Die Ente mit dem stechenden Blick: Phobiker aller Länder vereinigt Euch! Unsere Ängste und Neurosen sind uns lieb und teuer

Ist aber auch unangenehm, wenn einen eine Ente so stechend anstarrt. Menschen, die einen Horror davor haben, bezeichnet die einschlägige Wissenschaft als „Anatidaephobiker“. (Foto: Feeloona/Pixabay)
 
Nicht fortlaufen: Stellen wir uns einfach unseren Neurosen und Ängsten. (Foto: Geralt/Pixabay)
 
Wer nennt die Namen, nennt die Macken: Angststörungen, unter denen Menschen leiden, gibt es Tausende. Nicht immer sind sie nachvollziehbar – für die Betroffenen aber schon. (Foto: Artemtation)
 
Die Panik, dass Erdnussbutter am Gaumen kleben bleiben könnte, wird eigentlich überbewertet. Aber wie sollen wir das einer „Arachibutyrophobikerin“ plausibel erklären? (Foto: Artemtation)
Nur keine Panik! Wenn sich die Synapsen in der Cortex-Lappung als partout inkompatibel und porös erweisen, kann es, wenn der Umgebungsluftdruck sinkt und der Anteil der Sauerstoffmoleküle in der Luft unter die kritische Marke von 129 Dezibel fällt, zu Zwangsstörungen (OCD = obsessive-compulsive disorder) kommen. Solche werden zu den Neurosen gezählt. Solche können sich in Zwangsgedanken oder stereotypen, ritualisierten Zwangshandlungen manifestieren. Am häufigsten leiden Zwangsgestörte an Wasch- oder Reinigungszwängen, wie man sie in zivilisierten, dörflichen Neubaugebieten oft unter besonders peniblen Hausfrauen vorfindet. Zur großen Familie dieser Krankheitsbilder gehören auch Hysterien, Hypochondrien und Phobien, wobei letztere ein besonders interessantes Feld darstellen. Bis dato glaubte ich beispielsweise immer, ein Neurotiker sei jemand, der sich Luftschlösser baue, während der Psychotiker darin wohnen würde, während der Psychotherapeut derjenige wäre, der dann die Miete kassiere. Aber da hat der Po-Frostmann unseres Vertrauens, der mir das so erklärt hat, wohl etwas durcheinander geworfen…..
Phobien gibt es ja Hunderte, wenn nicht Tausende. Die Psychiatrie spricht von Angststörungen, bei denen entweder eine übertriebener unspezifischer Horror oder eine konkrete Furcht bzw. Abneigung vor einem bestimmten Objekt bzw. einer bestimmten Situation vorliegt.

Es wimmelt von Gestörten

Bislang dachte ich immer, ich wäre gesund und normal - untenherum und im Kopf. Aber nach dem Studium entsprechender im Internet kursierender wissenschaftlicher Studien über Phobien, weiß ich: Ich bin todkrank! Und nicht nur ich. In meinem Verwandten- und (zugegeben) überschaubaren Freundeskreis wimmelt es von Gestörten. Willkommen im Club! Würde allein ich mich auf alles behandeln lassen, meine Krankenkasse wäre schon längst pleite. Und wir hätten einige neue Millionäre im weißen Kittel mehr. Fangen wir mal mit der „Aquaphobie“ an, der Abneigung vor Wasser und davor, Wasser zu trinken. Äbbelwoi und Quzo sind halt viel leckerer. Nachdem die Frau meines adoptierten Cousins mütterlicherseits diesen unlängst zum WSV mitgeschleppt und durch gefühlte 50 Geschäfte gescheucht hat, leidet der an einer „Bargainophobie“. Das ist die Angst vor wie auch immer gearteten Aus-, Sommer- und Winterschlussverkäufen. Allein die Vorstellung von kreischenden Frauen, Wühltischen und endlosen langen Schlangen an den Kassen löst bei ihm schon Panikattacken aus. Eine einziges harmloses „Sale"-Schild in einem Schaufenster, und der Tag ist für ihn gelaufen.

