Lottogewinn! Doña Susana, eine Kreuzfahrt auf der MS „Ebola“ und 47 Runden Dom Perignon im „Chez Nous“

Yipppieh! Niemals bin ich bei diesem Sch… Hessen-Lotto über eine richtige Spiel-77-Endzahl hinausgekommen. Und beim spanischen Online Lottery Department hatte ich auf Anhieb die richtige „glucksnummer“ in der „zweitens kategorie“. (Foto: Jörg Kleinschmidt/Flemming-Design/birgitH/pixelio.de)
 
Post von Doña Susana Lozano: Ich bin endlich auf der Gewinnerseite!
Tschakka! Hey, ich bin reich. Steinreich. Lotto-Millionär! Also fast. Fehlen knappe 65.000 EUR bis zur Siebenstelligen. Da verfolge ich seit Jahren gebannt die Ziehungen von 6 aus 49, investiere Woche für Woche einen horrenden einstelligen Betrag und werde stets aufs Neue bitter enttäuscht. Zu mehr als einer richtigen Endzahl im Spiel 77 hat's nie gereicht. Und dann schneit plötzlich und unerwartet die Nachricht ins Haus, ich hätte 935. 470.00 Euronen gewonnen. In Worten: NEUNHUNDERT FÜNFUNDDREISSIGTAUSENDVIERHUNDERTUNDSIEBZIG. Also, ich habe dann gleich schon mal bei meiner Firma gekündigt, einen neuen Porsche bestellt, meine vier unehelichen Kinder offiziell anerkannt, zugunsten meines Bruders auf das Erbteil unseres Onkels Dagobert D. verzichte, dem Tierheim die Anwartschaft auf meine private Altersvorsorge übertragen und im Eine-Welt-Laden um die Ecke eine Weltkreuzfahrt auf der MS Ebola gebucht. Die 47 Saalrunden Dom Perignon im "Chez Nous", dem exquisiten Etablissement für den Herren mit gehobenem Anspruch, gingen natürlich alle auf mich. Meine 61 sich zu diesem Zeitpunkt dort aufhaltenden neuen Freunde nebst Begleiterinnen sollte ja schließlich teilhaben an meinem jubilierenden Höhenflug.

Susana, Du bist ein Schatz! Ich weiß zwar jetzt nicht wie Du aussieht, aber das ist absolut egal. Und wenn Du Plattfüße im Hohlkreuz hättest, oder Kacke an der Backe, völlig wurscht. Susana ist der Name jener geheimnisvollen Frau, die mich in den siebten Himmel geschossen und eine ganze Lawine von Glückshormonen losgetreten hat. Doña Susana Lozano! Was für ein Name. Was für ein Klang. Auf sechs Buchstaben komprimierte Poesie. Viva España! "Gluckwunsche noch einmal. Herzlichs", schrieb sie mir mit viel Empathie. Das kam von Herzen. Merkt man(n) sofort. Gut, die leicht schwächelnde Rechtsschreibung war bestimmt auch der Aufregung geschuldet. Man /frau freut sich ja mit, einem anderen Menschen eine derart fulminante Glücksbotschaft übermitteln zu können.

Señora Lozano ist die Vorzimmer-Dame des Präsidenten des Online Lottery Departments von EuroMillions in Madrid, dem ich meinen plötzlichen Reichtum verdanke. Mein "los mit dir nummer 723-154-27576 und der glucksnummer (03)(07) haben nämlich in der zweitens kategorie gewonnen", heißt es in ihrer als „OFFFIZIELLE GEWINNBENACHRITTIGUNG“ deklarierten, mein bisheriges Leben komplett auf den Kopf stellenden und im besten offiziellen spanischen Amtsdeutsch gehaltenen email wörtlich. Aha! Die Summe ergibt sich aus einer "Gewinnausschuttung" von € 25,257,690,00 EUR und "wurde durch 27 gewinnern aus der glieichen kategorie geteilt. HERZLICHEN GLUCKWUNSCH!!!" Mein Name sei per Computer unter 45 Millionen anderen weltweit ermittelt worden, erfahre ich. Da kann man mal sehen, was ich für ein Dusel gehabt habe. Ich habe es ja immer schon gesagt: Glück hat auf die Dauer eben nur der Tüchtige!
An der Seriosität von EuroMillions besteht für mich sowieso kein Zweifel. Schließlich arbeiten die Jungs, wie von ihnen dargelegt, eng mit dem "Ministerio de Economia y Hacienda" zusammen. Und dass sich der spanische Staat, auch wenn er klamm ist, mit zwielichtigen Geschäftspartner abgibt, ist eher unwahrscheinlich.

