Eine Luftfahrtlegende: Auch mit 80 fühlt sich Walter Eichhorn am Himmel immer noch am wohlsten

Walter Eichhorn wie er leibt und lebt: Im Cockpit eines Flugzeugs fühlt sich der Ausnahmepilot aus Bad Camberg immer noch am wohlsten. (Foto: Privat)
 
Der Jubilar und seine Flamme: Walter Eichhorn ist der Mann mit den Welt weit meisten Flugstunden auf dem legendären WK-II-Jäger Bf 109. Darin wirkte er in vielen Filmen mit. (Foto: Privat)
 
Walter Eichhorn feiert seinen 80. Geburtstag. Die Anforderungen des extremen Fliegens haben den Jubilar jung gehalten. (Foto: Privat)
Der Mann gilt schon zu Lebzeiten als Legende. Ein Ausnahmepilot, der unbestritten zu den schillerndsten Figuren am Himmel Europas zählt. Einer, der, man kann es ruhig so sagen, ein Stückchen Luftfahrtgeschichte geschrieben hat. Und das tut er ja irgendwie immer noch: Walter Eichhorn. Der der drahtige Stiftekopp ist einfach unverwüstlich.
Am 20. Juli hat der Bad Camberger eine Acht vor die Null gesetzt und feierte seinen 80. Geburtstag. Ja, richtig gelesen, den 80.! Die tägliche Herausforderung des extremen Fliegens hat den Luftikus jung gehalten. Reflexe und Reaktionsvermögen entsprechen denen eines 25-Jährigen. In einem Alter, im dem andere in der Sonne dösen oder mit dem Rollator durch die Fußgängerzonen heizen, turnt der in Ehren ergraute Tausendsassa immer noch unverdrossen am Himmel herum. Wobei die Betonung auf "turnen" liegt. Zum Fußgänger ist der Mann, der wesentlich jünger aussieht, als es seine Geburtsurkunde glauben machen will, nun mal nicht geboren – und zum Geradeausfliegen erst recht nicht. Gemeinsam mit seinem Junior bildet der gebürtige Jeveraner ein europaweit gefeiertes Acro-Team. Der Formationskunstflug der beiden, ausgeführt mit zwei EXTRA's 330 LT, gehört in dieser Präzision zu den Top-Acts einer jeden Airshow.

Der Aero-Zauberer mit dem weißen Schal

Aber auch Solist ist Tonis "alter Herr", der (fast) nie ohne den für ihn charakteristischen weißen Schal ins Flugzeug klettert, eine Klasse für sich. Mag sein, dass er im Laufe der Jahre weiser geworden ist, leiser aber jedenfalls nicht. Von seiner alten röhrenden Liebe, die niemals rostet, vermochte er sich, als 2013 der Wechsel auf ein neues Flugzeugmuster anstand, nämlich nicht zu trennen. Die "olle" North-American T6, Baujahr 1942, war und ist einfach noch zu gut in Schuss, um ausgemustert zu werden. Das gilt auch für ihren Piloten, der schlappe sechs Jahre älter ist als sein gewichtiger 600-PS-Bolide. Und deshalb steigt der Walter nach wie vor bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Cockpit der geschätzten Foxtrott-Hotel-Golf-Kilo. Schließlich hat der Brummer ihn ein gutes Stück seines Lebens treu und zuverlässig durch die Lüfte getragen. So etwas verbindet.
Gemessen an den kapitalen Oschis“, mit denen der frühere Lufthansa-Kapitän in seiner aktiven, 30 Jahre währenden Kranich-Zeit rund um den Globus jettete, ist der dunkelblau-orange-lackierte 2,4-Tonner ein Fliegengewicht. Ob DC-10, Boeing 737, Airbus 300 oder Jumbo-Jet, Eichhorn hat sich durch den kompletten Typenbestand des großen deutschen Carriers gearbeitet. Diese Airliner waren jedoch nur eingeschränkt kunstflugtauglich…. Aber darauf lief es eigentlich für ihn von Anfang an hinaus.

