Whitney Houston lebt! Leibwächter in Aufregung: Bodyguard rettet schutzbedürftigen Superstar in Köln

Ein Münchener im Musical-Himmel: Kann man verstehen, dass Frank, der coole Leibwächter, sich in seinen Schützling Rachel verliebt hat. Die beiden Hauptrollen in „Bodyguard“ sind in Köln mit Patricia Meeden und Jürgen Fischer optimal besetzt. (Foto: Patric Fouad)
 
Let’s dance: Ensemble-Szene aus der Londoner Erfolgsinszenierung. Die Herren ziehen blank. (Foto: Paul Coltas)
 
Nachdem Daniel Craig von „007“ erst mal die Nase voll zu haben scheint, könnte Jürgen Fischer den neuen James Bond geben. Hier zusammen mit seiner Augenweide Rachel (Patricia Meeden). (Foto: Jens Hauer)
Warm-up für den Mann von der Security. Frank Farmer legt in diesen Tagen in der Mucki-Bude und auf dem Schießstand noch einen Zahn zu. Er muss fit für den kompliziertesten Auftrag seines Lebens sein. Der Job: Dafür zu sorgen, dass seinem hübschen prominenten Schützling Rachel (Marron) kein Haar gekrümmt wird. Über letztere wacht er mit Argusaugen – hat aber auch selbst ein solches auf sie geworfen. Frank ist Leibwächter, oder "Bodyguard". So hieß auch der Blockbuster, der weiland allein in Deutschland über sechs Millionen Zuschauer vor die Kinoleinwände lockte. Der cinematischen Version folgt nun die Bühnenadaption, und zwar in "Kölle" am Rhein in deutscher Erstaufführung.
bb-promotion proudly presents: Whitney Houston on stage. Nein, nicht die wieder auferstandene und inzwischen auf Wolke 7 trällernde Pop-Diva, sondern deren postmortale musical-ische Entsprechung. Und das ist in der rheinischen Spielart Patricia Meeden, eine bildhübsche mit Granaten-Vokal gesegnete Sängerin und Schauspielerin, die, passt ja, ganz nebenbei, "die" Houston zu ihren großen Vorbildern zählt. Vielen mag die Künstlerin aus der Sendung "The Voice of Germany" bekannt sein. Und der Wächter an ihrer Seite, der sich in sie verknallt (und sie ihn ihn) heißt im Zivilleben auch nicht Kevin Costner, sondern Jürgen Fischer. Ein Münchener im (Musical-)Himmel. Damit wären die beiden Headbanger der neuen Show schon mal aus dem Sack.

Vom Disco-King zum Retter des Rock’n Roll

Mit dem West-End-Abräumer knüpft der inzwischen von "Mehr! Entertainment" betriebene Musical-Dome fast nahtlos an eine lange Erfolgsgeschichte an. Im "Blauen Müllsack" hatte die BB-Group schon Manero-Tony im Saturday-Night-Fever-Delirium viele Jahre die elastischen Beine schwingen lassen, während Galileo Figaro im Auftrag von "Queen" hier erstmals auf deutschem Boden - und dann später an wechselnden Orten immer und immer wieder - die Welt und den Rock'n Roll rettete. Das tat der Ober-Bohemian hier auch zuletzt bis Mitte August diesen Jahres. Und der bereits oft tot gesagte und dem Abriss geweihte Planentempel am Rheinufer steht damit als Spielstätte innerstädtisch immer noch konkurrenzlos da und wird als solche mindestens noch eineinhalb Jahre als Musical-Theater die Platzhirsch-Rolle ausfüllen. Danach übernimmt das dann (hoffentlich fertig) renovierte Staatenhaus im Rheinpark.