Beim Brauttanz fast zum Krüppel gestampft

Eine „Chorophobie“ hatte man bei ihm schon kurz nach der Hochzeit diagnostiziert, nachdem seine Ex-Verlobte ihn beim Brauttanz fast zum Krüppel gestampft hätte. Als Chorophobiker pflegt man Menschen zu bezeichnen, denen allein die Vorstellung, sich auf dem Parkett zu verrenken, die Schweißperlen auf die Plotze treibt. Kein Witz. Gibt es wirklich. Auszug aus einem Internetforum zu diesem Thema (bitte großzügig über die Rechtschreibfehler und Interpunktionsdefizite hinwegsehen): „Es ist für mich persönlich einfach ekelig, kitschig, hässlich und geschmacklos sich durch die gegend zu schaukeln und zu drehen, und es wiedert mich einfach nur an. Allein das zugucken ertrage ich nicht und will am liebste alle von der Tanzfläche klatschen weil es einfach nur hässlich aussieht. Das bloße zugucken wiedert mich an. Ich persönlich würde lieber mit einem Besen im A. Wurstbrötchen essend aus einem Flugzeug springen und zwar ohne Fallschirm als bei sowas mitzumachen“. Ende der Durchsage. Als Kandidat für „Let’s Dance“ dürfte der Knabe wohl eher nicht in Frage kommen… Davon abgesehen: Seit seinem choreografischen Schlüsselerlebnis kämpft mein Vetter zweiten Grades (siehe oben) mit mäßigem Erfolg auch gegen eine „Gamophobie“an: seinen Widerwillen gegen Heirat.
Eine „Cherophobie“ ist wieder etwas anderes. Eine solche kann einen befallen, so frau beim Zappen durch Zufall in einer Comedysendung von RTL 2 landet. Unter besagtem Begriff verbirgt sich eine nur schwer therapierbare Aversion gegenüber (dieser Art von) Fröhlichkeit und Heiterkeit, wie sie bei den Privatsendern ja auf höchstem intellektuellen Niveau gepflegt wird. Und nicht nur bei denen. Der Betroffene meidet alle Orte, Plätze oder Situationen, an denen es lustig zugeht. In unserer Firma hingegen würde sich dieser Nebenwerbs-Geliophobiker, dem auch jedwedes Lachen suspekt ist, pudelwohl fühlen.

Pegida raubt dem Heine-Heinrich den Schlaf

Seit Pegida in Drääsden und anderswo tapfer das Abendland verteidigt, lässt sich bei vielen Menschen auch eine akute „Teutophobie“ nicht mehr leugnen. Ein weiterer Fachbegriff dafür ist „Germanophobie“. Er umschreibt das Grausen vor Deutschland und seiner (vermeintlichen) Kultur. Heinrich Heine hatte das seinerzeit so formuliert: Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht… Geht vielen mit Pegida ja auch so…
Und da wäre diese unselig machende Kombination aus „Hierophobie“ (=Abneigung gegenüber Priestern), „Homilophobie“ (=Beklemmung bei Predigten) und einer „Ecclesiophobie“ (= Angst vor Kirchen), die Sonntagsmorgens zwischen 9.30 und 11.30 besonders ausgeprägt scheint. Diesen realen Ressentiments setzen wir ein beherztes „Kirchen von außen, Berge von unten, Kneipen von innen“ entgegen.

Viel Trinken ist gesund!

Apropos Kneipe: Nach einer langen, durchzechten und von „Diplopiphobie“ (darunter versteht man die konkrete Angst vor dem Doppeltsehen) begleiteten Nacht bricht bei meinem wackeren Nachbarn mit schöner Regelmäßigkeit eine akute“ Nostophobie „(= die Scheu, heimzukehren) durch, die noch durch eine „Mnemophobie“ (=übertriebene Sorge vor (peinlichen) Erinnerungen) verstärkt wird. Von der „Optophobie“, dem Bangen davor, die Augen zu öffnen) ganz zu schweigen. Einhergehend damit die Angst vor Koordinationsstörungen („Ataxiophobia“) und solcher vor Gedächtnisverlust = „Amnesiphobie“. Zum Paket gehört auch eine „Emetophobie“. Das ist die Beklemmung, dass (und bevor) man sich übergeben muss. Zugrunde liegt all diesen Störungen aber eine ausgeprägte „Xerophobie“ (= Angst vor Trockenheit). Viel Trinken ist halt gesund!

Kneipen von innen, Kirchen von außen

Unter einer „Phasmophobie“/“Pneumatiphobie“ bzw. „Spectrophobie“ (bei allen dreien geht es um die Furcht vor Geistern und/oder Gespenstern) leidet mein Schwippschwager, nachdem ihm seine zu Besuch weilende Schwiegermutter nachts im Flur auf dem Gang zur Toilette begegnet ist. Und eine „Deipnophobie“ (= Schiss vor Mahlzeiten) bzw. „Sitophobie“ (= Angst vor Nahrung) ist bei ihm ausgebrochen, nachdem Frauchen bei der Volkshochschule einen veganischen Kochkurs belegt und mit summa cum laude abgeschlossen hat. Das Ganze führte zwangsläufig zu einer schweren „Lachanophobie“, einer unbeschreiblichen Abneigung gegenüber Gemüse. Da wollen wir gar nicht von der „Dentophobie“ bzw. „Odontophobie“ reden. Darunter leiden Menschen, denen Zahnärzte suspekt sind. Wäre noch die montagmorgendlichen „Ergophobie“ zu erwähnen, die Scheu vor der Arbeit, die ja von nicht wenigen als das Unkraut auf der Wiese des Lebens wahrgenommen wird. Ressentiments gegenüber dieser Form von Zeitverschwendung sind entsprechend weit verbreitet – bei vielen nicht nur montags, sondern durchgehend.
Diese Auflistung zeigt, hier kommt (fast) jede Hilfe zu spät. Wären da nicht andere, denen es noch schlimmer geht. Es gibt natürlich noch viel, viel exotischere und abenteuerlichere Vorbehalte: Dazu zählt die „Hippopotomonstrosesquippedaliophobie“. Damit wird ein eklatantes, durch überlange Wörter und Begriffe ausgelöstes Unbehagen beschrieben. „Rindfleischetikettierungs-Überwachungsaufgaben-Übertragungsgesetz“ oder „Atombombentestgeländeverwaltungsraumschlüssel“ werden die meisten kennen.

