Skyros entdecken

    Skyros (Griechenland): Skyros |

Die Insel Skyros ist bei deutschen Urlaubern bisher relativ unbekannt und damit ein Geheimtipp. Das ist ein Vorteil, denn Skyros ist eine griechische Insel im Ägäischen Meer mit reicher Geschichte, großartigen Landschaften und die größte und vielleicht ruhigste Insel der nördlichen Sporaden. Ihre Bewohner pflegen ihre alten Traditionen und religiöse Bräuche bis heute. Diese Ursprünglichkeit entdecken zu dürfen, ist ein Vorzug für Reisende, die es aus guten Gründen auf Inseln zieht, die nicht von Touristen überlaufen sind.

Die Anreise nach Skyros erfolgt am einfachsten mit einem Anschlussflug entweder über den Flughafen von Athen oder den Flughafen von Thessaloniki. Wer von Athen aus über die mit Brücken verbundene Insel Evia (Euböa) mit einem Mietwagen anreist, nimmt ab dem Hafenort Kimi eine Fähre nach Skyros. Wir sind mit Olympic Air von Athen nach einer Flugdauer von nur 40 Minuten auf dem im Norden der Insel gelegenen Flughafen der Insel gelandet. Je nach Saison finden die Flüge an drei oder vier Tagen in der Woche statt. Wenn keine Zivilflugzeuge verkehren, ist der Flughafen auch Militärflughafen und befindet sich deshalb auf einem abgesperrten Gelände.

Über eine gut ausgebaute Straße sind es rund 15 Kilometer bis zum Hauptort Skyros-Stadt. Es gibt bei Ankunft der Flugzeuge einen Linienbusverkehr, auch Taxis oder man trifft vorab eine Vereinbarung mit dem Vermieter zur Abholung. Während der Fahrt stellt man fest, dass der Norden „grün“ ist, etliche Flächen sind oder waren landwirtschaftlich genutzt. Am Straßenrand sieht man blühenden Oleander, Feigenbäume, weißgetünchte Kapellen und etwas abseits verlassene Gebäude, die auch früher nur zeitweilig bewohnt waren. Sie wurden gebraucht als Unterkunft für die Leute, die auf den vom Zuhause weit entfernten Feldern arbeiteten, denn die Wege um mit Pferd, Muli oder Esel täglich zum Feld zu kommen, waren zu weit.


Es ist ein Erlebnis, wenn der Hauptort von Skyros, Chora, zum ersten Mal zu sehen ist. Die kleine Stadt zieht sich vom Meer abgewandt, ansteigend einen steilen Berghang hoch, dem Ausläufer des Olympos Gebirges. Die weißen Häuser der Altstadt im kykladischen, kubischen Baustil bilden ein beeindruckend malerisches Bild. Auf dem Berggipfel befindet sich der imposante Kastro Bereich. Ursprünglich befand sich dort seit dem 4. Jahrhundert eine Akropolis. Das Kastro unterlag vielen Veränderungen durch wechselnde Herrscher bis zu den Venezianern und durch Naturgewalten wie Erdbeben in verschiedenen Jahrhunderten. Nach dem letzten Erdbeben von 2001 ist das Kastro für Besucher gesperrt. Im Eingangsbereich des Kastros stehen wir im Klosterhof des im Jahr 895 gegründeten Klosters Aghios Georgios Skyrianos. Der Heilige Georg ist nicht nur der Schutzheilige der Inselbewohner sondern auch der Schutzheilige von Griechenland. Der Klosterhof ist ein idyllischer Ort, der Aufstieg durch das Gewirr der Gassen der Altstadt lohnt sich.


Bei Anwesenheit des einzigen Mönchs, der seit vielen Jahren im Kloster auf Skyros lebt, ist auch die ehrwürdige Klosterkirche, die 960 erstmalig erwähnt wird und auch vielen Veränderungen unterlag, zugänglich. Die Kirche ist kostbar ausgestattet mit einer vergoldeten Ikonastase, zahlreichen Ikonen und Fresken und kunstvollen, inseltypischen Holzschnitzereien. Sie wurde erst vor kurzer Zeit der Öffentlichkeit nach jahrelanger Renovierung wieder zugänglich gemacht. Nahezu atemberaubend ist der Ausblick von einer Terrasse des Klosters auf die Klosterkirche, das Kastro oberhalb, dessen hohe Mauern aus dem Fels zu wachsen scheinen, den malerischen Ort mit seinen Häusern, der Hauptkirche Panagia Melikarou den zahlreichen Kapellen und ebenso der Blick auf die umliegenden Berge, das tiefblaue Meer und die Strände. Der streng wirkende, aber doch gesprächige Mönch, erzählt von der Geschichte und Ausstattung des Klosters und unter anderem davon, dass viele Menschen auf Skyros geweint haben, als nach Abschluss der Renovierung erstmals wieder die Glocken der Klosterkirche geläutet haben. Das Kloster und die Verehrung des Heiligen Georg haben eine große Bedeutung für viele Inselbewohner.

