Ob Bertold Brecht einst den Weg nach Königsbrunn gefunden hat? NachLESE zum Workshop mit Prof. Dr. Jan Knopf

Prof. Knopf mit dem Lampion-Fisch, ein Geschenk für den Wissenschaftler in Anlehnung an Brechts Streifzüge durch Augsburg
 
Oberstudienrätin Margarete Schwegler-Nebel und Prof. Jan Knopf vor der Brecht-Ausstellung der Klasse 8c
Eugen Bertold Friedrich Brecht ist am 10. Februar 1998 in Augsburg geboren worden und dafür bekannt, dass er mit seiner Clique regelmäßig Streifzüge durch die Stadt unternahm und sich gerne in der Öffentlichkeit, so auch in Gasthäusern, aufhielt, wo er mit einer frechen, stets selbstbewussten Sprache Texte und Lieder zum Besten gab.
Ob er es damals auch einmal zu einem Abstecher nach Königsbrunn gebracht hat? Wir wissen es nicht, denn die Schülerinnen und Schüler der Klassen 8c, 9s, 10a und 10s des Gymnasiums Königsbrunn haben ganz vergessen, dem Gast, Prof. Dr. Jan Knopf, diese Frage zu stellen.
Dr. Jan Knopf, jedenfalls, der Leiter der „Arbeitsstelle Bert Brecht“ an der Universität Karlsruhe und Experte ersten Ranges, hat das Gymnasium im Rahmen des Brecht-Festivals Augsburg 2014 einen ganzen Vormittag lang besucht, danach mit den Lehrerinnen Elisabeth Rüster und Margarete Schwegler-Nebel einen kurzen Streifzug zum Restaurant im Hotel Zeller unternommen und sich von der Nottreppe des Gymnasiums aus das Areal um die Königstherme erklären lassen. Mehr Zeit blieb nicht nach den Gesprächen mit den Schülerinnen und Schülern, da Knopf als wissenschaftlicher Berater des Brechtfestivals einen vollen Terminkalender hat. Oberstudienrätin Schwegler hatte ihn zu einem Workshop mit Schülerinnen und Schülern eingeladen, der dank der großzügigen Unterstützung des Büros Brechtfestival der Stadt Augsburg möglich geworden ist.
Im Vorfeld hatten die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler das von Oberstudienrätin Schwegler-Nebel entworfene Brecht-Rätsel bearbeitet, und die Klasse 8c hatte eine Ausstellung zu Brechts Leben und Werk erarbeitet und sich mit dem Programm des diesjährigen Brecht-Festivals beschäftigt.
Kaum hatte Prof. Knopf in der Ausstellung das Plakat mit den Informationen zu „Brecht und den Frauen“ entdeckt, räumte er in den ersten Sätzen über den Dichter sofort mit dem weit verbreiteten Vorurteil auf, Brecht sei ein Womanizer und Frauenverbraucher gewesen. „Solche Typen ‚hängen einer Frau ein Kind an‘, wie die Redensart sagt, und kümmern sich dann nicht mehr um die Kinder. Ganz anders Brecht, der sich um all seine Kinder gekümmert hat, wenn man ihm die Möglichkeit dazu gab.“ Wer denkt da nicht an Brechts Liebe zu Paula Bannholzer, aus der ein Kind entstand, vor dem ein schwieriges Leben lag.
Auch die hartnäckig sich haltende Ansicht, Brecht sei nicht mehr modern, konnte er widerlegen: „Sänger wie Max Raabe, Robbie Williams oder Campino von den ‚Toten Hosen‘ interpretieren ihn neu, und die sind top aktuell. Würde Nina Hagen, die Punk-Legende, sonst ins Stadttheater nach Augsburg kommen mit ihrem interaktiven Brecht-Liedern-zur-Klampfe- Abend? Sicherlich nicht.“
Knopf machte in allen Antworten auf die Schülerfragen und in seiner Ausführung zur Augsburger Inszenierung des „Guten Menschen von Sezuan“ deutlich, dass er für einen ideologiefreien Umgang mit dem Dichter und dessen Werk plädiere. Deshalb kommentierte er im Gespräch mit der Klasse 9s Sarahs Frage, wie Brecht zum Kommunismus gekommen sei, mit dem Ausspruch Brechts: „Ich vergesse meine Anschauungen immer wieder, kann mich nicht entschließen, sie auswendig zu lernen." Brecht kann seiner Meinung nach nicht auf eine politische Gesinnung festgelegt werden, das sei zu einseitig gedacht. Er habe stets die facettenreichen Themen der Gesellschaft und Politik seiner Zeit aufgegriffen.
„Wir müssen im 21. Jahrhundert lernen, Brecht neu zu lesen", unterstreicht Knopf, der den Menschen und den Dichter wie kein anderer kennt. Kaum verwunderlich also, dass er 1990 als einer der ersten westlichen Wissenschaftler nach China eingeladen worden ist. Ein Jahr vorher hatte die Universität zusammen mit der Stadt Karlsruhe die Arbeitsstelle Bertolt Brecht (ABB) gegründet, die er bis heute leitet. Die Einrichtung hat sich in den zwanzig Jahren nach der Gründung zu einer der weltweit wichtigsten Anlaufstellen der Brecht-Forschung entwickelt. Nach dem Archiv in Berlin verwaltet die Karlsruher Forschungseinrichtung die umfangreichste Materialsammlung über das Leben und das Werk des Schriftstellers.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin königsbrunner | Erschienen am 01.03.2014
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