Endlich ein Gutachter gefunden: Sportausschuss diskutierte über die Kletterhalle in Döhren

Bald Richtfest: Die Kletterhalle an der Peiner Straße wächst langsam in die Höhe.
Hannover: Döhren | Vielleicht öffnet die neue Kletterhalle des Deutschen Alpenvereins (DAV) an der Peiner Straße doch noch in diesem Jahr ihre Pforten. Zwischenzeitlich hat die Stadt endlich einen Spezialisten gefunden, der in der Lage ist, Kletterhallen zu beurteilen. Das berichtete Stadtplaner Dr. Hans-Heiner Schlesier in der jüngsten Sitzung des Sportausschusses am heutigen Nachmittag (12. September). Schlesier geht er davon aus, dass der Kletterbetrieb wie ursprünglich geplant noch aufgenommen werden kann.

Der Sportausschuss des Rates hatte das Thema auf seine Tagesordnung gesetzt und von der Verwaltung eine Stellungnahme gefordert. Während draußen Mitte September das Quecksilber im Thermometer wie im Hochsommer nach oben kletterte, musste im relativ kühlen Hodlersaal im Neuen Rathaus Hans-Heiner Schlesier auch für seine Kollegen aus dem Fachbereich Bauordnung Rede und Antwort stehen und die Verwicklungen und bürokratischen Hemmnisse bei dem Projekt Döhrener Kletterhalle erklären.

Kopfschütteln bei den Ratsmitgliedern erregte vor allem das Verfahren um die Begutachtung des Sicherheitskonzeptes. Der Deutsche Alpenverein in München – normalerweise die fachliche Kapazität auf diesem Gebiet – wurde von der Verwaltung als Gutachter abgelehnt, weil die Sektion Hannover des DAV die Kletterhalle betreiben will. „Nicht genügend unabhängig“, hieß es deshalb aus dem Rathaus. Das Problem: Die Bauverwaltung konnte erst einmal keinen anderen Gutachter finden, der das Konzept unter die Lupe hätte nehmen können. Die Kletterhalle schien vor dem Aus zu stehen, noch bevor der erste Sportler darin einen Klimmzug getan hat. „Die Gutachterdichte ist hier nicht sonderlich hoch“, räumte Schlesier ein. Ratsherr Mark Bindert dazu: „Grüße aus Absurdistan!“

Die Schuld an den ganzen Verwicklungen schob die Bauverwaltung auf das Land Niedersachsen. Ein Erlass des Sozialministeriums – Aufsichtsbehörde in Bausachen – schreibe, so Dr. Hans-Heiner Schlesier, eben seit acht Jahren derartige Gutachten zum Sicherheitskonzept vor. Was Schlesier nicht sagte: Der Erlass bezieht sich gar nicht auf von Sportvereinen betriebene Kletterhallen, sondern hat Hochseilgärten und ähnliche kommerzielle Kletterangebote zum Gegenstand. Und zwischen derartigen Einrichtungen und der Kletterhalle des DAV liegen Welten. Was weiter ebenfalls nicht gesagt wurde: Die hannoversche Bauverwaltung hat von sich aus beim Ministerium nachgefragt, ob sie denn den Hochseilgärten-Erlass auch auf diese Kletterhalle anwenden solle. Erst da bekam sie dann ein schlichtes „Ja“ zur Antwort. Fazit: Wer dumm fragt, der bekommt auch …

Einige Mitglieder des Sportausschusses wussten von anderen Kletterhallen, die ohne gesonderte Überprüfung des Sicherheitskonzeptes von den dort zuständigen Behörden genehmigt wurden. Die Frage nach dem Warum blieb im Kern unbeantwortet im Raume stehen. Dr. Hans-Heiner Schlesier, unter anderem auf die universitätseigene Kletterhalle angesprochen: „Die hat sich das Land wohl selbst genehmigt.“
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