Wir tun den Tieren Unrecht! Eingebildete Zicken, Katzen im Delirium und eine WhatsApp von Adebar

Nastrovje! Auch ein blindes Huhn trinkt mal einen Korn. (Foto: Artemtation)
 
Wuschel, Puschel, Krümel, Klopfer. Die Namensgebung für Kaninchen wird jetzt auch wissenschaftlich erforscht. (Foto: Anja_J/Pixabay)
 
Jolianthe steht auf Klunker. Einem Perlenkollier kann auch eine Sau nicht widerstehen. (Foto: Artemtation)
 
Neue Haushaltshilfe auf 400-EUR-Basis: Der bohnende Hamster. (Foto: Zdenet/Pixabay)
Schon erstaunlich, mit was sich unsere Wissenschaftler alles beschäftigen. Neuerdings auch mit Kaninchennamen. Scheint sich zu einer neuen onomatologischen Disziplin zu entwickeln. Wenngeich: Nobelpreise lassen sich damit wohl kaum holen. Ob die Mümmelmänner und –frauen nun Wuschel, Puschel, Krümel, Klopfer oder Bambi heißen, ermögliche auch Rückschlüsse auf ihre Besitzer, heißt es. Und die neigen offensichtlich mehr und mehr dazu, ihren flauschigen Hopplern Menschennamen anzuhängen, beispielsweise den der verstorbenen Tante Gerda. Das tun Katzen-(und Hunde-)Halter aber auch. Der Trend geht hin zu einer „Vermenschlichung“ der vier- oder zweibeinigen Haus- und Stallgenossen, sagt die Mainzer Uni-Professorin Damaris Nübling. Sogar unter Traueranzeigen tauchten Tiere ab und an namentlich auf.
Nüblings Kollegin Melissa Holzschuh hat in einer umfangreichen Studie herausgefunden, dass sich Karnickel-Freunde bei der Taufe vom Aussehen und den Verhaltensweisen ihrer Lieblinge beeinflussen lassen. Diese bahnbrechende Erenntnis bringt die Welt doch schon mal wieder ein ganzes Stück weiter. Die 27-jährige Germanistin, selbst Eignerin zweier Langohren, hat mehr als tausend von Kaninchenbesitzern ausgefüllte Fragebogen ausgewertet. Zwei besonders aggressive Exemplare hießen ob ihres schlechten Charakters sogar „Stalin“ und „Adolf“. Bei anderen stand ein profaner „Egon“ oder eine „Getrude“ im Impfpass. Auch „Paul“ ist weit verbreitet, wenngleich das ja eigentlich eher ein klassischer Maulwurfsname ist. „Manni“ hingegen ist eher für das mürrische Mammut reserviert. Aber das gilt ja ausgestorben.
Kaninchen sind mit den Hasen verwandt, unterscheiden sich aber von diesen u.a. durch ganz eigene Vorstellungen bei der Wohnungswahl. Während erstere Gänge graben und unterirdische Bauten anlegen, pflegt der der etwas größere, eher zum Einzelgängertum neigende und langohrigere „Meister Lampe“ sein Nest überirdisch zu bauen, beispielsweise unter Büschen oder Felsvorsprüngen. Er ist übrigens der einzige Vertreter aus dem Tierreich, der ein eigenes Postamt besitzt. Es befindet sich im niedersächsischen Ostereistedt und wird jährlich während der Passionszeit mit zigtausenden von an den Osterhasen gerichteten Briefen aus dem In- und Ausland bombardiert. Diesen PR-Gag hatte sich vor 33 Jahren eine Werbeagentur ausgedacht. Seitdem gehen hier jeweils zur Osterzeit Berge von Briefen und Karten ein. Anschrift: Herrn Osterhase, Hanni Hase, Am Waldrand 12, 27404 Ostereistedt. Eine eigene Webseite hat er bzw. sie auch: www.hanni-hase.de/.
Der wissenschaftliche, lateinische Name des Kaninchens lautet „Cuniculus“. Und das hat jetzt nix mit Cunnilungus zu tun. Es begegnet uns in den unterschiedlichsten Ausprägungen und Unterarten. So gibt es Busch- und Borstenkaninchen, Vulkan- und Baumwollschwanzkaninchen. Aber das ist noch längst nicht das Ende der Hasenpfote. Rot-, Ryukyo- und Streifenkaninchen sind weitere Vertreter auf der Spezifikationsliste. Übrigens: Unsere spanischen Freunde verdanken den Namen ihres Landes auch den Kaninchen. Selbige hatten weiland die Phönizier, als sie zufällig auf der iberischen Halbinsel landeten, an die bei ihnen zu Hause beheimaten murmeltierähnlichen Schliefer (phönizisch „Schaban“ ) erinnert. Deshalb nannten sie das Land „Ishapan“, was die Römer in Hispania umwandelten.

