Waldorf & Statler in der Fußgängerzone – Ganz großes Kino zwischen eingeschnappten A'raab’s und Merkel-Raute

Logenplatz in der Fußgängerzone: Burnout-Kandidaten sehen anders aus. (Foto: Thomas Holz)
Nach Hektik, Stress und Senf an der Decke sieht das hier weniger aus. Kamerad Schnürschuh und sein Kollege von der Helly-Hansen-Fraktion scheinen ganz entspannt im Hier und Jetzt zu weilen. Burnout-Kandidaten sehen anders aus. Die beiden entschleunigten Herren fühlen sich wohl und sind eins mit sich und der Schöpfung, wie Körperhaltung und Beinstellung (unbewusst) signalisieren. Behauptet zumindest die Diplom-Psychologin meines Vertrauens. Die alleinerziehende Spaßbremse muss es wissen. Sie hat im inzwischen still gelegten Kernkraftwerk Großwelzheim mal einen Würgshop über nonverbale Kommunikation und Körpersprache gehalten. Ihre Zuhörer haben vor Begeisterung alle gestrahlt. Trotzdem: Lieber fernsehgeil als radioaktiv!

Ein Arararaber andererseits würde die Haltung der Beiden als beleidigend empfinden. Bei Scheichs und Co. ist das Zeigen bzw. Vorstrecken der Fußsohlen nämlich verpönt, selbst wenn diese in Schuhen stecken. Die, also die Sohlen, nicht die Schuhe bzw. die Kaftanträger, gelten per se als unrein. Überhaupt haben die Wüstensöhne recht eigenartige Vorstellungen. Auch die linke Hand wird bei ihnen als nicht koscher angesehen. Wahrscheinlich schreiben die A'raab’s deshalb auch, wenn überhaupt, von rechts nach links… An einer ihrer Gebetstempel hängt ein Schild mit folgenden Wortlautes: Ein Moschee mit Schuhen zu betreten ist genauso verwerflich, wie eine Jungfrau zu verführen. Ein Tourist hat darunter notiert: Ich hab' beides probiert: kein Vergleich!

Vulgäre Tante im Bundeskanzleramt

Unsere neue und alte Bundeskanzlerin ist in den Augen der Sultans of Swing eine ziemlich vulgäre Tante. Die klassische Merkel-Raute – Daumen und Zeigefinger beider Hände berühren sich an den Spitzen – interpretieren die Öl-Bauern und Kamel-Jockeys als anale Geste, was ebenfalls als tiefe Beleidigung aufgefasst wird. Überhaupt sind die Jungs in den langen weißen Kitteln und den lustigen, Kufiyas genannten Hütchen immer ziemlich schnell eingeschnappt.
Während Angie selbst behauptet, ihre inzwischen auch von ihrem Ex-Außenminister, Spaß-vergangen-Guido Westerwelle, Turk-Premier Recep Tayyip Erdoğan sowie Tommy-Regierungschef i.R. Flash-Gordon Brown kopierte Geste helfe ihr dabei, den Rücken gerade zu halten (es gibt ja Menschen, die haben ein so dickes Fell, dass sie auch ohne Rückgrat stehen können), sprechen Körpersprachenforscher vom „Merkel-Dach“. Dies sei ein Symbol für Nachbarschaft und Brücken. Also, wenn das beispielsweise ein Steg über einen Wildbach wäre, schwimme ich lieber durch. Nachbarn hin, Nachbarn her.