Erfolge, Rekorde, Filmrollen

Ehrgeiz Können, Talent, Erfahrung, Kreativität, Experimentierfreudigkeit, und Mut haben ihn zu einer Flieger-Persönlichkeit reifen lassen, an der sich Generationen von Piloten orientieren und die sie sich zum Vorbild nahmen und nehmen. Eichhorn, der stets hundert Prozent und mehr gibt, ist eine absolute Ausnahmeerscheinung unter seinesgleichen. Respekt und Hochachtung sind ihm auf jedem Airfield sicher. Und er hat sich das verdient, ohne es eigentlich jemals darauf angelegt zu haben. Er ist trotz aller Erfolge und Rekordleistungen bescheiden geblieben. Die Bodenhaftung verliert der Camberger nur, wenn er im Flugzeug sitzt und den Steuerknüppel in die Hand nimmt.
Würde er sich entschließen, ein Buch über sein abenteuerliches Leben zu schreiben, dabei heraus käme ein ebenso spannender wie dicker Wälzer. Längst hat Walter E. aufgehört, seine Flugstunden zu zählen. Er beließ es beim Stand von 30.000. Und das ist jetzt auch schon viele Jahre her. So richtig begonnen hatte für ihn alles in den frühen "Sixties" – und zwar in Kanada. Dorthin war der schlaksige Jüngling ausgewandert, weil es zu diesem Zeitpunkt für Deutsche daheim nicht möglich war, die Fluglizenz zu erwerben. Das Geld für selbige verdiente sich der gelernte Schlosser im Ahorn-Staat als Lkw-Fahrer und -Nebenerwerbs-Schrauber. Die Kohle reichte für ein paar Flug- und Lehrstunden mit einer „Fleet Canuck“, einem zweisitzigen Leichtgewicht aus kanadischer Produktion. Den „Schein“ hatte der ambitionierte Aero-Lehrling dann in Rekordzeit in der Tasche. Und es dauerte nicht lange, da fiel er bereits paar Sprossen auf der aerodynamischen Leiter nach oben und machte sein Hobby zum Beruf. Auch als Absetzpilot der kanadischen Fallschirmnationalmannschaft war Eichhorn bald schon unentbehrlich.

Die Liebe seines Lebens ist die T 6

Sein erstes eigenes Flugzeug war bezeichnenderweise eine T6. Der Kaufpreis entsprach dem Betrag, für den man damals in Deutschland zwei VW-Käfer bekam. Das Flugzeug war mit einem Fallschirm ausgerüstet. Walter Eichhorn wollte im Selbstversuch ausprobieren, wie dieses Rettungsgerät funktionierte. Auf den Geschmack gekommen, versuchte sich der junge Mann dann in Folge selbst als Skydiver und gründete, zurückgekehrt nach Deutschland, die nach ihm benannte Erfolgsequipe "Walters Vögel". Dieses verwegene Team flog 1972 die erste aus zehn Springern bestehende Sternformation, was zu damaligen Zeiten als Sensation galt und gleichzeitig den Europarekord bedeutete. In Folge (1973,1974 und 1975) holten die "schrägen" Vögel dreimal WM-Bronze. Doch auf Dauer erschien es dem damaligen LH-Kapitän sinnvoller, an Bord eines Flugzeugs zu verbleiben, statt aus selbigen herauszuspringen.
Als Sohn eines Luftwaffenoffiziers hatte Klein-Walter seine ersten neun Lebensjahre auf dem Fliegerhorst in Jever verbracht. Das muss eine prägende Zeit gewesen sein, in der die Keimzelle für die spätere Fliegerleidenschaft gelegt wurde. Jagdflugzeuge vom Typ Bf 109 waren für den Knaben damals ein alltäglicher Anblick. Viele Jahrzehnte später sollte er weltweit derjenige sein, der als Test- und Erprobungspilot über die meisten Nachkriegs-Erfahrungen und Flugstunden auf und mit diesem Muster verfügte und anderen das kleine Einmal-Eins beibrachte, um die wenigen noch verbliebenen (restaurierten) Exemplare dieser anspruchsvollen Maschine beherrschen zu können.

Top-Gun-Freundschaft: Glückwunsch von Tom

Die Vertrautheit mit dem Messerschmitt-Jäger brachte dem Mann zahlreiche Filmrollen ein. So wirkte er 1988 in dem aufwändig inszenierten Kriegsfilm "Memphis Belle mit" und flog die „Me“ u.a. auch in der britischen Fernsehserie "Peace of Cake". Da war er allerdings der Böse. Schließlich, anno 2007, eskortierte Eichhorn mit einer 109 das Flugzeug des Führers, und zwar in dem Blockbuster "Valkyrie", in dem Tom Cruise den Hitler-Attentäter Graf von Stauffenberg spielte. Mit dem US-Star verstand sich der Haudegen aus dem Hessischen auf Anhieb. "Top-Gun" Pete „Maverick“ Mitchell ist ja im realen Leben selbst ein ambitionierter Pilot. Dass der Jahrestag des Attentats in die Zeit der Dreharbeiten fiel, war Zufall. Und weil der Fliegerkollege an genau diesem Tag auch sein Wiegenfest beging, spendierte Tom Cruise ihm damals eine riesige Buttercremetorte. Ob „Ethan Hunt“ auch dieses Jahr an Walter Eichhorns Geburtstag denkt? Mission possible!
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1 Kommentar
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Rainer Bernhard aus Seelze | 28.08.2016 | 21:30  
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