Ein großer Deckel im „Chez Nous“

Ich kann mich zwar jetzt nicht genau daran erinnern, bei diesem Gewinnspiel mitgemacht zu haben, bin aber durchaus bereit, großzügig über diese kleine diskrepante Ungereimtheit hinweg zu sehen. Ja und natürlich halte ich mich strikt an die Anweisung "diese offizielle mitteilung, diskret zu Behandelnes", zumal sie ja, wie beschrieben, Teil des Sicherheitsprotokolls ist und mir einen reibungslosen Ablauf garantiert. Auch dass der Gewinn bei einer Sicherheitsfirma namens GENERALI SEGUROS S.A hinterlegt ist, der ich (allerdings erst nach Empfang der Gewinnsumme) 5 Prozent dieses Betrags als Provison und Bearbeitungsgebühr zahlen muss, fällt da kaum ins Gewicht. Was sind schon schlappe 46.773 EUR angesichts einer knappen Million? Soviel hatte ich allein in der ersten Euphorie im "Chez Nous" auf den Kopf gehauen. Und in dieser Summe ist der Dom Perignon noch gar nicht enthalten. Den "Deckel", den ich da gemacht habe, muss ich allerdings noch begleichen.

Und wie komme ich jetzt an die Kohle? Meinen Gewinnanspruch muss bis spätestens 17. Dezember bei GENERALI SEGUROS geltend gemacht sein. Das geht ganz formlos. Ich brauche nur ein Datenblatt, in dem nach meinem Namen, dem Geschlecht, der Adresse und anderen marginalen Details aus meinem Leben gefragt wird, auszufüllen und an eine yahoo-Adresse zu mailen. Das war's. Die melden sich dann bei mir und wenig später schleppt der Postbote mir säckeweise Schotter ins Haus.

Wo beginnt der Hamster zu humpeln?

Aber wo, who the fuck, ist der Haken an der Sache, wo lahmt der Pferdefuß, beginnt der Hamster zu humpeln und der Goldfisch zu joggen? Was ist, wenn ich mit dem Absenden des Coupons rechtsverbindlich Aktienpakete eines bankrotten Kondomherstellers in Vatikanstadt erwerbe oder mich in eine unlängst in der Sahelzone eröffneten Fabrik zur Herstellung atomkraftbetriebener Schneeräumgeräte mit integrierten Fischaufstiegshilfen einkaufe? Gut, ich bin ja nicht ganz blöd. Ich habe den Gewinn-Anspruch einschließlich aller dort abgefragten Daten erst mal im Namen eines Arbeitskollegen ausgefüllt und verschickt und warte mal gespannt ab, was jetzt passiert. Wenn bei dem demnächst die schwarz vermummten Herrn vom MEK vor der Türe stehen oder der Bofrost-Mann mit dem Sattelschlepper kommt, weiß ich Bescheid.
Die Kündigung an meine Firma habe ich glücklicherweise noch nicht abgeschickt, und die Kreuzfahrt kann ich stornieren. Ebenso den Porsche-Kauf. Gut, auf der Champagner-Rechnung aus dem Chez-Nous werde ich wohl sitzen bleiben. Und vielleicht hätte ich meinen Chef am Telefon doch nicht gleich als halbgare Tunte und infantiles Hämroiden-Hämatom bezeichnen sollen. Das war, nüchtern betrachtet, etwas vorschnell und unüberlegt. Und ich hab’s auch eigentlich
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