Tanzende Wassertropfen und das Leiden des Rostes: Klein-Yeti und die qualmenden Socken des schwarzen Mannes

Deine Spuren im Sand… Da lag Howie aber arg daneben. Es handelt sich um tanzende Wassertropfen auf einem heißen Crêpe-Eisen. (Foto: Tom Skotarczyk)
Wer auch immer diese merkwürdige Spur hinterlassen hat, muss, wie es aussieht, unter Schweißfüßen leiden. Und das nicht zu knapp. Oder ihm/ihr stand das Wasser bis zum Hals bzw. Oberkante Unterlippe. Und ob dieser jemand oder diese jemandin auf großem oder kleinem Fuß lebt, auch dazu sind verbindliche Aussagen schwierig. Es fehlt halt ein Bezugspunkt, anhand dessen sich die Relationen abschätzen ließen. Die Zehenform deutet, vorsichtig formuliert, darauf hin, dass der Besitzer in Gottes großem Tierpark wohl eine Sonderstellung einnimmt.
Die Aufnahme ist jedoch nicht natürlichen Ursprungs und auch nicht, wie Fotograf Tom Skotarczyk versichert, am schwarzen Lavasandstand bei La Arena auf Teneriffa entstanden – sondern auf der Gußplatte eines Crêpe-Eisens. Da muss man ja auch erstmal drauf kommen. Es ist ein Arrangement, das lediglich aus Wasser besteht, und H2O neigt ja, vereinfacht ausgedrückt, zu Blähungen bzw. Bläschenbildung, so es mit Hitze in Berührung kommt.
Die physikalische Erklärung dafür liefert der „Leidenrost-Effekt“, benannt nach jenem Johann-Gottlob, der die tanzenden Tropfen bereits 1756 beschrieben hatte. Da ist von "verzögerter Stoffumsetzung" die Rede, womit eine „zeitlich gedehnte Änderung des Aggregatzustandes“ gemeint ist. Oh Mann, jetzt wird’s kompliziert. Auf diesem Gebiet war ich noch nie eine große Leuchte. Und warum und wie eine Leuchte leuchtet bzw. scheint, und was es mit diesen ganzen hin- und her springenden Elektronen auf sich hat, ist wieder ein ganz anderes Thema, das von mir nie richtig durchleuchtet und durchschaut wurde.
Um auf Klein-Yetis Fußabdrücke zurück zu kommen. Wenn der Untergrund, beispielsweise die Pfanne, sehr heiß ist, bildet sich bei Dreingabe einiger Wasserspritzer sofort ein Dampfpolster unter den Tropfen, die dann zu tänzeln beginnen, weil Dampf zugleich auch ein gutes Schmiermittel ist und durch Unregelmäßigkeiten obendrein ein kleiner Rückstoß gebildet wird, der sie, die Tropfen, antreibt. Diese Gesetzmäßigkeit machen sich übrigens auch Stepptänzer zu Nutze. Da verwandelt sich der Dampf aber in Qualm. Betroffen davon sind dann die Strümpfe. Daher rühre auch die Redewendung „Dem qualmen die Socken“ oder, daraus abgeleitet, „Eine heiße Sohle aufs Parkett legen“.

Unser Schornsteinfeger ist ein schlaues Kerlchen

Hat mir unser Schornsteinfeger so erklärt. (Was der schwarze Bursche so alles auf der Pfanne hat! Aber vielleicht steht er auch nur unter Dampf). Diese Dampfschicht wiederum schützt den Wassertropfen vor direktem Kontakt mit dem heißen Untergrund und verleiht ihm Auftrieb. Das macht ihn übermütig, und er beginnt zu hüpfen, also der Tropfen, nicht der Schornsteinfeger. (Löst sich das Wasser jedoch binnen weniger Augenblicke in zischendes Wohlgefallen auf, ist das für die versierte Hausfrau ein Zeichen, dass die Pfanne noch nicht die erforderliche Betriebstemperatur erreicht hat und der Schornsteinfeger noch nicht da war).
Die Kunst besteht jetzt darin, die Temperatur der Pfanne so zu regulieren, dass der Aggregatszustand des Wassers ein gestalterisches Spiel mit selbigem zulässt. Wenn es verdampft, haben wir Pech gehabt. Dann hat auch die Dampfschicht ausgedampft, die, siehe oben, ja für das Polster zuständig ist. Daraus folgt: Kein Polster, kein Tanz, kein Auftrieb, kein Rückstoß. So einfach ist das. Ob das dem Leidenrost oder seinem Johann-Gottlob nun gefällt oder nicht. Die Form, die entsteht bzw. entstehen soll, ist beeinflussbar und abhängig von dem fein aufeinander abgestimmten Zusammenspiel zwischen einer entsprechend geschickten händischen Manipulation und der Position des Bräters im dreidimensionalen Raum. Einfach mal ausprobieren. Übung macht den Meister.
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