politisch wieder zum Fürstbistum Hildesheim gehörte. Laut Richard Wolf soll für Kirchenbelange weiterhin Herzog August von Braunschweig –Wolfenbüttel zuständig gewesen sein. Der befand sich angeblich auf einer Kirchenvisitation, als er an der Passionsaufführung teilnahm.

Adolf Nülle verweist die Entstehungsgeschichte in den Bereich der Fabel.
Gründe:
Seit dem Jahre 1643 gehörten die während der Stiftsfehde in braunschweigischen Besitz gelangten hildesheimischen Ämter wieder zum Fürstbistum Hildesheim. Somit besaß der Braunschweiger Herzog über Groß Lafferde keinerlei Herrschaftsgewalt. (Anmerkung: Deswegen konnte er die Groß Lafferder gegenüber ihrem rechtmäßigen Landesherrn nicht schützen. Den Groß Lafferdern ein amtliches Siegel zu verleihen, dazu war er nicht befugt. Tat er es dennoch, so war die Verleihung ohne jede rechtliche Bedeutung.)
Hätte der Herzog das Siegel verliehen, dann wäre es sicherlich aufwendiger gestaltet worden. Die schlichte Ausführung weist eher darauf hin, dass es von den ortsansässigen Bauern in Auftrag gegeben wurde. Grund dafür könnte die miserable Finanzlage der Gemeinde als Folge des 30-jährigen Krieges gewesen sein. Die Gemeinde war gezwungen, häufig Kredite aufzunehmen und umzuschulden. Geldgeber drangen darauf, dass die ausgestellten Schuldscheine neben den Unterschriften der Gemeindebevollmächtigten als zusätzliches Gültigkeitsmerkmal ein Gemeindesiegel enthielten.
Die Überlegungen Adolf Nülles sind nicht von der Hand zu weisen.

Fest steht jedenfalls, dass das alte Gemeindesiegel auf das Jahr 1662 datiert.
Es war in einigen Abwandlungen bis 1957 gültig (aber nicht in der Zeit des Nationalsozialismus).
Am 02.08.1956 beschloss der Gemeinderat ein Wappen einzuführen. Es wurde am 31.05.1957 vom Niedersächsischen Minister des Innern genehmigt. Damit hatte das alte Gemeindesiegel von 1662 ausgedient.


(Quellen: Baurat a.D. Adolf Nülle, „Vom Gemeindesiegel“; Rektor a.D. Richard Wolf in Peiner Nachrichten vom 25.02.1955 „Schafschere, Pflug und Gott mit uns“)
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Helmut Kuzina aus Wismar | 02.05.2014 | 21:22  
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