Die größte Modelleisenbahn der Welt – Zu Besuch im „Miniatur Wunderland“ in der Speicherstadt von Hamburg

Im Miniatur Wunderland leuchten nicht nur Kinderaugen.
 
Die Hansestadt Hamburg hat viel mehr zu bieten als interessante Hafenanlagen...
Hamburg: Miniatur Wunderland | Welcher Junge aus den älteren Generationen – und vielleicht auch so manches Mädchen – hat sich in seiner Kindheit nicht für Modelleisenbahnen interessiert. Als ich fünf Jahre alt war, bekam ich zu Weihnachten tatsächlich eine Eisenbahn. Eine Lokomotive mit zwei Anhängern aus Blech, dazu einen Bahnhof und einen Tunnel. Ich konnte die Lok mit einem Schlüssel aufziehen, so dass sie auf der kreisrunden Strecke ein paar Runden drehte. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich mich damals, es war in den fünfziger Jahren, darüber gefreut habe. Mit leuchtenden Augen stand ich am Heiligabend davor. Doch wie beneidete ich meinen Freund Michael, als der einige Jahre später zu Weihnachten eine richtige Fleischmann-Modelleisenbahn bekam. Immerhin durfte ich ab und zu auch damit spielen. Und ein größerer Junge aus der Nachbarschaft hatte sogar eine richtige Landschaft mit Bergen aus Gips, einem Dorf dazu und mehrere Gleise mit Weichen. Er bastelte mit seinem Vater daran, um die Anlage zu erweitern. Das hatte mich damals schwer beeindruckt. Doch für mich selber blieb eine Modelleisenbahn nur ein unerfüllter Traum.
Nun besuchte ich kürzlich die Hamburger Speicherstadt, die im vorigen Jahr zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt worden ist. Dort befindet sich in einem der alten Speicherhäuser mit dem „Miniatur Wunderland“ die größte Modelleisenbahn der Welt. Und da hatte ich, wenn auch nicht den eigenen, so doch meinen Traum. Und ein solcher ist es wirklich. Wer durch diese Anlage geht, sollte sich viel Zeit mitbringen. Den ganzen Tag könnte man sich darin aufhalten. Und dabei ist Staunen angesagt. Man durchschreitet eine Wunderwelt und kommt sich wie ein kleines Kind vor, dass die von Lichtern glänzende Weihnachtsstube betritt. Man mag kaum glauben, dass es so etwas tatsächlich gibt. Wie viel Arbeitszeit und Mühe muss dafür verwendet worden sein, dieses alles anzufertigen und aufzubauen. Ganz abgesehen von den finanziellen Mitteln, die bei 14 Millionen Euro liegen sollen.
Zur besseren Vorstellung hier einige Fakten dazu: Die Länge der Gleise beträgt 13 Kilometer. Etwa 930 Züge mit mehr als 10.000 Waggons sind darauf unterwegs. Der längste Zug hat eine Länge von 14,5 Metern. Es gibt fast 1.300 Signale, über 3.000 Weichen, 120.000 Bäume und 230.000 Menschen- und Tierfiguren. Das alles sind nur Zahlen. Doch sie spiegeln wieder, mit wie viel Idealismus, unendlich vielen Ideen und mit wie viel Liebe und Geduld das alles entstanden ist, bis ins allerkleinste Detail.
Unterteilt ist die Ausstellung in verschiedene Themenbereiche. So werden unterschiedliche Landschaften dargestellt. Die Schweiz, Österreich, Bayern, die deutsche Mittelgebirgslandschaft, die USA und Skandinavien. Natürlich die Stadt Hamburg, und auch, als besonderes Highlight, ein Großflughafen, auf dem Flugzeuge starten und landen.

