Vom Erklärungsirrsinn der Gebrauchsanweisungen: Fressen Sie die Packungsbeilage! „Ungelaubte Benutzung kann Verhaft zu Grunde sein!“

Viele Gebrauchsanweisungen und Aufbauanleitungen helfen dem Verbraucher und/oder Heimwerker nicht wirklich weiter, können aber, je nachdem, ein Quell der Verzweiflung oder der Erheiterung sein. (Foto: Rainer Sturm/S. Hofschlaeger/pixelio.de)

„Während Sie Steckbuchse A ein wenig in Richtung A drücken, drücken Sie Buchse A kräftig in Richtung B, bis Sie hören kräftiges Klack in der linker und rechter Scharnier“. Jeder, der schon mal versucht hat, gemäß „Beipackzettel“ ein in handliche Einzelteil-Happen zerlegtes und verpacktes Schuhregal aus dem Baumarkt zusammen zu schustern, weiß: Dieser Wahnsinn hat Methode und dient nur einem Ziel: den gemeinen Hobby- und Freizeitwerker in den selbigen zu treiben. Wir sind umzingelt von Sprachmüllmännern, lallenden Wort-Terroristen und grummelnden Orthografie-Psychopathen. Insofern stimmt es doch, dass die schönsten und aberwitzigsten Geschichten das Leben selbst schreibt, bzw. jene, die für die Inhalte von Aufbauanleitungen, Gebrauchsanweisungen und Warnhinweisen verantwortlich sind. Ein ganz großes Themenfeld. Zu Risiken und Nebenwirkungen fressen Sie die Packungsbeilage und bekotzen ihren Arzt und/oder Apotheker!

Das ist eine weltweite Verschwörung, ein Kartell der und des Absurden. Und das lauert zwischen jedem Wort und jeder Zeile der mal mehr, mal weniger opulent ausfallenden „Handbücher“. Gut, Ikea hat sein System inzwischen umgestellt, von Wörtern, die, wahllos und nach dem Zufallsprinzip aneinandergereiht, meist sowieso wenig oder keinen Sinn ergaben, auf Piktogramme. Aber das macht die Situation auch nicht besser und verlagert das Problem nur auf eine zusätzliche zweite Ebene, die der Analphabeten und Legastheniker. Chancengleichheit für alle!

Wenn man nicht gerade zu den unmittelbar Betroffenen und somit Opfern gehört, die sich mir derlei Erklärungsirrsinn herumschlagen müssen, aus der Distanz betrachtet gibt es nichts Amüsanteres und Lustigeres als eben solche Leitfäden. Die stellen vom Unterhaltungswert her gesehen mit ihrer (unfreiwilligen) Komik und Schwarz auf Weiß fixierten Realsatire selbst hochdekorierte Comedypreisträger und gestandene Polit-Kabarettisten locker in den Schatten. Während letztere Wochen und Monaten an ihren Programmen feilen, tropft es den Urhebern solcher und ähnlicher Gebrauchs-Ratgeber nur so aus den Federn. Sie zu lesen bedeutet, die Sonne zwischen den trüben Wolken der Wehmut hindurch scheinen und sich lächelnd auf den sanft kräuselnden Wellen des Stilblüten-Meeres treiben zu lassen. Man braucht gar nicht lange angeln, um solche Perlen aus den Fluten zu fischen.

Software mit maximum Biegsamkeit

Da wird Geradebrecht, dass die deutsche Sprache kracht. Originalton: „Die Innerseite ist definniert, so dass System software gibt maximum biegsamkeit im verbergten stimmten Tatstaturwirkung“. Alles klar? Dem Ingeniör ist schließlich nix zu schwer! Ob die überwiegend global operierenden Hersteller so unterschiedlicher Produkte wie Weihnachstbeleuchtungen, Taschenrechnern oder Batterie betriebener, singender Hängeregale nur am Übersetzungsprogramm gespart, oder ihre technischen Redakteure an irgendwelchen exotischen Wurzeln gelutscht bzw. unter dem Einfluss alkoholisierender Substanzen gestanden haben („Ich trinke selten, dann aber häufig und viel), bleibt sich im Ergebnis völlig egal. Entscheidend ist, was hinten herauskommt, hat weiland ja schon „Birne“, unser dicker Saumagen- und Bimbes-Pfälzer, messerscharf erkannt.
Aus der Gebrauchsanweisung für ein Mobiltelefon: „Stellen Sie die Gerte des Singweisen Griffers Zur EINSTELLUNG. Eine nette Singweise wird verbeugen den anderen Teil auf denn Telephon von hörender Ihrer“. Dagegen war der Uralt- Nippel von Supernase Krüger, den man lediglich durch die Lasche ziehen musste, ja noch vergleichsweise harmlos und jugendfrei.

Erfolg bei anderes Gesleckt unter finsterem Tannn

Der Klassiker unter diesen und ähnlich inhaltsschweren Brüllern kommt aus Fernost. Er spiegelt zugleich in rührender Infantilität wider, wie sich (einige) Japaner offenbar deutsche Weihnachten vorstellen. Es geht um einen beleuchteten Christfestanstecker: „Auspack und freu! Herzlichst Gluckwuensch zu gemutlicher Weihnachtskerze Kauf. Slippel A kaum abbiegen und verklappen in Gegenstippel B fuer Illumination. Mit sensazionell Modell GWK 90191 Sie bekommen nicht teutonische Gemutlichkeit fuer trautes Heim nur, auch Erfolg als moderner Mensch bei anderes Gesleckt nach Weihnachtsganz aufgegessen und laenger, weil Batterie viel Zeit gut lange. Zu erreischen Gluckseligkeit unter finsterem Tann“. Oh Du Fröhliche!!!!!
Nur für die, denen sich die inhaltliche Genialität dieser Aussage nicht in Gänze oder gleich auf Anhieb erschließt, hier die vereinfachte Kurzfassung: „Diese Weihnachtsbeleuchtung taucht ihre Zuhause in ein gemütliches Licht und macht Sie Dank der starken Batterie gegenüber Frauen unwiderstehlich. Dann ist das Glück unterm Tannenbau perfekt. Whow!! Eine erotisierend, Eier legende Wollmilchsau, die auch nocht leuchtet. Was für ein geiles Produkt! Muss ich unbedingt haben.

