Die „Alten Adler“ sind gelandet: Mit Baumaterial für umgerechnet 60 Euro das erste Flugzeug selbst zusammengebastelt

Die Internationalen Großflugtage haben Breitscheid in ganz Deutschland und im benachbarten europäischen Ausland bekannt gemacht. Dieses Foto stammt aus dem Jahre 1984. Die Patrouille de France war wiederholt auf der „Hub“ zu Gast. (Foto: Dieter Gerhard-Archiv)
 
Zusammen viele tausend Flugstunden sowie über 300 Mitgliedsjahre auf den Holmen: (v.l.n.r) Helmut Martin (77), Gründungsmitglied Klaus Weiß (79), Heini Daub (89), Gründungsmitglied Joachim Bärwald (83) Kurt Thielmann (78) und Fritz Klein (86). (Foto: LSG)
BREITSCHEID – Die (alten) Adler sind gelandet. Als solche pflegen die Breitscheider Luftsportler liebe- und respektvoll ihre Veteranen zu bezeichnen, die sie jährlich einmal zu einem geselligen Beisammensein ins Clubheim bitten, um mit ihnen bei Speis und Trank über alte glorreiche Fliegerzeiten zu schwadronieren. 40 Gäste (bessere Hälften inklusive) hatten diesmal der Einladung von „Maitre de Plasir“ Oskar Deppe Folge geleistet und verbrachten gesellige Stunden im LSG-Hauptquartier.

Da waren schnell viele, viele tausend Flugstunden, die Aero-tiker i.R. im Laufe ihrer aktiven Zeit angehäuft hatten, beisammen. Miles & More. Ja, und so ein bisschen Fliegerlatein darf ja bei solchen Gelegenheiten durchaus auch gesponnen werden. Aber nicht übertreiben!

Per Hand die Bombenkrater zugeschippt

Einige der betagten, aber noch sehr rüstigen Pioniere hatten einst, als es galt, die von den Amerikanern zerbombte Hub für den zivilen Flugbetrieb her zu richten, noch eigenhändig die Kraterlöcher zugeschaufelt und so die Voraussetzung dafür geschaffen, dass sich hier ein Flugsportverein etablieren konnte. Das war anno 1952 gewesen, als die Geburtsstunde des heute so prosperierenden Verkehrslandeplatzes schlug. Im zweiten Weltkrieg hatte das als Jungviehweide getarnte Gelände der Deutschen Luftwaffe als Einsatzhafen gedient, – ebenso wie die Lipper Höhe, der heutige Siegerland-Flughafen, und das Aerodrom in Ailertchen. In Breitscheid waren auch 30 Maschinen des legendären Typs Me (oder korrekterweise Bf) 109 stationiert.
Die „Hub“ diente der Luftwaffe früher als Feldflughafen
Dies zwar nur für wenige Wochen, aber es reichte, die konzentrierte Aufmerksamkeit des Gegners auf sich zu ziehen. Bei einem Bombenangriff amerikanischer Verbände im März 1945 gab es zahlreiche zivile Opfer zu beklagen. Daneben starteten von hier aus auch die moderneren Focke-Wulf Fw 190 sowie, allerdings erst in den letzten Kriegstagen und als letztes Aufgebot, modifizierte und früher als Sturzkampfbomber verwendete Ju 87 (Stuka) einer Nachtkampfstaffel. Sogar jener „Fieseler Storch“, mit dem ein Spezialkommando der Wehrmacht am 12. September 1943 am Gran Sasso d'Italia in den italienischen Abruzzen den dort festgesetzten italienischen Diktator Benito Mussolini befreit hatte („Unternehmen Eiche“) stand, wie sich Lokalhistoriker erinnern, für ein paar Tage auf der „Hub“. Die Maschine war, als Dank des „Duce“, mit dessen persönlichem Wappen „verziert“.

Lange Airshow-Tradition

Aber mit all diesen (unsäglichen) Ereignissen hatten die heutigen „grauen Panther“ der LSG nix am Hut, kennen sie zum Teil nur vom Hörensagen. Ihr Ding war die militärische Fliegerei sowieso nicht. Sie wollten sich, eben Adlern gleich, in Frieden in die Luft erheben; ihnen ging es immer auch um den völkerverständigenden Gedanken der Luftfahrt. Heute geben sich die Feinde von einst in bester Kameradschaft in Breitscheid die Steuerknüppel in die Hand - beispielsweise immer dann, wenn wieder einmal eine große Airshow ins Haus steht. Eine solche ist ohne Unterstützung der früheren Alliierten nämlich kaum realisierbar. Nicht nur die bereits Ende der 50-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begründete lange Tradition der Großflugtage, deren Genehmigung man sich nicht selten höchstrichterlich erkämpfen musste, sondern auch die Erfolgsgeschichte des Airports an und für sich ist somit auch ein Mitverdienst der Vereinsgründerväter. Mit einem für umgerechnet 60 Euro Materialkosten selbst zusammengeflickten Flugzeug waren sie einst in eine große und spannende Zukunft gestartet. Heuer ist die Luftflotte natürlich um einiges stattlicher.

Mit Klaus Weiß und Joachim Bärwald feierten auch zwei LSG-Gründer mit

Die Gründungsmitglieder Klaus Weiß (79 und heute noch in der Luft) und Joachim Bärwald (82) können sich noch sehr gut an diese entbehrungsreiche Zeit erinnern. Sie sind seit 62 Jahren und verdrossen mit im Boot und haben dem Verein in guten wie in schlechten Zeiten die Treue gehalten. Heini Daub ist mit seinen 89 Lenzen der Methusalem unter den LSG-Senioren und auf der „Hub“ ein ständiger und gern gesehener Gast.

Was ihre Nachfahren und –folger so treiben, ist und bleibt für die „alten Herren“ von brennendem Interesse. So muss die ursprünglich für 2014 geplante Internationale Airshow zwar auf das Folgejahr verschoben werden, dafür ist die Luftsportgruppe aber Gastgeber vom 28. Juni bis 5. Juli Gastgeber der Hessischen Juniorenmeisterschaften im Segelfliegen (Club- und Standardklasse). Ende September geht dann an gleicher Stelle die Hessische Landesausscheidung des Bundesjugendvergleichsfliegens über die Bühne.
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