Wieder ein internationales Long-Run in „Kölle“

Mit "BODYGUARD – Das Musical" kann die Jecken-Hauptstadt wieder mit einer internationalen Long-Run-Produktion aufwarten. Laufzeitprognosen sind bei so etwas zwar immer schwierig, aber in London lief das preisgekrönte Stück über zwei Jahre lang wie Lottchen. Was die Fans in der deutschen Fassung zu erwarten haben, erläuterten Produzent Ralf Kokemüller, Original-Producer Michael Harrison und Associate-Director Frank Thompson unlängst bei der Vorstellung der Protagonisten. Ein Video-Zusammenschnitt der Präsentation gibt es hier zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=WVMhWu_Qm6I&feature...
Was die Verantwortlichenoptimistisch stimmt: Das Stück ist noch neu, jung und unverbraucht. Keine abgelutschter Evergreen, der in Ermangelung besserer Vorlagen in Endlosschleife über die Stadttheaterbühnen kriecht. Sondern eine Hit-Maschine, die in die großen Häuser gehört. (Und ein solches ist der "Dome". Er fasst 1769 Zuschauer). Und das (uralte) Thema, eine herzzerreißende Love-Story, ist frisch, zeitlos und bewegend.
Im Vergleich zu ihrem Ursprungsort sei die Inszenierung für den deutschen Markt noch einmal weiter entwickelt worden. So gibt es ein noch aufwändigeres Bühnenbild, als es schon bei den Tommys der Fall war. Allein für dessen Transport sind 400 Tonnen Truckvolumen nötig. Für das Video-Design werden 170 Quadratmeter Projektions- Elemente eingesetzt, in denen 1,2 Millionen, einzeln ansteuerbare LED-Leuchten verarbeitet sind. Mit an Bord ist hier auch wieder das internationale Kreativ-Team aus der Themsen-Stadt um Regisseurin Thea Sharrock und den mit dem Tony-Award ausgezeichneten Set- und Kostümdesigner Tim Hatley.

Mit Smartphones und Laptops aus dem Jahr 1992 in die Neuzeit

Und warum sollte jemand sich das Ganze anschauen, wenn er doch den Film bereits kennt? "Das Musical bietet ein intensiveres Live-Erlebnis. Die Songs lassen den Zuschauer viel tiefer in die Gefühle der Figuren eintauchen", sagt der Associate-Director. Auch überwinde das überwältigende Bühnenbild die Zweidimensionalität der Leinwand. Ach ja, die Story spielt im Hier und Jetzt, nicht im Jahr 1992, aus dem die Filmvorlage stammt. Es gibt Smartphones und Laptops, vielleicht sogar WhatsApp und Twitter. Die topp-modernen Kostüme entsprechen den aktuellen Trends, die Sprache ist die des Jahrs 2015.
Der Kölner Premierenvorhang hebt sich übrigens am 21. November. Also schon mal vormerken. Die Previews finden vom 10. bis 20. November statt. Bis dahin wird zwar noch eine Menge Wasser den Rhein hinunter fließen, doch Tickets für das Spektakel gibt es bereits seit Monaten. Der Kartenvorverkauf hatte bereits Ende vergangenen Jahres begonnen – und er läuft dem Vernehmen nach ziemlich gut.

Parforceritt durch die Hitwelt Whitney Houstons

Alle Songs sind im englischen Original belassen, die Dialoge jedoch (natürlich) auf Deutsch. Die Grenzen zwischen Musical, einem Popkonzert und einer Whitney Houston Tribute Show sind hier fließend. Die Partitur beinhaltet alle von dem 2012 verstorbenen Weltstar interpretierten Songs des Grammy-prämierten Soundtracks, der den Film einst weltberühmt gemacht hatte. Oft ist es ja umgekehrt. Der Tonträger verkaufte sich weltweit 44 Millionen mal. Allein der Titelsong “I Will Always Love You” avancierte zu einem der größten Hits aller Zeiten und ging als Single über zwölf Millionen Mal über die Ladentheke. Zwei Songs des Films waren 1993 für den Oscar nominiert worden: "I Have Nothing" sowie "Run to You" die beiden Songs wurden ebenfalls, im Jahr 1994, für den Grammy Award nominiert. Die Soundtrack-Scheibe erhielt als "Album des Jahres" „One Moment in Time“: einen Grammy Award. Aber da gab und gibt es der Gassenhauer ja noch mehr: “So Emotional”, “One Moment in Time” oder “Saving All My Love” beispielsweise. Angereichert wird die Set-List dann noch zusätzlich mit weiteren Hits der Soul- und Pop-Prinzessin i.R. Funktioniert immer, oder meistens. In diesem Fall auf jeden Fall.
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