Mindestens in der gleichen (Champions-)Liga der technischen Stummelsprach-Artisten spielen da die Kollegen der Südkorea-Fraktion mit ihrer „Bedynungsanleitung für fortgeschrittenes Eingabegerätschaft“ - was auch immer damit gemeint war: „Auf keines Falles das fortschrittliche Eingabegerät unter das Wasser benutzten. Dies kann unwiederbringliches Verluste desselben führen und tiefe Beschadigungen körperlich hervorrufen“. Gut zu wissen! Und weiter im Text: „Sicheres Lagern an tieffliegenden oder hochliegenden Teilen des Behausung (Keller, Dachstubes) kann langjährige Unbeschädigung gefährden“. Na bitte. Spätestens an dieser Stelle beginnt der Hamster zu humpeln. Aber das ist noch nicht alles: „Fortschrittliches Eingabegerät ist gerüstet mit hochleuchtendes Diode. Niemals in dieses Schauen, weil Blind zu befürchten kann. Unverdinglich Arzt besuchen, wenn so ist gewesen“. Ich weiß zwar nicht, um welche Eingabegerätschaft es sich hier genau handelt, aber das Ding scheint mir wirklich ziemlich gefährlich zu sein, zumal: „An Feiertagen zu benutzen ist abhängig von gegeben Erlaubnis Gesetzes Gebers. Ungelaubte Benutzung an diese Tagen des Feiers kann Verhaft zu Grunde sein“. Uff!

Kaltgepresstes Olivenöl mit Fachabitur

Überhaupt sind unsere koreanischen Freunde sehr einfallsreich, wenn es darum geht, die fachgerechte Handhabung eines komplexen Gerätes plastisch zu erklären. Da nimmt das unbefleckte Verhängnis sehr schnell seinen verhängnosvollen Lauf. Aus der Anleitung für ein Feuerzeug: „Während Operation, Windbeweis Flamme ist versagt, wenn der Schalter Presse hinunter ist, folgen Sie durch normale Flamme, wenn der Schalter frei-gelasse ist“. Der Autor dieser Zeilen ist übrigens mehrsprachlich aufgewachsen, meist wohl in totaler geistiger Umnachtung. Seine erste Fremdsprache war Kannitverstahn. Und er bekam als Baby statt der Muttermilch rechtsdrehendes, kaltgepresstes Olivenöl mit Fachabitur zu trinken. Vielleicht ist er aber auch nur durch den Pullover gestillt worden.
Nicht viel falsch machen kann man/frau auch, sofern er/sie sich strikt an die Tipps für das Anbringen eines Küchenhängeregals mit zwei Brettern hält. Das Produkt stammt aus einem bekannten Möbelmarkt (nicht IKEA): „Du habe Bretter und Schrauben. Makst Du Schraube in Loch. Wenn passt, dann gut. Wenn nix passt, dann nimmt Wand und schraube fest. Schaue Bilt und gucke, ob gut ist“. Jesses Maria! Da wird doch auf den ersten Blick klar, wo der Frost die Locken hat! Noch ein Beispiel gefällig? Aus der Gebrauchsanleitung für ein Knicklicht: „Nehmen das Produkt aus der VerPacking aus. Biegen einmal, dann das Rohr schwenken. Dann stecken die Licht-stock in den Ring-Joint und Den Laterne-Form machen“. Aber Vorsicht, das Ding ist nicht ganz ohne: „Die Fluessigkeit inner des Rohrs ist giftlos und unbrennbar, aber sie kann in Moebels und Kleidung stehenbleiben. Bei Haut-oder Augenkontakt kann man kurze ungemuetliche Gefuehl sich fuehlen!“ Manno! War doch klar, das da irgendein ein Haken an der Sache ist….. Dagegen ist Biblis A ein Hort der Sicherheit!

Piranhas im Klospülkasten

In der Betriebsanleitung für ein Mini-Aquarium mit künstlichen Fischen stand folgendes zu lesen: „Fallen den Fisch in das Wasser. Lebensunterhalt aus direkter Sonne leuchtet. Wichtig: Falls Fisch schweben in Ecke in einer Gruppe beginnt, ersetzen Batterie und Zug fischt unter Benutzung Pinzetten“. Da halte ich mir doch lieber einen echten Piranha im Klospülkasten! Aber wir Deutschen wären nicht wir, würden wir diese Spielweise allein den Literaten aus anderen Ländern überlassen. Auch der teutonische Ingenieur kann es beim Formulieren einer Gebrauchsanweisung richtig klirren und krachen lassen: „Die Telefonaufnahme erfolgt, wenn das Gerät durch den Lautsprecherregler 9 eingeschaltet wurde, der Schnellsucher 15 nach links in die Anfangsstellung 0 der Diktatfolie bewegt wird und der Schalter 6 auf Telefon umgeschaltet wird. Selbstverständlich muss zuvor eine Diktatfolie eingelegt werden“. Noch Fragen? Auspack und freu!
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