Mit Bienenelfe, Chamäleons und Mausmakis per Du: Martin Magnus spürt seinen exotischen Motiven in der ganzen Welt nach

Was guggst Du? Ein Indris-Pärchen, Vertreter der größten in Madagaskar lebenden Lemuren. (Foto: Martin Magnus)
 
Wie es aussieht, ist mit diesem Burschen nicht gut Kirschen essen: Indonesischer Komodo-Waran im Angriffsmodus. (Foto: Martin Magnus)
 
Rendezvous im Regenwald von Madagaskar. Den neugierigen Lemure interessierte vor allem, was der Besucher aus Hüttenberg da für merkwürdige Geräte um den Hals hängen hatte. (Foto: Beate Magnus)
Er ist der Globetrotter unter den heimischen Naturfotografen, einer, der seine Motive in den entferntesten Winkeln der Erde sucht und findet. Ob Ruanda, Indonesien, Peru, Madagaskar, Kuba, Island oder Borneo, je exotischer das, was dort kreucht und fleucht, umso besser. Zwischendurch dürfen es aber durchaus auch mal Säbelschnäbler auf Langeoog, Steinwälzer auf Baltrum oder Basstölpel und Trottellummen auf Helgoland sein. Denn: Auch vor der eigenen Haustür oder im benachbarten europäischen Ausland gibt es für Martin Magnus viel Interessantes und Rares zu entdecken. Wobei vor allem Pirol, Waldschnepfe und Ziegenmelker, sowie alle Tag- und Nachtgreifvögel immer wieder zu seinen persönlichen Lieblingen zählen.
Und die jordanischen Einödgimpel und Blaumerlen haben auch ihre Reize. Es sind die selteneren, und häufig bedrohten Tiere, deren Namen wir hierzulande mitunter noch nicht einmal buchstabieren können, die es dem Mann angetan haben. Von der Antarktis einmal abgesehen, hat der Pixelzauberer aus dem mittelhessischen Hüttenberger (Lahn-Dill-Kreis) alle Kontinente erkundet und, begleitet von seiner Frau und stets die Kameras im Gepäck, nahezu 50 Länder besucht. Sein besonderes Interesse gilt jedoch den tropischen Regionen. Erst kürzlich ist Magnus von einer Reise aus Kuba zurückgekehrt, wo er im Sumpf von Zapata, dem größten Feuchtgebiet der Karibik, auf der Suche nach endemischen Vogelarten war. Im Jahr zuvor hatte der 45-Jährige eine Woche lang den unberührten Regenwald im peruanischen Manu-Nationalpark durchstreift.

Durch Wüsten, Savannen und Urwälder

Er legt sich in unwegsamen Urwäldern und unwirtlichen Wüsten, auf Hochebenen, kargen Gebirgszügen, trockenen Savannen und Sumpflandschaften auf die Lauer. Wobei die Wahrscheinlichkeit, dort Pauschaltouristen zu begegnen, gleich Null ist. Im normalen Reisebüro lassen sich solche Exkursionen jedenfalls nicht buchen. Sie bedingen eine exakte, oft aufwändige Vorplanung und gute, lokale Führer, die exzellente Orts- und Artenkenntnis haben. Letztlich gehört auch eine gehörige Portion Mut und Abenteuergeist dazu. Gelegentlich Tage, ja Wochen lang von Zivilisation und Außenwelt abgeschnitten, ist der Pixeljäger mit ortskundigen „Guides“ unterwegs. Keine Wellness-Urlaube, sondern entbehrungsreiche Individual-Trips voller Überraschungen und einzigartiger Erlebnisse.
Aber es lohnt sich. Pool-Landschaften oder massentouristische Strandszenarien im leuchtenden Rot der untergehenden Sonne sollen andere ablichten, Martin Magnus ist da schon ein klein wenig anspruchsvoller. Und die Fotos, die er nach Hause bringt, sind von bestechender Brillanz und Einzigartigkeit. Wiederholt hat er damit bei Wettbewerben seiner Zunft gepunktet. Erst unlängst wieder mit der packenden Schwarz-Weiß-Aufnahme eines sich unbeobachtet fühlenden Berg-Gorillas in Ruanda. Da war der Mittelhesse ganz dicht dran am Motiv, doch besticht der „Schuss“ vor allem durch seine eigenwillige Ausschnittwahl. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich, wer da vor der Linse posiert. Für das Fachmagazin „NaturFoto“ das Siegerbild.

