Der Siegerlandflughafen ist Südwestfalens Tor zur Welt: Wichtiges Drehkreuz, Wirtschaftsstandort und Ausflugsziel

Der Siegerlandflughafen von oben. Auf der 1620 Meter langen asphaltierten Hauptpiste können selbst „dicke Brummer“ problemlos landen und starten. (Foto: Skydive Westerwald)
 
Ein immer gern gesehener und bestaunter Gast: Die „Tante Ju“ der Lufthansa. (Foto: Elfi Jung)
 
Immer was los. Der Siegerland-Airport ist Anziehungspunkt für Jung und Alt.
Die Debatte folgt fast schon den Gesetzmäßigkeiten eines (politischen) Rituals. Der Siegerlandflughafen kommt mit (un)schöner Regel- bzw. Unregelmäßigkeit ins öffentliche Gerede. Waren es 2010 beispielsweise die Grünen, sind es aktuell die Liberalen, die sich unter dem Postulat, sorgsam mit des Steuerzahlers Groschen umgehen zu müssen, über den jährlichen Zuschussbedarf des Lufthafens echauffieren. Das führte in der jüngsten Kreistagssitzung wieder einmal zu einer (freilich hinter verschlossenen Türen geführten) Grundsatzdiskussion. Über eine Million Euronen muss der Kreis Siegen-Wittgenstein, der mit 85,4 Prozent an der Flughafen-GmbH beteiligt ist, jährlich für den Betrieb zuschießen. Und das ist, zugegeben, kein Pappenstiel. Aber vergleichbare Flughäfen in Deutschland hängen ebenso am öffentlichen Subventionstropf. Und die Philharmonie Südwestfalen tut es in beträchtlichem Maße ja auch. Darüber hinaus sollte man sich hüten, das betriebswirtschaftliche Defizit gegen den deutlich größeren volkswirtschaftlichen Nutzen, den der Airport der Region beschert, auszuspielen.
Auch wenn er (natürlich) nicht mit Rhein-Main, Köln-Bonn oder „FJS“ in München zu vergleichen ist, der dahingehend vergleichsweise kleine Flughafen nimmt einen wichtigen Platz im infrastrukturellen Gefüge der deutschen (und internationalen) Luftfahrt ein .Seine Bedeutung für das Dreiländereck basiert auch auf der Tatsache, dass er zwischen den Ballungsräumen Frankfurt, Köln und Dortmund die einzige Anbindung der Region an den Luftverkehr darstellt.
So bietet der mit 600 Meter über NN zweithöchst gelegene Airport Deutschlands gerade auch für Geschäftsreisende in Punkto Erreichbarkeit, Service und Benutzerfreundlichkeit (schnelle Abfertigung, kostenlose Parkplätze) eine echte Alternative. Ein modernes Instrumentenlandesystem (ILS) macht die Lipper Höhe mit ihren drei Landebahnen als Lufthafen „allwettertauglich“ und somit auch bei miesen Witterungsbedingungen anflieg- und nutzbar. Die 1620 Meterlange asphaltierte Hauptpiste ermöglicht auch Passagiermaschinen mit bis zu ca. 100 Sitzplätzen eine sichere „Niederkunft“.

2017 steht das 50-jährige Jubiläum an

Verantwortlich für den Betrieb ist die Flughafen GmbH, der Henning Schneider als Geschäftsführer vorsteht. Der prosperierende, 28 Kilometer südlich von Siegen gelegene Regionalflughafen, der 2017 als solcher sein 50-jähriges Bestehen feiern kann, hat sich, ganz nebenbei, auch zu einem beliebten Ausflugsziel gemausert. Für Motorrad- und Radfahrer ebenso wie für „normale“ Sommerfrischler“ und Sonntagsreisende. An schönen Tagen ist die (auch bewirtschaftete) Besucherterrasse vor dem Flughafenrestaurant, das eine exquisite Küche bietet, voll. Es sind Logenplätze. Von hier aus lässt sich das emsige Treiben am Boden und in der Luft bestens verfolgen. Das ist eine eigene Welt für sich, in der im übertragenen Sinnen viele kleine Zahnrädchen ineinander greifen. Und die Westerwälder Fallschirmsportler, die hier seit drei Jahren eine eigene „Dropzone“ betreiben, sorgen für zusätzliche Farbtupfer am Himmel und machen Appetit, es ihnen gleich zu tun, und sei es als Tandempassagier.
Während im nordöstlichen Bereich des Geländes zwei Flugsportvereine zu Hause sind, „parken“ in den großräumigen Hangars im Hauptbereich mehr als etwa 160 Flugzeuge und Hubschrauber: moderne und historische, außergewöhnliche und seltene. Vor allem die Oldtimerfraktion ist durch zahlreiche erlesene Exponate vertreten. Die Flugplatzfeste, die auf der Lippe regelmäßig veranstaltet werden, sind große Würfe, die Airport-Erlebnistage, während denen Interessierte einen Blick hinter die Kulissen werfen können, werden stark frequentiert.

