Die Liebe zur bezaubernden Klarinette

Akademistenquintett der Deutschen Oper – ein Highlight der Klangerfrischung


Es ist alles andere als ein Zufall, dass große Meister der klassischen Musik ein Instrument zum Ende ihres genialen Schaffens noch für sich entdeckten. Warum Wolfgang Amadeus Mozart in seinem Todesjahr noch das weltberühmte Klarinettenquintett schrieb oder auch Johannes Brahms ein eben solches als Spätwerk komponierte – bei der 7. Klangerfrischung beantworteten der Königsbrunner Klarinettist David Schöndorfer und seine Mitakademisten der Deutschen Oper Berlin diese Frage und „verzauberten“ die knapp 150 Zuschauer, die ins Gemeindezentrum St. Johannes gekommen waren.

Weich, aber präzise im Ansatz, samten im Klang, dann wieder fordernd, die vier Streicher führend auf dem Streifzug durch den anspruchsvollen letzten Weg der beiden Meister – Klangerfrischungsgastgeber David Schöndorfer weiß, was er seinem Heimpublikum, das in beträchtlicher Zahl inzwischen zu einem Stammpublikum geworden ist, bieten möchte. Das war in der Gesamtschau beträchtliches, von allen fünf Musikern des Quintetts.

Und die gehören nicht zu Unrecht zum besten musikalischen Nachwuchs, der an der Akademie, jener Kaderschmiede der Deutschen Oper Berlin, nach vorangegangener strenger Auslese jene Dinge vermittelt bekommt, die an den großen Häusern des Landes, und nicht nur dort, eingefordert werden. Seit Januar ist David Schöndorfer Akademist in der Hauptstadt und hat bereits einen ausgeprägten Reifeprozess hinter sich gebracht. Das kam jetzt den Besuchern zugute. Die 7. Auflage der Klassikreihe gehörte trotz aller Qualität der sechs vorausgegangenen Konzerte zum Besten, was bisher im Rahmen der Klangerfrischung zur Aufführung gebracht wurde.

Wie talentiert sie sind, wie präzise und harmonisch ein Quintett intonieren und wie interpretatorisch ausgereift junge Künstler vortragen können, das zeigte die internationale Gruppe, die sich aus Malika Aziz aus Usbekistan (Violine), Joana Dias Nunés aus Portugal (Viola), Annette Köhler aus Lübeck (Violine), Werner Stephan (Cello) aus Bremen und dem 1991 in Königsbrunn geborenen David Schöndorfer zusammensetzt.

Zuerst zeigte sich das in dem unvollendeten Satz für zwei Violinen, Viola und Violoncello von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791) aus dessen Todesjahr, abschließend in dem Meisterwerk von Johannes Brahms (1833 - 1897), seinem Klarinettenquintett in h-Moll aus opus 115 (1891), ebenfalls mit zwei Violinen, Viola und Violoncello. Das Werk von Mozart, von dem nur das Allegro erhalten ist, charakterisiert sich, trotz des damals zu Ende gehenden Lebens des Genies, durch eine heitere Note. Es dient schließlich der Unterhaltung, dem Divertimento. Übrigens war es ja Mozart, der erst die Gattung des Klarinettenquintetts geschaffen hatte („Sie glauben nicht, was eine sinfonie mit flauten, oboen und clarinetten einen herrlichen Effect macht“).

Auch wenn es sich „nur“ um einen unvollendeten Satz Mozarts handelt, er fordert die Musiker, verlangt technische Virtuosität und Konzentration. Um sich für das Klarinettenquintett von Brahms vorzubereiten, das nach der Pause anstand, überließ David Schöndorfer die Bühne den Streichern und aus dem Quintett wurde ein Quartett.

Das Streichquartett von Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) aus opus 18 Nr. 4 in c-Moll war erfrischend, die Spielfreude und Liebe zum Meister war den vier Musikern regelrecht anzumerken. Vor allem auch Werner Stephan gab mit seiner Interpretation dem Werk eine breite Basis, auf der sich die beiden Violinen spielerisch tänzelnd, zeitweise fordernd bewegten, stets wachsam begleitet von Joana Dias Nunés und ihrer Viola.

Die abschließende Komposition von Brahms, musikalisch höchst durchdacht, vermittelte die ganze Dramatik eines zu Ende gehenden Jahrhunderts. Brahms hatte das Stück Richard Mühlfeld dem Klarinettensolisten der Herzoglich-Meiningschen Hofkapelle, auf den Leib geschrieben und sich somit spät und für viele unerwartet plötzlich noch für die Klarinette begeistert.

So wurde die Klangerfrischung durch die fünf jungen Akademisten wieder einmal ihrem Anspruch gerecht, Klassik auf hohem Niveau mit jugendlicher Frische für Jedermann zugänglich zu machen. Vielfache Bravo-Rufe und lang anhaltender, begeisterter Applaus war den Akademisten mehr als nur ideeller Lob für ihre Leistung.
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