Die merkwürdigen Rituale der Skydiver: Lehrstunden beim Weltrekordler, Sunsrise-Hopser, Buttercreme und Donald-Duck

Wie die Herrn vom anderen Stern: Freeflyer der Breitscheider Springer treffen sich hoch über der „Hub“ bei zum Ringelpietz. (Foto: Skydive Westerwaled)
 
Nach einem 200 km/h schnellen Freifall wieder ganz entspannt im Hier und Jetzt. Tandemmaster Dirk Rewald mit Passagierin Janina Becker am geöffenten Schirm. (Foto: Skydive Westerwald)
Von der Wurst mal abgesehen, hat alles (mal) ein Ende. So ist auch die Sprungwoche auf der Breitscheider „Hub“ inzwischen Geschichte. Zum Leidwesen der beteiligten Skydiver. Aber ihnen verbleiben daselbst ja noch etliche Wochenenden bis zum Saisonende. Sieben Tage lang haben die Schirmsportler auf und über der Westerwälder „Dropzone“ aus dem Vollen schöpfen können. Tage voller Rasanz, Action, Abenteuer und Komik, angesiedelt zwischen Spaß und sportlichem Ehrgeiz, verfolgt, begleitet und bestaunt von vielen interessierten Zaungästen, die sich von den vielen bunten Farbtupfern am Himmel hatten anlocken lassen. Eine Projektionsfläche für den Fallschirmsport schlechthin, der sich hier mit all seinen unterschiedlichen Facetten und Disziplinen inszenierte. Und eine Trainingsplattform für die im Herbst in Eisenach anstehenden Deutschen Meisterschaften, bei denen die Wettkampf-Teams von Skydive Westerwald hoffen, an ihre Vorjahreserfolge anknüpfen zu können.
Ab und an sollten auch die Buttercremetorten tief fliegen und in Folge exakt im Ziel liegen: im Gesicht eines Kollegen. Ein Ritual, das auf allen Sprungplätzen der Welt gang und gäbe ist. Knackt ein Springer eine bestimmte Marke an Sprüngen, gibt es Süßes, nicht Saures. Diesmal traf es den Langenaubacher Florian Metz. Der junge Mann hatte erst im vergangenen Jahr seines Ausbildung begonnen und jüngst seinen 100 „Jump“ hingelegt. Guten Appetit!
Aber da sind der merkwürdigen Gepflogenheiten und Spielchen noch mehr. So liegt auch dem sogenannten „Hit & Chuck“ ein sich dem Außenstehenden nicht auf dem ersten Blick erschließendes Reglement zugrunde. Dabei stürzen sich die Teilnehmer aus relativ geringer Höhe (1200 Meter) aus dem Flugzeug, um in steiler Schirmfahrt eine am Boden platzierte Flasche Bier anzuvisieren. Derjenige gewinnt, der sich den Inhalt der Pulle am schnellsten einverleibt hat. Gestoppt wird die Zeit zwischen ersten Bodenkontakt und Vollzug. Ein Riesenspaß am Ende und zum Abschluss eines langen Sprungtages, ein Moment, in dem sich die Anspannung der vorangegangenen Stunden in Nichts auflöst.
Der ereignisreiche Tag selbst hatte vielleicht schon kurz nach Morgengrauen mit einem „Sunrise-Hupf“ begonnen. Ein solcher ist etwas ganz Besonderes. Der frühe Vogel fängt schließlich den Wurm…Beim Verlassen des Flugzeugs in 4000 Meter Höhe sind die Strahlen der weit im Osten aufgegangenen Sonne gerade noch zu erkennen, um in Folge während des freien Falls wieder hinterm Horizont zu verschwinden. Nach der Landung ist das Gestirn dann plötzlich wieder da. Das Frühstück wartet bereits.
Am Nachmittag des selben Tages: Die Figur in dem quietschgelben Entenkostüm war nicht dem Filmset eines Donald-Duck-Remakes entsprungen, sondern der Protagonist eines zünftigen Junggesellenabschiedes, der, bevor er im Zielkreis des Ehe(Flug)Hafens landet, als Tandemgast bei Vertikal-Tempo 200 noch mal richtig austoben wollte. Nichts leichter als das… Wie er nutzten viele Besucher die Gelegenheit, einen rasanten Passagiersprung zu wagen. Diejenigen welche waren bereits hoch in der Luft akustisch leicht anhand ihrer lauten Freudenjauchzer zu identifizieren. Florian Hose, dem Pilot der Absetzmaschine, war das textile Outfit seiner Ladung sowieso egal. Es gab keine bestimmte Kleiderordnung und beim Einstieg insofern auch keine entsprechenden Kontrollen. 135 Mal hob der 750 PS starke Turbinen-Bomber mit jeweils zehn Passagieren an Bord während der Aktionstage ab.
Dem ernsthaften Bemühen geschuldet, an den eigenen Fertig- und Fähigkeiten zu feilen und gegebenenfalls Neuland zu erkunden, waren diverse Praxiskurse und Workshops. Exponierte Referenten und Lehrer plauderten dabei aus dem Nähkästchen. Unter ihnen Tim Hedderich, der zu den besten und erfolgreichsten Skydivern Eurpoas zählt. Der Deutsche Meistertitel im Freeflying rangiert da fast schon unter ferner liefen. Der Lufthansa-Kapitän, nebenbei und vor allem auch ein begnadeter „Wingsuiter“, war in jüngster Zeit an mehreren spektakulären Weltrekorden beteiligt. Thema seiner sowohl theoretischen als auch praktischen Vorlesung: „Atmonauti“. Das ist jetzt nicht der Name des Schutzpatrons der Illuminaten und auch nicht der des Vergnügungswartes der Argonauten, sondern eine auch unter der Bezeichnung „Angle Flying“ bekannte Sprung- Disziplin und –variante, die einem Flug als solchem ziemlich nahe kommt. Die Akteure fliegen/fallen (bäuch- oder rücklings) im 45-Grad-Winkel im und mit dem Wind und können so relativ große Strecken zurücklegen. Je größer die „Wandergruppe“, desto mehr Spaß macht es. Uff!
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2 Kommentare
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Katja Woidtke aus Langenhagen | 15.08.2014 | 14:00  
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Jürgen Heimann aus Eschenburg | 15.08.2014 | 14:34  
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