Beim Abstieg durch die Gassen kommt man am Heimatmuseum vorbei, das im typischen Inselstil eingerichtet ist, mit vielen Gegenständen, die die Bewohner von Skyros, die oft Seeleute waren, von ihren Reisen mitgebracht haben. Durch die verkehrsfreie Hauptgasse von Skyros, an der viele Restaurants, Cafés, Eiscafés und zahlreiche Mode- Schmuck- und kunstgewerbliche Geschäfte liegen, geht es zum belebten Hauptplatz an dem das Rathaus steht. Der im Mai 2014 bei der Kommunalwahl ins Amt gelangte junge Bürgermeister Miltos Chatzigiannakis sieht zu Recht gute Chancen für die sanfte und ökologische Weiterentwicklung des Tourismus auf Skyros und setzt sich dafür und das Wohl der Inselbewohner sehr ein. Er weist daraufhin, dass durch die Gastfreundschaft der Skyrer, die bewahrte Tradition und die vielen landschaftlichen Schönheiten der Insel vom grünen gemäßigten Norden bis in den gebirgigen „wilden“ Süden, Skyros eine Besonderheit darstellt, die er schützen und unbedingt auch außerhalb Griechenlands bekannt machen möchte.

Er weist auch darauf hin, dass es auf der landschaftlich reizvollen Insel zahlreiche Wandermöglichkeiten gibt. An unterschiedlichen Orten gibt es zur Zeit acht markierte Wanderwege, die in besonders reizvoller Landschaft angelegt wurden, wobei man teilweise auch auf alte Hirtenwege zurückgegriffen hat, andere führen an historischen Kapellen vorbei, wo noch heute von den Einwohnern der Feiertag des jeweiligen Heiligen gefeiert wird. Zwei der Wege sind besonders für „Birdwatcher“ geeignet, da sie durch Feuchtgebiete führen und man auf Skyros seltene Vögel beobachten kann. Dazu gibt es Informationen und Kartenmaterial bei der Tourismusbehörde.

Wir machen in Chora noch einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt mit dem Denkmal für den auf der Insel Skyros 1915, während des I.Weltkriegs, in einem Olivenhain im Südwesten der Insel beerdigten jungen, patriotischen, englischen Dichter Rupert Brooke. Stadtnah und auch nördlich von Skyros Stadt bei Molos gibt es eine Reihe von Stränden. Malerisch in Strandnähe bei einer restaurierten Mühle kann man zwei Kapellen sehen und wenn man den Standort richtig wählt, auch noch gleichzeitig eine dritte Kapelle, die sich auf einer vorgelagerten Insel Vrykolakonisi befindet. Besonders interessant ist die fast auf dem Strand stehende, aus einem Felsen geschlagene Kapelle St. Nikolaos, die zum Gebet, Kerzen anzünden oder Besichtigen geöffnet ist.

Eine Besonderheit auf Skyros sind die Skyros-Pferde. Es ist eine indigene Pferderasse, die nur auf Skyros überlebt hat. Die kleinwüchsigen Pferde haben eine Höhe von 0,95 bis 1,16 m. Weltweit gibt es noch 300 dieser Pferde, auf Skyros sollen es 200 Tiere sein, die auf der Insel kontrolliert gezüchtet werden. Früher wurden diese Tiere von den Einheimischen für die Feldarbeit benötigt. Heute kann man die kinderfreundlichen und intelligenten Tiere auf verschiedenen Bauernhöfen und bei Privatleuten sehen. Seit 2014 findet auf der Insel jährlich ein besonderes Skyros Pferde Festival statt. Auf der Insel Skyros gibt es verschiedene, gute Übernachtungsmöglichkeiten in Hotels, Pensionen, Privatzimmern und Ferienwohnungen. Wir haben uns im komfortablen Nefeli Hotel, Skiros Resort, nur wenig außerhalb der Chora, wohlgefühlt. Das Hotel Ammos in Magazia ist neben zahlreichen anderen Unterkünften auch eine gute Adresse. Wichtig für Urlauber ist, dass es fünf Anbieter von Mietautos und Anbieter für den Verleih von Fahrrädern und Motorrädern gibt, damit man auf der Insel mobil ist. Im Juni 2015 war die Gastfreundschaft auf der Insel Skyros vorbildlich. Es gibt keinen Anlass, besorgt zu sein, dass deutsche Gäste unerwünscht seien. Bei Gesprächen mit Bewohnern der Insel stellte sich heraus, dass der Tourismus, auch mit dem Ausland, für den Wohlstand der Insel eine wichtige Voraussetzung ist und die Menschen auf Skyros sind sich dessen bewusst.
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1 Kommentar
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Romi Romberg aus Berlin | 19.07.2015 | 00:38  
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