FRIEDRICHSTADT (13) - Drei Tage im Mai – Die Jüdische Gemeinde

  Friedrichstadt: Eider | FRIEDRICHSTADT (13) - Drei Tage im Mai –
Die Jüdische Gemeinde



Die (ehemalige) Synagoge
Erstmals konnte sich um 1675 ein jüdischer Händler in der Stadt niederlassen. Seit 1708 war Friedrichstadt im Bereich der Herzogtümer Schleswig und Holstein der einzige Orte, wo Juden leben konnten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich diese jüdische Gemeinde zur zweitgrößten Glaubensgemeinschaft Friedrichstadt
Die ersten jüdischen Gemeindeglieder trafen sich zunächst in einem Hinterhaus in der Prinzenstraße, um Gottesdienst zu feiern. Später erwarb die Gemeinde ein Haus am Fürstenburgwall und richtete dort eine Synagoge ein. - Im Dezember 1847 wurde die neu erbaute Synagoge eingeweiht. Damals hatte die jüdische Gemeinde mehr als 400 Mitglieder. Sie war die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft in der Stadt. Durch eine finanzielle Zuwendung von Hartwig Hertz von Essen wurde schließlich der Neubau eines Gotteshauses an dieser Stelle ermöglicht.
Nicht einmal einhundert Jahre hatte die Synagoge Bestand: Am 10. November 1938 stürmten SA-Männer das Gebäude. Sie zündeten einige Handgranaten und verwüsteten das Innere. Ein Brand wurde jedoch gelöscht, da man eine Ausweitung des Feuers befürchtete.
Später wurde das Gebäude als Getreidespeicher genutzt und schließlich für einen SS-Offizier zu einem zweigeschossigen Wohnhaus umgebaut.
1985 kaufte die Stadt Friedrichstadt die ehemalige Synagoge, doch erst fünfzehn Jahre später konnte mit dem Umbau zur Kultur- und Gedenkstätte begonnen werden. Eine jüdische Gemeinde gibt es hier nicht mehr, heute wird das Haus für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Eine Ausstellung auf der einstigen Frauenempore zeigt die Geschichte der Friedrichstädter Juden.
Heute erinnern Rahmen in Form der früher vorhandenen Rundbogenfenster an die einstige Nutzung. Im Innern wurde die Geschoss trennende Decke entfernt, der Raumeindruck ist wieder so, wie zur Zeit als Synagoge.

Der jüdische Friedhof
Unmittelbar nach der Ansiedlung der ersten Juden in Friedrichstadt konnte 1677 ein Friedhof im Norden der Stadt, am Treenefeld "Op de Klint", angelegt werden. - Bereits 1936 ist der Friedhof von Nationalsozialisten mit Vorhämmern und Äxten völlig zerstört worden. 1939 erklärte sich die jüdische Gemeinde auf Druck der Stadtverwaltung bereit, den Begräbnisplatz "nach außen hin nicht mehr als solchen in Erscheinung treten zu lassen" und die Grabsteine mit Erde zu bedecken. Die jüdische Gemeinde bat darum, "die Würde des Platzes zu respektieren". Der Wunsch wurde nicht erfüllt, der Friedhof als Schrebergarten benutzt. Noch nach 1945 war das Weiterbestehen des Friedhofes in Gefahr: Eine Stadtverordnetensitzung am 30. September 1954 hatte bereits beschlossen, den Friedhof an einen Bauunternehmer zu verkaufen. Proteste von jüdischen Organisationen und früherer jüdischer Einwohner führten zur Rücknahme des Beschlusses.
Der Friedhof wurde in den folgenden Jahren zu einer Gedenkstätte hergerichtet, die Reste der noch aufgefundenen Grabsteine wurden in einem Kreis aufgestellt. Eine Gedenktafel ergänzt das Rund. Außerdem wurde 1985 ein Gedenkstein am Friedhofsrand aufgestellt.
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Ingeborg Behne aus Barsinghausen | 25.05.2010 | 22:20  
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Erika Walther aus Augsburg | 26.05.2010 | 18:28  
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