„Dort, wo sich Himmel und Erde berühren“: Televisionäre Ehrenrettung für ein kleines Dorf im Siegbachtal

Momentaufnahmen „aus einem paradiesischen Ort“. hr-Autor Tilman Jens rückt das Bild von Tringenstein gerade. (Foto: Screenshot)
 
Dort, „wo das Leben trotz eines fragilen Mobilnetzes schön sein kann, auch wenn der nächste Bäcker fünf Kilometer weit weg ist“. (Foto: Screenshot)
Das Hessen-Fernsehen hat die Ehre der Tringensteiner wieder hergestellt. Sieht die „alternative“ Berliner Tageszeitung („taz“) in dem idyllischen 600-Seelen-Dorf ein von Suffköppen, Ausländerfeinden, Rednecks und Banausen bevölkertes Mondkaff, in dem Hoffnungslosigkeit und Tristesse regieren, zeichnen hr-Autor Tilman Jens und seine Kameramänner P. Pertrides und C. Nollert ein ganz anderes, differenzierteres Bild. Siehe auch https://vimeo.com/107899196

In dem am Donnerstag (2. Oktober) zu vorgerückter Stunde im Rahmen der Sendung „Hauptsache Kultur“ im 3. Regionalprogramm ausgestrahlten Beitrag rücken die televisionären „Onkel Ottos“ einiges gerade. Ein sensibel-einfühlsames Porträt, wie das Leben und die Menschen in diesem in eine grandiose Landschaft eingebetteten Dorf wirklich sind. Wie sie denken, wie sie sich selbst sehen, was sie machen. Die „trotz eines fragilen Mobilnetzes“ zeigen, „dass das Leben auch schön sein kann, selbst wenn der nächste Bäcker fünf Kilometer weit weg ist“.

Etwas Pathos, aber keine Heimattümelei

Es ist kein Hohelied auf die intakte Welt provinziellen, dörflichen Daseins, keine von Heimattümelei getragene Hymne an den Hinterwald. Wenngleich, etwas Pathos war schon dabei: „Wenn es die heile Welt denn gäbe, dann sähe sie vermutlich so aus wie in diesem beschaulichen Ort im Lahn-Dill-Kreis“, dort „wo sich, wenn dem Licht danach ist, Himmel und Erde berühren“, befindet der Autor poetisch. Er präsentiert tatsächliche, reale Momentaufnahmen „dieses paradiesischen Fleckens“, die eingefangen zu haben ja seinerzeit auch die „taz“ von sich behauptet hatte, oder dies ihren Lesern zumindest so glauben machen wollte.
Aber außer der auf „hohem journalistischen Niveau“ betriebenen Pflege von Vorurteilen und Ressentiments (http://www.rotorman.de/aus-berlin-in-den-hinterwal...) war dabei nicht sonderlich viel herausgekommen. Das konnte auch Ressortleiter Felix Zimmermann, der den Erguss seiner „Korrespondentin“ Steffi Überleber zu verantworten hatte und im Nachgang angestrengt-bemüht zu rechtfertigen versuchte, nicht schön reden.
Das hr-Fernsehen hatte auch in der Berliner taz-Redaktion angeklopft, um zu erforschen, was erwähnte Journalistin wohl geritten haben mag, ein solches Zerrbild zu fabrizieren.
Dies, obwohl man ihr, wie ein Bürger Tringensteins vor der Kamera betonte, mit großer Gastfreundschaft begegnete sei und sie sogar zum Trinken eingeladen hätte. In der Antwort ist verschwurbelt von demographischem Strukturwandel die Rede, der das Dorf aussterben ließe, und davon, dass viele Kollegen aus der Redaktion selbst vom Dorf kämen und „diese Geschichte“ gerne hätten erzählt haben wollen.
Hallo? Auf die „zum Teil finsteren Gestalten, die in dem Bericht auftauchen“ angesprochen, sagte Zimmermann „Ja, so ist das (nun mal) im Dorf“!!?? Apropos finstere Gestalten: In Berlin wurden im vergangenen bei 3,5 Millionen Einwohnern 503 165 Straftaten verzeichnet.Das entspricht in Relation zur Bevölkerung einer Kriminalitätsquote von stolzen 14,4 Prozent. In ganz Siegbach, zu dem Tringenstein gehört, waren es 42 krumme Dinger bei 2724 Köpfen: 1,5%. Vielleicht sollte der Kollege mal aus seinem redaktionellen Elfenbeinturm herauskommen und, nur ein paar Meter an frischer Luft die Rudi-Dutschke-Straße entlang spazieren. In Spree-Athen laufen pro Quadratkilometer Fläche mehr Durchgeknallte, Freaks, Kaputte, Pädophile, Vergewaltiger, Mörder, Brandstifter und Schläger herum als der Schelderwald bei Tringenstein Bäume zählt.
Und wie merkte Paul-Gerhard Wagner, einer der vom hr interviewten Einwohner treffend an: „Unsere (Dorf-)Gemeinschaft ist intakt!“ Was die unsere ach so weltoffenen Hauptstädter ja nicht unbedingt von sich behaupten können.

Fast am „muss“ verschluckt

Den Gipfel an überheblicher Arroganz leistete sich (möglicherweise unbeabsichtigt) der bärtige „taz“‘ler auf die Frage hin, ob er denn verstehen könne, dass die Bewohner über den erschienen Artikel erzürnt seien. Antwort (Originalzitat): „Vermutlich würde es mit genauso gehen wenn ich in einem so kleinen Dorf leben .. kleine Pause … würde…“ Zu sagen „leben müsste“ hat der Mann sich gerade noch verkneifen können. Aber dann kam’s doch noch ganz dicke: Wenn jemand von außerhalb käme, ein solches Dorf analysiere und dann darüber schreibe, müssten sich die Betroffenen ja auch irgendwie ertappt fühlen, be- und erkannte er in einem Anfall tiefen psychologischen Einfühlungsvermögens.
Umgekehrt wird ein Schuh draus. Ertappt worden ist allenfalls diese Berliner Zeitung, die mit den großen Print-Hunden pinkeln möchte, dazu aber weder in inhaltlicher, noch in auflagenmäßiger Hinsicht imstande ist. „Wo wir auch hinschauen, zufriedene Menschen“, stellte hingegen Tilman Jens in seinem Beitrag fest. Und zum Schluss, das/sein vorweggenommenes Wort zum Sonntag: „Heimat darf auch einfach einmal nur ganz schön sein“. Recht hat er!
Der Sendebeitrag ist auch in der Mediathek des Hessischen Rundfunkes abrufbar und wird 5. Oktober ab 9.45 Uhr wiederholt.
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