Herr Sumsemann und Udo Lindenberg: „Blue Moon“ - Der Säufermond geht im Juli zweimal auf

Gassi gehen im Mondschein. Die rötliche Farbe bezieht der Erdtrabant von der Sonne, die, während er selbst aufgeht, auf der entgegengesetzten Globusseite die Segel streicht. (Foto: Siegbert Werner)
 
Spätschicht: Statt Hauen und Stechen Wenden und Rechen. (Foto: Siegbert Werner)
Der dicke aufgeblasene runde Kerl grinste wie eine Hundert-Watt-Birne und machte die Nacht zum Tage. Es gibt Leute, die leben angeblich hinter ihm, während sich die Preise in Daves Nobel-Boutique dem Namen nach auch von ihm ableiten. Herr Sumsemann, der Maikäfer, wähnt immer noch sein sechstes Bein dort oben. Aber die von Gerdt von Bassewitz in „Peterchens Mondfahrt“ beschriebene Suche nach der verlustig gegangenen Extremität des Insektes ist natürlich ein Märchen. Und dass die Amerikaner tatsächlich mal auf unserem natürlichen Satelliten gelandet sind, wohl auch. Zumindest haben nicht wenige Leute da so ihre Zweifel.
Er hat schon immer Poeten, Mystiker, Romantiker und Verschwörungstheoretiker inspiriert. Und er tut das nach wie vor. Kein anderes Gestirn wurde und wird so oft besungen, in der Literatur beschrieben und verklärt wie der (sternhagel-volle Voll-)Mond. Das Abendlied von Matthias Claudius („Der Mond ist aufgegangen“) ist da nur die astronomische Spitze des Eisbergs. „Und unser kranker Nachbar auch…“ Von Legenden umrankt und Magie durchdrungen, verleiht er, der Mond, nicht der Nachbar, der Fantasie Flügel oder leuchtet in seiner prosaischen Ausprägung auch schon mal dem (torkelnden) Spätheimkehrer heim.

Zwischen Suff, Angst und Romantik

Er ist der Säufermond eines Udo Lindenbergs oder das böse Omen, das John Fogerty in den Songtext von „Bad Moon Rising“ gekleidet hat. Zwischenzeitlich heulte „Hebett Gröhlemeier“ ihn beim aussichtslosen Werben um die Liebste um Unterstützung an. Und anheulen tun ihn ja auch die Wölfe. Nimmt er ab, wird’s eng. „Der Mann im Mond wohnt, wie ihr wisst, doch sehr beengt, wenn Halbmond ist“, hat der deutsche Gebrauchsphilosoph Klaus Klages beobachtet. Und Rosen blühen da auch keine, wie Vicky Leandros bereits 1977 herausgefunden hatte... Dass der Mond die Gezeiten beeinflusst und lenkt, ist bekannt; dass er manchen um den Schlaf bringt, auch. Es soll sogar Frauen geben, die ihren Friseurtermin nach ihm ausrichten.
In diesem noch jungen, bislang schwül-heißen Juli kommt Luna, wie ihn der Lateiner zu nennen pflegt, gleich in doppelter Ausführung daher. Zeigte der Himmelskörper schon Anfang des Monats dominante Präsenz, wird gegen dessen Ende, am 30. 7., ein zweites Mal in seiner ganzen Pracht erstrahlen. Die landläufige Bezeichnung für dieses Phänomen: „Blue Moon“. So nennt man den zweiten Vollmond innerhalb eines einzigen Monats. Ein Schauspiel, das im Durchschnitt alle zweieinhalb Jahre einmal zu beobachten ist.

Helle Power für den Bauer

Ja, und dann gibt es ja noch den „Erntemond“. Als solchen pflegt man den vollen Knaben im September zu bezeichnen. Was daher rührt, dass dieser „Harvest Moon“ den Landwirten genügend Licht spendete, sodass diese die gewachsenen, reifen Früchte ihrer Arbeit auch des Nachts ein- und ins Trockene bringen konnten. Die bäuerlichen Agrarökonomen sind zwar heuer Dank Elektrifizierung nicht mehr zwingend und unbedingt auf diese natürliche Lichtquelle angewiesen, nutzen sie aber bisweilen schon noch.
„Luna“, wie ihn der Lateiner zu bezeichnen pflegt, ist aber eines allemal: Eine unerschöpfliche, niemals versiegende Motivquelle für Fotografen. Neigt der Mond zur Völlerei, können auch sie aus dem Vollen schöpfen. Wie der Medenbacher Siegbert Werner, der beim jüngsten Gastspiel des Himmelskörpers keinen Schlaf fand und mit seiner Kamera durch die fast taghell erleuchtete Nacht trabte. Er traf fleißige Landwirte und Erntehelfer, die im Schein des himmlischen Büchsenlichts ihr Heu einbrachten, begegnete Hund und Frauchen beim illuminierten Gassigehen und sah automobile Romantiker „oben ohne“ im Cabrio vorbeibrausen.
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