Bunga-Bunga: Verwelkte Lesezeichen zwischen Harry Potter, Mao und dem Cavaliere aus Berlusconistan

Lesezeichen: Verblühtes Interesse am Stoff, aus dem die Muggels sind. (Foto: Tom Skotarczyk)
Irgendwie scheint die Geschichte an dieser Stelle ins Stocken geraten zu sein. Zumindest legt der Zustand des, zugegeben, außergewöhnlichen Lesezeichens diesen Schluss nahe. Die schrumpelige Rose, offensichtlich nicht mehr die frischeste, signalisiert, dass das Interesse des Lesers/der Leserin am der Fortgang der Story verblüht ist. Möglicherweise entspricht der Plot auch nicht seinen/ihren literarischen Präferenzen. Das sehen bzw. sahen 300 Millionen Menschen weltweit anders.
Es bedarf keines besonderen detektivischen Gespürs, um anhand der Schlüsselworte („Hermine“ und „Zauberstab“) sowie der Seitenzahl 391 auf den Buchtitel zu schließen: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, der 7. und letzte Band der magischen Erfolgsreihe, die aus der britischen Sozialhilfeempfängerin Joanne K. Rowling eine Multimillionärin machte. Die Magie des Reichtums Die Mutter des Zauberlehrlings hat inzwischen mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde US-Dollar mehr Kohle im Sparstrumpf als Queen Elisabeth II. Sei’s ihr gegönnt. So viele Leser hat bislang noch kein zeitgenössischer Belletristik-Autor verhext und bezaubert.
Gut, an die Auflage der Bibel (geschätzte zwei bis drei Milliarden) reicht die ehemalige Laborassistentin mit ihren phantastischen Verzählcher nicht nur annähernd heran, auch nicht an Maos, von der Tageszeitung der chinesischen Volksbefreiungsarmee herausgegebene Zitatensammlung (1,5 Milliarden). Marx und Engels lassen sie, ungeachtet des sperrigen Inhaltes, mit ihrem Kommunistischen Manifest (Auflage: 500 Millionen) ebenfalls alt aussehen. Dabei ist der Stoff, den die beiden vollbärtigen Wirtschafts- und Gesellschaftstheoretiker der Welt bereits 1848 aufgetischt hatten, doch mindestens genauso märchenhaft und gespenstig.
Immerhin, einen Charles Dickens, dessen Gesamtwerk es auf eine Auflage von 200 Millionen brachte, stellt die Rowling locker in den Schatten, zumal sich Haralds haarsträubende Abenteuer inzwischen ja sogar auch auf Altgriechisch und Latein nachlesen lassen. Die Nachfahren der ollen Hellenen und Römer mögen derzeit allerdings andere Sorgen haben, als sich mit den Befindlichkeiten eines Gryffindors auseinander zu setzen. Außerdem haben sie ja Homer, Hesiod, Dante und Boccaccio – sowie Samaras und den Cavaliere. Letzterer, ehemaliger italienischer Landesseniorenmeister im Bunga-Bunga, muss ja jetzt vorerst doch nicht in den Knast, ein Uli Hoeneß schon. Aber wir schweifen vom Thema ab….
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