Zunächst geht der eigene Blick auf die Gesamtlandschaften. Doch wenn man aus dem ersten Staunen heraus ist, öffnet sich dieser für die Feinheiten, für die Details. Man erkennt in einer Westernstadt eine Schießerei. Irgendwo brennt ein Haus. Viele Feuerwehren rücken an, um den Brand zu löschen. Man kann schon mal einen Blick in die neue Elbphilharmonie werfen, die sich für den Besucher öffnet. Auf einem Miniaturfernseher sieht und hört man die Tagesschau. Im alten Volksparkstadion spielt der HSV gegen St. Pauli. Man hört die Torschreie, der dazugehörige Spielstand wird angezeigt. Ein Auto gerät in eine Verkehrskontrolle. Fahrende Lastwagen kommen vor roten Ampeln zum Stehen oder beachten beim Abbiegen den Gegenverkehr. Polizisten nehmen einen Unfall auf.
So in dieser Art kann man, wenn man sich die Zeit dazu nimmt, immer und überall etwas entdecken. Und es ist so viel, ob aus dem alltäglichen Leben unserer Welt oder ob irgendwelche Überraschungen, dass man nur einen Bruchteil davon wahrnehmen kann. Dann versucht man auch mal, sich Züge zu merken, die irgendwo in der Berglandschaft in einem Tunnel verswinden. Und dann wundert man sich, an welcher Stelle sie manchmal wieder zum Vorschein kommen. Eben nicht unbedingt da, wo man es vermutet hätte. Ab und zu hört man lautes Gelächter. Auf dem Flughafen landet plötzlich die Biene Maja. An anderer Stelle in einer dörflichen Landschaft ein Ufo. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, und alles kann in diesem Wunderland möglich sein.
Und dann wird es jede Viertelstunde Nacht. Zum Sonnenuntergang wird das Licht zunächst rosa. Danach blau, bevor es richtig dunkel wird. Dabei gehen so nach und nach immer mehr Lichter an. Wieder wundert man sich, wie viele es denn sind. Mehr als 330.000 sollen es sein, die die Nacht erleuchten, bevor die Sonne dann nach einigen Minuten wieder aufgeht.
Nach einigen Stunden sind wir dann durch, obwohl wir bei den Details so vieles sicher nicht gesehen haben. Ein Grund, um mal wiederzukommen, zumal die Anlage ja weiter vergrößert wird. Italien ist im Bau, Frankreich ist geplant, und einiges mehr ist angedacht. In den nächsten 12 Jahren soll die Miniaturwelt um ein Drittel vergrößert werden, und wer weiß denn schon jetzt, wie es dann weitergehen wird. Auch kann man an einer Führung teilnehmen und dabei hinter die Kulissen schauen. Jedem kann ich dieses Miniatur Wunderland empfehlen, ob groß oder klein, ob Technik interessiert oder auch nicht. Wohl niemand kann sich der Faszination dieses Gesamtwerkes entziehen.
Und im Anschluss schlendert man noch mal durch die alte Speicherstadt, die größte ihrer Art weltweit, in der einst Kaffee, Kakao, Gewürze, Tabak, Kautschuk und Teppiche umgeschlagen wurden. Denn auch das ist mit den roten Backsteingebäuden, den Kanälen dazwischen und den Eisenbrücken einzigartig. Und zum Abschluss geht man in eine Kaffeerösterei, gleich neben dem Miniaturland, in der man alles über das liebste Heißgetränk der Deutschen erfahren kann und genehmigt sich, von Übersee-Kaffeesäcken umgeben, eine Tasse. Und wenn man von Hamburg noch nicht genug hat, dann gibt es dort noch so viel zu sehen und zu entdecken.
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5 Kommentare
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 16.01.2016 | 19:19  
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Kurt Battermann aus Burgdorf | 17.01.2016 | 10:18  
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Kurt Wolter aus Hannover-Bemerode-Kirchrode-Wülferode | 17.01.2016 | 12:43  
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Melanie Bardowa aus Viersen | 19.01.2016 | 23:18  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 20.01.2016 | 21:37  
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