Skydiver auf Expansionskurs: Neue Pläne zum Ausbau des Sprungzentrums auf der Breitscheider „Hub“

Die Fallschirmsportler von „Skydive Westerwald“ sind der größte Frequenzbringer auf dem Breitscheider Flugplatzt. 40 Prozent aller Flugbewegungen hier gehen auf ihre Kappe. (Foto: Sven Vollert)
 
Der Verkehrsflugplatz auf der „Hub“ verfügt über eine hervorragende Infrastruktur. Ein Ausbau des dortigen Sprungzentrums könnte ihm zusätzlichen Schub verleihen. Am Rande der L 3044 möchten die Fallschirmspringer ihr neues Sportzentrum errichten (Pfeil). (Foto: Michael Wagner)
Sehen wir mal über die dümmliche Überschrift in der Tagespresse, der zufolge die Fallschirmspringer auf der Breitscheider „Hub“ heimisch werden wollen, hinweg. Sie sind es seit Jahren. Mehr noch: Die Skydiver bilden längst eine der tragenden Säulen des Verkehrslandeplatzes, generieren so viele Flugbewegungen wie sonst niemand hier. Und: Sie haben ihre „Dropzone“ am Rande der Landesstrasse zum größten Sprungzentrum in Mittelhessen ausgebaut. An keinem andren Ort der erweiterten Region regnet es so viel bunte Farbtupfer vom Himmel.
Fakt ist, den Freifallern wird es in ihrem bisherigen Domizil, einem Provisorium, zu eng. Sie nutzen Teile des früheren Hotels sowie einige Container und Behelfsbauten, die von Anfang an nichts anderes als eine Verlegenheitslösung darstellten. Aber nachdem der Sportbetrieb hier in den vergangenen Monaten und Jahren förmlich „explodiert“ ist, muss was Solides her. Von einer „Garage“ für das neue Absetzflugzeug, einer 20 Personen fassende Cessna „Supervan“, mal ganz abgesehen. Der stattliche Vogel passt ob seiner imposanten Spannweite in keinen der hiesigen Hangars und muss jeweils auf dem nahegelegenen Siegerlandflughafen zwischengeparkt werden. Was zusätzliche Kosten für Transfer und Unterbringung verursacht.
Und weil das so ist, möchten die ambitionierten „Himmelstaucher“ hier endlich etwas Eigenes aus dem Boden stampfen: ein modernes Funktionsgebäude mit Packstation, Aufenthaltsräumen, Lagerkapazitäten für das Equipment sowie Unterstellmöglichkeit für‘s teure Flugzeug inklusive. Entsprechende Pläne eines Architekten liegen längst auf dem Tisch. Aber jetzt braucht man/frau die Unterstützung der Gemeinde, weil die Realisierung dieses ehrgeizigen Projektes eine entsprechende Änderung des aktuellen Flächennutzungsplanes erfordert. Auch muss ein entsprechender Bebauungsplan aufgestellt werden. –

Positive Signale aus dem Rathaus

Die Gemeindeväter scheinen dem Ansinnen der Schirm-Athleten in ihrer Mehrheit aufgeschlossen gegenüber zu stehen, wie sich in der jüngsten Parlamentssitzung gezeigt hat. Auf eine erste Anfrage hin hatte der Ältestenrat bereits im Mai dieses Jahres positive Signale ausgesendet. Darüber wird in den kommenden Wochen in den einschlägigen Gremien noch detaillierter zu beraten sein. Das Projekt beinhaltet für die Kommune noch eine weitere, wichtige Komponente. Angenehmer Nebeneffekt: Am und in der Nähe des Flugplatzes ließen sich gleich noch zusätzliche Gewerbeflächen ausweisen, an denen es in Breitscheid ja inzwischen fehlt. Dadurch könnten zusätzliche Arbeitsplätze und Steuereinnahmen generiert werden. Auch würde eine Ausweitung des an den Sprungplatz grenzenden Areals als Abstellfläche für Campingmobile durchaus Sinn machen. Auch aus touristischer, fremdenverkehrspolitischer Sicht ist der Flugplatz ja nicht ganz uninteressant – für Auswärtige wie für Einheimische.
Das alles will gut überlegt und durchdacht sein, doch zumindest aus Sicht der Springer steht der Faktor Zeit nicht unbegrenzt zur Verfügung. Man brauche für eine solide, verbindliche Zukunftsplanung eine möglichst zeitnahe Entscheidung, „damit wir wissen, was auf uns zukommt und worauf wir uns einzustellen haben“, sagt Vorsitzender Chrissi Richter. Man rede hier nicht von und über Peanuts. Das Investitionsvolumen bezifferte der Heiligenborner mit zwischen 300.000 und 500.000 Euro. Die wollen erst mal gestemmt werden. Davon hängt auch die weitere Entwicklung des Vereins, auf dessen Konto mittlerweile über 40 Prozent der am Platz registrierten Starts und Landungen gehen, ab.

„Wir möchten schon gerne in Breitscheid bleiben"

Um sich abzusichern, halten die Skydiver deshalb natürlich nach Alternativen Ausschau. Eine solche wäre der Siegerlandflughafen, wo sie seit zwei Jahren bereits einen „Außenposten“ betreiben. Die dortige Flughafen GmbH würde einen solchen Frequenzbringer natürlich mit Kusshand willkommen heißen. „Doch wenn es sich nur irgendwie bewerkstelligen lässt, möchten wir unseren sportlichen Lebensmittelpunkt schon ganz gerne in Breitscheid behalten“, sagen Chrissi Richter und sein Vorstandskollege Thomas Schönecker.
„Skydive Westerwald“ ist jedoch nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Flugplatzgefüge, sondern auch in sportlicher Hinsicht auf der Höhe der Zeit. Zahlreiche überregionale Titelgewinne, so bei Deutschen Meisterschaften, zeugen davon. Die Folge: Eine mehr oder weniger mediale Dauerpräsenz, auch televisionär. Der Name Breitscheid taucht auf allen Kanälen auf.
Und in der inzwischen zu Ende gegangenen Saison haben die gut beschirmten Luftsportler ihre Schlagzahl noch mal erhöhen können. Nicht weniger als 9.600 Absprünge weist die Vereinsstatistik aus. Im Jahr zuvor waren es 7.365 „Hüpfer“ gewesen, was einer nochmaligen Steigerung um über 30 Prozent entspricht. Das Ergebnis einer kontinuierlichen Aufbau- und Öffentlichkeitsarbeit sowie einer geschickten Marketingstrategie. Diese Zahl ist nicht nur hausgemacht. Sportspringer aus allen Teilen Deutschlands und des benachbarten europäischen Auslandes fühlen sich auf der „Hub“ gut aufgehoben und wohl. Als Sprungzentrum spielt die Stätte längst in der ersten Bundesliga.

9.600 Sprünge, inklusive 1.500 Tandems in der Saison 2015

In der Zahl von 9.600 sind nicht weniger als 1.500 Passagiersprünge (gegenüber 1.300 in 2014) enthalten. Breitscheid gilt als Mekka des Adrenalin-lastigen Tandemspaßes. Wenn man bedenkt, dass jeder Sprunggast jeweils mindestens von einer Begleitperson (meist sind es jedoch mehrere) eskortiert wird, lässt sich ermessen, welche Sogwirkung diese Angebote entfalten und was das für den Fremdenverkehr bedeuten kann. Der überwiegende Teil der erlebnishungrigen Besucher kommt aus dem Rhein-Main-.Gebiet. Da ist das Ende der Fahnenstange, bzw. das des Windsacks noch längst nicht erreicht. Da steckt noch viel Potential drin.
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