Donald Ducks stechender Blick

Und es kommt, quak, quak, noch dicker: „Anatidaephobiker“ sind Menschen, die Herzklopfen und Magenkrämpfe bekommen, wenn sie sich von Enten beobachtet fühlen. Wirklich! Diese Volkskrankheit beschränkt sich keineswegs auf die Anwohner des Uckersdorfer Vogelparks. In einen 2C4 einzusteigen, und sei es nur auf der Beifahrerseite, wäre für diese Patienten unvorstellbar.
Da ist es bis zu einer „Hasenphobie“ ja nur ein kleiner Schritt. Leute mit selbiger kommen als Playboy-Abonnenten eher nicht in Betracht. Entsprechend ausgeprägte Neurosen kennt die interessierte Öffentlichkeit seit einem spektakulären Prozess vor dem Amtsgericht in Vechta. Daselbst hatte eine Lehrerin einer 16-jährigen Schülerin per Urteil untersagen wollen, zu behaupten, sie hätte eine solche krankhafte Mümmelmann-Aversion. Da stellt sich nebenbei die Frage, was machen davon Betroffene an Ostern? Sie könnten in China um temporäres Asyl bitten, sofern sie nicht gleichzeitig unter einer „Ovinaphobie“ leiden. Das ist dasselbe in Grün, nur auf Määhs bezogen. Unsere gelben Freunde in Ostasien feiern 2015 das Jahr des Schafes. Das Zählen dieser wolligen, zu den ziegenartigen Paarhufern gerechneten Blöker zwecks Einschlafhilfe kommt für entsprechende gestrickte Phobiker dann natürlich auch nicht in Betracht.

Spieglein, Spieglein an der Wand …

Ja, und dann sind da noch die „Arachibutyrophobiker“. Die leiden unter einer von einer ganz realen, überdurchschnittlich häufig auftretenden Gefahrensituation ausgehenden Bange, nämlich dass Erdnussbutter an ihrem Gaumen klebenbleiben könnte. Als „Hypnotopophobie“ hingegen kennt die Psychomedizin die Angst vorm Bettenmachen. Schließlich kann man ja nie wissen, was dabei alles zum Vorschein kommt. Die „Catoptrophobie“, die Scheu vor Spiegeln bzw. davor, in solche zu blicken, scheint mir im Falle einiger meiner Arbeitskolleginnen jedoch eher ein Selbstschutzmechanismus der Psyche zu sein….

Goldene Zeiten für Therapeuten

Aber das ist ja noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Täglich werden neue Angststörungen und/oder damit zusammenhängende Aversionen entdeckt, und sei es, dass sie sich nur in abgeschwächter Form manifestieren. Goldene Zeiten für Psycho-Klempner und Therapeuten. Sie garantieren ihnen auf Dauer Vollbeschäftigung. Und wenn’s mal etwas schleppend mit dem Aufpoppen bis da dato unbekannter Abneigungen gehen sollte, erfinden wir einfach welche. Zum Beispiel die Haklephobie. Sie beschreibt extremen Widerwillen gegen die Benutzung von Toilettenpapier. Hinter der Blendaelmexaronalinorexie verbirgt sich der Ekel vor Zahncreme, während die Lilakuhflatulenza nichts anderes bedeutet, als dass der davon Betroffene eine bestimmte Schokoladensorte nicht mag. Die Harribophobie ist selbsterklärend. Wir hassen Gummibärchen! Eng damit verwandt ist die Chronische Balzenbäh, die dauerhafte Unverträglichkeit von Salzgebäck eines namhaften Herstellers.
Hinter einem ZEWA-Insipidus steckt Widerwillen gegenüber Papiertüchern, die Contipirellinekrose lässt vermuten, dass der Patient Winterreifen nicht mag bzw. aus Bequemlichkeitsgründen davor zurückschreckt, diese im Frühjahr jeweils gegen Sommerpneus auszutauschen. Und da wäre noch die Tchibomellitis, auch als Dallmeyerkomplex bekannt. Davon heimgesuchte Patienten mögen keinen Kaffee, das ist mal sicher. Oft kurieren sie parallel dazu auch an einer Melitta-Apoplexie. Filtertüten sind ihnen ein Gräuel.

Äpfel und fester und flüssiger Konsistenz

Von Toyotadermatitis Befallene würde nie und nimmer ein Auto eines japanischen Herstellers fahren, während das Gardeur-Levis-Empyem das Tragen von Marken-Jeans so gut wie und von vornherein ausschließt.… Wäre noch die manische Elstar-Dyskrasie zu erwähnen, der ebenso wie bei der Ganny-Smith-Cachexia und der Cox-Orange-Dysorexia eine pathologische Antiptahie gegen Äpfel zu Grunde liegt. Es sei denn, die kommen in flüssiger Konsistenz daher. Dann sieht das natürlich ganz anders aus.
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1 Kommentar
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Johanna M. aus Stemwede | 14.03.2015 | 22:36  
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