Wir öffnen Türchen Nummer 10

Das Bild zeigt meine Freundin links und mich bei einer abendlichen Schneeballschlacht in den 1980er Jahren
Heuchelheim: Deutschland | Die Nachtwanderung

Ich nehme Euch jetzt einfach mal mit auf die Reise in die Vergangenheit. Wir sind in einem kleinen Ort am Fuße des Vogelsberg. Hier gab es schon früh den ersten Schnee. Die Kinder sind schon aufgeregt, denn heute wird es eine Winternachtwanderung geben. Schneeanzug, Mütze und die Moonboots anziehen. Moonboots, das waren diese plumpen Winterstiefel, in denen man kaum gehen konnte. Sie machten einen plumpen Gang und rennen konnte man fast nicht. Sie hingen einem schwer an den Füßen und hatten die grellsten Farben. Damals der moderne Stiefel, den jede kleine Dame haben wollte. Nun ja, er war warm und wasserdicht. Der Vater geht noch in den Keller die Fackeln holen. Auf geht es zum Treffpunkt. Mit mehreren Familien macht eine Nachtwanderung erst richtig Spaß. Im Alten Schulhof brennt ein kleines Lagerfeuer. Die ersten sind schon da. Es gibt Würstchen und heiße Getränke. Langsam gewinnt die Dunkelheit der Nacht den Abendhimmel.Die ersten Sterne sind zu sehen und der Mond schaut fast schüchtern hinter den kleinen Wolken hervor. Die Nacht ist winterlich kalt, sodas man seinen Atem sehen kann. Die Kinder hauchen in ihre von Handschuhen Geschütze Hände nur, um zu sehen, wer mehr Dampf machen kann. Bald fliegen die ersten Schneebälle und der ein oder andere trifft auch mal einen Erwachsenen. Diese zünden jetzt endlich die Fackeln am Lagerfeuer an. Das ist das Startsignal zur diesjährigen Winternachtwanderung. Der Weg führt aus dem Ort. Vorbei an schneebedeckten Wiesen und Feldern. Der Schnee glitzert im Schein der Fackeln. Weit kann man nicht sehen, denn es ist schon recht dunkel. Am Wegesrand stehen vereinzelt Sträucher, die mit ihren Ästen scheinbar die Dunkelheit festhalten und alles Licht schlucken. Manch ein Erwachsener kann es nicht lassen und erzählt grusel Geschichten. Ab und zu hört man einen schrillen Schrei. Jemand hat an der richtigen Stelle der Geschichte einen Schneeball geworfen und eines der Kinder erschreckt. Es geht in Richtung Wald. Die Tannen lassen durch den Schnee ihre Äste hängen. Jetzt im Winter ist der Wald noch dunkler in der Nacht. Unter den Füßen knirscht der Schnee. Weiter, immer weiter geht die Gruppe auf den Wald zu. Da wohnt der Wolf, der Wehrwolf ergänzt ein erwachsener Mann. Gleich bekommt er einen Stups einer Mutter. Ihr Blick lässt den kalten Winter warm erscheinen, und der Mann hört sofort auf mit den Gruselgeschichten. Im Wald liegt ein kleiner Teich. Er ist gefroren aber keiner wagt es, ihn schon zu betreten. Noch gab es nicht genügend kalte Nächte um ihn sicher gefrieren zu lassen. Die Erwachsenen wissen, dass der Teich von fließendem Wasser gespeist wird und somit länger braucht, um wirklich sicher gefroren zu sein. Die Kinder betteln doch keines wagt den Schritt aufs Eis. Ein andermal gehen wir zusammen Schlittschuhfahren verspricht dann ein Vater. Der Jubel ist groß, denn man kennt diese Schlittschuhtage. In den Bäumen des Waldes hört man den Ruf einer Eule. Nein es ist ein Käuzchen. Ein alter Mann macht den Ruf nach. Komm mit, komm mit, sie ruft die Seelen. Heute Nacht stirbt jemand, sagt er dann auch noch. Wieder rücken die Kinder enger zusammen. Erst die Geistergeschichte, dann der Wolf und jetzt auch noch der Kauz auf Seelenfang. Einer sagt nur noch:,, Heute gibt es keinen Schlaf.'' und kichert leise. Weiter geht durch den Wald zurück ins Feld, Richtung Dorf. Die Wolken sind fast nicht vorhanden und die Sterne funkeln am Winterhimmel.
Zurück im alten Schulhof gibt es dann noch was zum Aufwärmen. Noch das ein oder andere Gespräch unter den Erwachsenen dann gehts nach Hause. Müde aber zu aufgeregt um gleich zu schlafen gehen die Kinder zu Bett. Eine gemeinsame Nachtwanderung im Advent.
Gemeinsam etwas erleben, sei es in der Familie oder sogar in einer Gemeinschaft hinterlässt immer Erinnerung. Erinnerung, die man einfach an die nächste Generation weiter geben kann, indem man es einfach selber macht. Also, wenn Euch die Geschichte gefallen hat, dann klingelt mal beim Nachbar und verabredet Euch zu einer Nachtwanderung. Viel Spaß und eine schöne Adventzeit.
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