Wenn‘s dem Gäulchen vor der Apotheke übel wird

Aber wir schweifen mal wieder vom Thema davon. Der Mensch neigt ja dazu, auch seinesgleichen Tiernamen zu verpassen oder andere mit Tieren zu vergleichen. Kennen wir vom animalischen Sex. Da gibt es den geilen Bock, den wilden Stier und den Hengst. Und wir nennen unsere Liebste Mausi, während sie uns „Bärchen“ zu titulieren pflegt. Gut, der stramme Max entstammt jetzt einer ganz anderen Kategorie. Vergleiche werden angestellt, im positiven, meist aber im negativen, wenig schmeichelhaften Sinne. Da frisst einer wie ein Schwein (das am Ende auch noch pfeift), ist grazil wie ein Reh, schlau wie ein Fuchs, falsch wie eine Schlange oder fett wie ein Otter. In den seltensten Fällen werden dieser Sinnbilder den Ursprüngen gerecht. Denn dumm sind weder die Kühe, noch machen die Affen Theater oder sitzen auf diversen Schleifsteinen. Und den ersten Elefanten im Porzellanladen hätte ich auch noch zu erleben. Vom vor der Apotheke kotzenden Pferd ganz zu schweigen.
Und ob der Esel, so ihn der Hafer sticht und es ihm zu wohl wird, tatsächlich aufs Eis geht, wage ich bis zum Beweis des Gegenteils zu bezweifeln. Gut, mein Chef, auf seine jüngste Beurteilung angesprochen, windet sich schon mal wie ein Aal, während Kollege Immerschlau stets die Flöhe husten hört. Einen veritablen Frosch im Hals hat aber auch er noch nicht vorweisen können Und er lässt sich auch nicht dazu hinreißen, schlafende Hunde zu wecken. Ob die Kollegin andererseits tatsächlich wie ein Storch im Salat herumstöckelt, muss ich mir mal genauer anschauen….
Aber vielleicht wird, auch wieder so eine Metapher, umgekehrt ein Schuh draus und die Tiere sollten eigentlich eingeschnappt sein, wenn sie zur Charakterisierung eines Zweibeiners missbraucht, so wie Horst, den blöden Hund, Ina, die eingebildete Zicke oder Sven-Olaf, diesen dummen Ochsen. Davon abgesehen widerspricht es dem Naturell des Bezugs, so man eine Kuh fliegen lässt oder sich wie ein Lamm zur Schlachtbank führen lässt

Prost: Das blinde Huhn und der/das Korn

Und da wäre noch das mit Blindheit geschlagene Huhn, das auch mal einen Korn trinkt bzw. ein solches findet. Mit Butter, die man „bei die Fische tut“, können die Geschuppten wohl auch wenig anfangen. Was im Übrigen und in gleichem Maße auch für die Säue gelten mag, so man ihnen Perlen vorwirft. Andererseits mögen sie sicherlich erfreut sein, wenn jemand sie rauslässt. Davon abgesehen wird sich so manche Muschi dagegen verwahren, nachts ausschließlich grau sein zu sollen. Ebenso weit von sich weisen dürfte die Mieze Behauptungen, sie schleiche um den heißen Brei herum und/oder beiße sich in den eigenen Schwanz. Und, bitteschön, nach welcher Choreografie tanzen die Vertreter ihrer Leib- und Magenspeise auf dem Tisch herum, wenn sie, die Katze, mal außer Haus ist? Aber vielleicht sieht sie selbst ja auch nur weiße Mäuse, und die sind gar nicht wirklich da….

Ein Hamster als Haushaltshilfe

Ob Krokodile weinen und entsprechende, nach ihnen benannte Tränen vergießen, wäre beim nächsten Besuch im Frankfurter Zoo zu überprüfen. Schwieriger dürfte der Nachweis dann aber schon bei der Tüte voller maßlos angebender Mücken werden. Ob der Geier, wie behaupte, es wirklich weiß und sich dann wie ein solcher auf die Insekten stürzt? Zu überlegen wäre freilich, ob man den in seiner Bewegungsfreiheit gehandicapten humpelnden Hamster, der bohnert, nicht einen Job als Haushaltshilfe auf 400-EUR-Basis anbieten sollte. Die Heizungsanlage müsste auch mal wieder erneuert werden, da meine Frau wie ein junger Hund friert. Dessen Kumpel aus dem Nachbarhaus wird in der Pfanne verrückt und beißt regelmäßig zu, so Herrchen, von dem er normalerweise kein Stück Brot annimmt, wieder mal als Letzter vom Stammtisch heimkommt. Schließlich wohnt er ziemlich abgelegen, dort wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Von letzterem weiß er ziemlich genau, wie er läuft und gilt auf seinem Spezialgebiet, dem Turniertrinken im Wirtshaus, selbst als Senior-Mümmler, also „alter Hase“