Komodowaran im Angriffsmodus

Martin Magnus ist mit Bienenelfe, Erdbeerfrosch, Lemuren, Chamäleons und Tapir „per Du“. Ab und an handelt es sich bei seinen „Models“ aber auch um Kreaturen, denen unsereins lieber nicht in freier Wildbahn begegnen möchte, und wenn doch, dann mit respektvoller Distanz. Wie beispielsweise jener Komodo-Waran auf der indonesischen Insel Rinca, der, so sieht es jedenfalls aus, auf Angriffsmodus geschaltet hat und auf den Fotografen zu walzt. Und die Kerle sind, einmal auf Touren gekommen, verdammt schnell. Wobei der doch eher negativ besetzte Begriff „Kreatur“ diesem und anderen Motiven des Diplom-Geologen nicht ganz gerecht wird. Denn: Es sind (Mit-) Geschöpfe von jeweils ganz eigener, individueller Ausprägung und, ja, Eleganz und Schönheit, die es gilt, und das ist Magnus besonders wichtig, zu respektieren und zu schützen. Immer in Verbindung mit ihrem jeweiligen Lebensraum, ob nun in Borneo, im südamerikanischen Urwald oder im Hessischen.

Faszination Natur

Und genau diese Philosophie ist es, die den Mann und seine Kollegen, mit denen er sich in einer lockerer organisierten Arbeitsgemeinschaft mittelhessischer Natur- und Tierfotografen vereint hat, um- und antreibt: die Faszination der Natur zu dokumentieren und Verständnis für die Einzigartigkeit des Lebens und der Lebewesen zu wecken, was die Notwendigkeit, es zu bewahren und zu schützen, zwingend impliziert, ums eigene Haus oder im fernen Regenwald. Ob es sich nun um eine Madagaskar-Boa dreht, oder um einen heimischen Rotmilan. Dazu kann jeder durch sein eigenes Verhalten beitragen. Durch Handeln oder bewusstes Unterlassen. Dafür wirbt er bei Ausstellungen und Vortragsveranstaltungen sowie Veröffentlichungen in Büchern und Zeitschriften.
In diesem Sinne wirken auch die ungezählten Menschen, die sich hierzulande in das segensreiche Wirken der Naturschutzvereine einbringen, jeden Tag. Und auch dem Fotografen ist diese Basisarbeit nicht fremd. Martin Magnus ist Vorsitzender des Natur- und Vogelschutzvereins in Reiskirchen. Und der feiert im November sein 25- jähriges Bestehen. Eine wesentliche Aufgabe sieht die Vereinigung auch darin, die Jugend in ihre Arbeit einzubinden. Mag die Generation der Erwachsenen auch auf vielen Feldern des Umwelt- und Naturschutzes versagt haben, die Kids von heute sind es, die diese Idee leben und , wenn die Menschheit überleben soll, in Taten umsetzen müssen.
So imposant artenvielfältig unsere heimische Fauna und Flora sein mag, so fragil ist dieses Gebilde auch. Immer mehr Arten sind insbesondere durch den Verlust und Veränderung ihres Lebensraums massiv bedroht. Die „Roten „Listen werden immer länger. Bei wenigen anderen haben sich die Bestände durch gezielte Hilfe und Schutzbemühungen in den vergangenen Jahren glücklicherweise wieder erholen können. Es ist eine permanente Aufgabe, die Voraussetzungen zu schaffen, dass die Entwicklung weiter in die letztere Richtung geht. Andernfalls sägen wir uns langfristig gesehen den Ast ab, auf dem wir selbst sitzen. Der Natur muss mehr Raum gelassen werden. Naturschutz ist eine wichtige Aufgabe unserer gesamten Gesellschaft. Es bedarf einer möglichst breiten Akzeptanz dafür und erfordert das Engagement möglichst breiter Gesellschaftsschichten. Menschen wie Martin Magnus leisten einen Beitrag dazu – auf ihre Art.
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