Rote Tinte auf stahlhartem Bildungs-Beton

Überhaupt, andere Länder, andere Sitten. Ein Kopfnicken muss nicht immer und überall freundliche Zustimmung signalisieren. In Bulgarien, Albanien, Pakistan und Indien beispielsweise wird damit eindeutige Ablehnung zum Ausdruck gebracht. Mit einem emporgestreckten Daumen mögen wir staatlich geprüften Mitteleuropäer Lob, Anerkennung und Zustimmung signalisieren, doch bei Australiern und Nigerianern macht man/frau sich damit keine Freunde, weil die Mitglieder der Africaan-Outback-Connection meinen, den aufrecht stehenden Däumling als übelste vulgäre Beschimpfung interpretieren zu müssen. Tja.. In Taiwan wird auch grundsätzlich nicht mit roter Tinte geschrieben, weil das angeblich Unglück bringt. Eine realistische Einschätzung, die durch die unzähligen, in gleicher Farbe gehaltenen Anmerkungen gestützt werden, die sich unter meinen frühen Klassenarbeiten finden. Und das hatte in Folge dramatische Auswirkungen auf meine weitere Schulkarriere. Da soll noch einmal einer behaupten, Rot sei die Farbe der Liebe. Das zarte Pflänzchen Bildung fiel bei mir jedenfalls auf stahlharten Beton.
Wie kamen wir jetzt eigentlich vom Hölzchen aufs Stöckchen? Ach ja, die beiden Faulenzer auf der Bank. So eine Art mediterrane Ausgabe von Waldorf & Statler. Ich werde das Gefühl nicht los, dass diese Beiden von ihrem Logenplatz aus alles im Blick haben und sich die Mäuler über die vorbei flanierenden Passanten zerreißen. Wie die nörgelnden Opas aus der Muppets-Show, die übrigens Charles und Herbert mit Vornamen heißen. Es gibt doch nichts Spannenderes, als sich von gesicherter Warte aus an den Eigenheiten und Auffälligkeiten der vorbei wandelnden Mitmenschen zu ergötzen. Jeder Fußgängerzonen-gestählte Lästerer weiß das. Da bietet sich einem stets und garantiert ganz großes Kino!
Wurzelsepp und Fritten-Fieber
Da ist beispielsweise dieser schlacksige, auf jugendlich getrimmte Schein-Intellektuelle, der aussieht, als sei er von einer Leihmutter durch den Pullover gestillt worden, und zwar mit Öko-Brause aus dem Eine-Welt-Laden. Zwei Möglichkeiten: Entweder, dieser zelebrale Inkontinenzler
ist bei einem verunglückten Genexperiment entflohen, oder er ist die personifizierte Rache Gottes für den Wegfall des Buß- und Bettages.
Die in Ehren ergraute und versaute Mittvierzigerin mit dem auffälligen Pantherkopf-Tattoo im oberen Drittel ihres Maurer-Dekolletés erweckt den Eindruck, als könne sie sich auch von keinem Kleidungsstück trennen. Der würde man(n) ohne weiteres zutrauen, über die Leitung eines schnurlosen Telefons zu stolpern. Und der sich an der Pommesbude mit dem bezeichnenden Namen „Fritten-Fever“ vis-a-vis breit machende, leicht pfundig-füllige Wurzelsepp in dem geschmacksneutralen Lodenmantel kontinentalen Ausmaßes hat garantiert eine eigene Postleitzahl. Besser ein rundes Etwas als ein eckiges Nichts! Ein Gesicht wie ein Bernhardiner mit Kreislaufschwäche. Wenn der auf dem Bauch schläft, bekommt er garantiert Höhenangst. Eventuell handelt es sich hier aber gar nicht um Fettleibigkeit, sondern lediglich um Körpermumps.

Unterbodenversiegelung für Schneewittchen

Seine Begleiterin, die aus dem gleichen Pulver geschnitzt und ebenso gut beisammen ist, geht zum Duschen in die Autowaschstraße – Unterbodenversiegelung inklusive. Ich kann mir folgenden Dialog morgens vorn dem Spiegel sehr gut vorstellen, Sie: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Er, der Spiegel: Geh‘ mal zur Seite. Ich kann ja nix sehen! Drum merke: Willst du dir den Tag versauen, musst du in den Spiegel schauen! Hat ja schon die neidische böse Königin in Schneewittchen erfahren müssen.
Bei ihrem blonden Pendant/Pendantin gegenüber vor dem Schaufenster des kleinen Lädchens für fair gehandelte ökologische Pflegeprodukte aus freilaufender Bodenhaltung (handgeblasen und mundgetöpfert), rein optisch eine Mischung aus Sponge-Bob und Helge Schneider, übersteigt der Lederanteil in der Gesichtshaut deutlich den der restlichen Garderobe. Motto: Rede nicht von Schönheit, wenn Dein Gehirn weniger wiegt als Dein Make-Up! Ja, und wenn ich ihren stramm-verknitterten Begleiter, diesen grenz-debilen, Testosteron-geschwängerten und wie Kommissar Rex nach der Wurmkur dreinblickenden Gesichts-Elfmeter richtig einschätze, dann versteht der unter einem Sieben-Gänge-Menü einen Sixpack Oettinger und die BILD-Zeitung. Außerdem hat er eine Glatze. Das ist FKK auf höchster Ebene! Alle haben Haare nur nicht Torsten, der hat Borsten.

Querschläger der Evolution

Aber vielleicht tue ich dem Mann Unrecht. Er ist eine Laune der Natur, ein Querschläger der Evolution. Möglicherweise hat der liebe Gott bei seiner Konstruktion aber auch nur eine verlorene Wette eingelöst. Der vom Wind in Wortfetzen herübergetragenen Unterhaltung zwischen beiden ist zu entnehmen, dass die Frau sofort nach dem Tod ihres Mennes Witwe geworden war. Antwort auf ihre Frage, warum er die ganze Zeit hinter ihr hergelaufen sei: Jetzt, wo sie sich umgedreht haben, frage ich mich das auch!
Aber genug des Passanten-Bashings! Wo waren wir liegen geblieben? Ja richtig, bei Herbert Statler und Charles Waldorf-Astoria. Von letzterem ist folgendes Zitat überliefert: Wer im Glashaus sitzt, sollte sich im Dunkeln ausziehen... Und dabei belassen wir es für heute. Wobei die existentiell bedeutsame Frage, warum Rundschreiben meist in einem rechteckigen Umschlag verschickt werden, immer noch nicht beantwortet ist ….
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