Wir telefonieren mit Adebar

Garantiert wenig ergiebig dürfte das Melken von Mäusen sein, und sei‘s drum, dass Mitmenschen, die viele von diesen Nagern in der Tasche haben, als reich und begütert gelten. Auch deshalb, weil sie ein Schweinegeld verdienen. Eine seltsame Währung ist das. Aber nur kein falscher Neid. Und ich stelle mir gerade bildlich vor, wie es wohl aussieht, einen Tiger im Tank spazieren zu fahren. Dass der Storch mal wieder angerufen hat, Kindersegen hin oder her, ist wohl auch eine Mähr. Das lässt sich aber sicherlich über den Einzelverbindungsnachweise der Telefonabrechnung klären. Wie altmodisch, dieser Vogel. Heutzutage gibt’s doch WhatsApp! Dass ich zudem jemals jemanden auffordern könnte, mir einen solchen Adebar zu braten, kann ich mir trotz aller exotischen gourmet-technischen Geschmacksorientierung nicht vorstellen. Und was für Würmer mögen das wohl sein, die wir dem wenig mitteilungsbedürftigen Politclown da aus der Nase ziehen? Von den Motten, die er im Kopf hat, wollen wir gar erst nicht reden.

Klunker für das Borstenvieh

In den meisten Fällen lassen sich sprachwissenschaftliche und/oder historisch gewachsene Erklärung für derlei Redensarten finden. So beispielsweise auch im Falle der Klunker, die der Wutz serviert werden. „Perlen vor die Säue“, das bedeutet, jemandem etwas Schönes oder Wertvolles zu geben bzw. darzubieten, das dieser Unwürdige aber nicht zu schätzen weiß. Geht auf das Neue Testament zurück. In der Bergpredigt bei Matthäus heißt es: „Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füßen und sich wenden und euch zerreißen“ Stark vereinfacht ausgedrückt, sollten die Gläubigen die heiligen Evangelien nicht den Heiden verkünden, weil die in ihrer Unwissenheit und Sünde damit so viel anzufangen wüssten wie Schweine mit kostbaren Perlen. Und das Schwein galt im jüdischen Glauben, in dem das Christentum ja verwurzelt ist, sowieso als unrein und als Symbol des Heidnischen.

Flöte spielende Speckschwarte

Um bei dem speckigen Borstenvieh mit dem Steckdosenrüssel, das angeblich auch pfeifen kann/soll, zu verbleiben: Kann es eben nicht. Schweine können zwar quieken, grunzen und schreien, aber zwecks Melodie-Intonation eben nicht die Lippen spitzen. Der Gebrauch dieses Sinnbildes beschreibt, wenn etwas Unerhörtes passiert, das eigentlich nicht sein kann/darf. Und man nutzt zur plastischen Darstellung dieses empörenden unerhörten Vorgangs ein Vergleichsbeispiel eines ebenso undenkbaren Geschehens. In der englischen Sprache gibt es übrigens eine Entsprechung: „to teach the pigs to play the flute“ –Schweinen das Flötespielen beizubringen. Auf diese Weise, siehe oben, würde auch der bohnernde Goldhamster Sinn machen, oder eben halt nicht. Oder der knutschende Elch bzw. der Halma spielende Wuffi.

Crocodile-Dundee und der heulende Alligator

Und wie ist das jetzt mit den heulenden Echsen, den Rohstofflieferanten unserer Krokoschuhe? Eine von mehreren Deutungen besagt folgendes: Kreuzritter und Kaufleute, die auf ihren Reisen und Feldzügen im Mittelalter das erste Mal Bekanntschaft mit Krokodilen machten, erzählten bei ihrer Rückkehr die abenteuerlichsten Geschichten über diese „Wundertiere“. Man glaubte, das Krokodil locke seine Beute an, indem es wie ein kleines Kind bitterlich weine und schluchze. Deshalb gelten „Krokodilstränen“ auch als falsche, heuchlerische und hinterlistige Empathiebezeugungen.
Krokodile vergießen zwar keine Tränen als Ausdruck irgendwelcher Gefühle oder gar zwecks listiger Täuschung. Aber ein Körnchen Wahrheit findet man in solchen Schauergeschichten dennoch: Diese gepanzerten Tiere sondern während des Fressens tatsächlich ein tränenartiges Sekret aus den Augen ab. Eine Vermutung über die Ursache geht dahin, dass beim Aufreißen des Mauls Druck auf Drüsen hinter den Augenlidern ausgeübt wird. Aus der Nähe überprüfen möchte ich das aber lieber doch nicht…
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