25.000 Flugbewegungen pro Jahr

Im Durchschnitt werden auf „EDGS“, so der Internationale, für Siegerland gebräuchliche Identifizierungscode, 25.000 Flugbewegungen pro Jahr registriert. Davon entfallen etwa 60 Prozent auf den geschäftlichen Sektor. Und da wäre noch die nicht zu unterschätzende Bedeutung der Stätte als Wirtschaftsfaktor. Sie hat in den vergangenen Jahren nicht nur als modernes Logistikzentrum an Gewicht gewonnen. Ein Feld, das, nebenbei bemerkt, noch beträchtliche Entwicklungschancen bietet.
Zwei prosperierende große Luftfahrtunternehmen, zwei große Werften mit internationalem Kundenstamm, drei Flugschulen sowie mehrere Vertriebshändler, deren exklusives Portfolio die gängigsten und modernsten Luftfahrtgeräte des Marktes umschließt, sind hier zu Hause, sodass alleine auf dem Flugplatz 200 Menschen Lohn und Brot finden. Im unmittelbaren Umfeld des Airports gibt es darüber hinaus drei große Gewerbegebiete. In den dort ansässigen Betrieben sind noch einmal zwischen 300 und 400 Menschen beschäftigt.

Diskussion um Subventionsbedarf

In der derzeitigen Subventionsdiskussion gibt es sogar Überlegungen, Siegerland vom Regionalflughafen zum Verkehrslandeplatz abzustufen, um Personal- und Infrastrukturkosten zu sparen. Ein Vorschlag, der mit heißer Nadel gestrickt scheint und unterm Strich nicht viel einbringen würde. Im Gegenteil. Die Nachteile wären deutlich größer. Würde man die Stätte so ihrer Trümpfe berauben, wäre ihre Stellenwert als attraktiver Wirtschaftsstandort dahin. Der Flughafen würde als Luftverkehrs-Drehkreuz und logistischer Umschlagsplatz bedeutungslos. Und eine weitere öffentliche Subventionierung ferner davon abhängig zu machen, dass von Siegerland aus auch (ein wo auch immer hin führender) Linienverkehr erfolgt, kann nicht ganz Ernst gemeint sein. Zu konkreten Beschlüssen, wie die Kuh vom Eis zu bekommen ist, konnte sich der Kreistag nicht durchringen. Das war auch gar nicht geplant. Spätestens bei den Haushaltsberatungen für 2016 wird man sich der Thematik aber wieder stellen und die Hosen herunter lassen müssen. Bereits das 2015-er Zahlenwerk hatte, nicht nur, aber auch ob dieses Themas, nur eine hauchdünne Mehrheit gefunden.

Es gibt eine Studie zum volkswirtschaftlichen Stellenwert des Burbacher Regionalflughafens von Professor Dr. Klophaus. Sie weist allein auf Einkommenseffekten beruhende steuerliche Mehreinnahmen für Bund, Länder und Gemeinden von jährlich 4,2 Millionen EUR nach. Rechnet man den generierten Produktionswert (46 Millionen) und die Bruttowertschöpfung (23,4 Mio.) hinzu, wird deutlich, wie groß der Nutzen eines solchen Flughafens für die Region tatsächlich ist.
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1 Kommentar
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Annette F. aus Bad Laasphe | 10.07.2015 | 15:43  
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