647. Newsletter Südharzstrecke - Walkenried: Fahrkartenverkauf am Bahnhof schon wieder bedroht

Fahrkartenkunden aus dem gesamten Südharz, die mit den Automaten nicht zurechtkommen oder eine persönliche fachkundige Beratung wünschen, fahren zum Bahnhof Walkenried.

Hallo liebe Eisenbahn-, ÖPNV- und SPNV-Interessierte!

Nervöse Kunden und übereifrige Kontrolleure machen der Bahn zu schaffen Vor einem Jahr schien die Welt noch in Ordnung zu sein. Mit Hilfe des Harz-Weser-Netzes gelang es in letzter Minute, den personenbedienten Fahrkartenverkauf am Walkenrieder Bahnhof zu retten, auch wenn die Öffnungszeiten eingeschränkt werden mussten. Viele vor allem ältere Bahnkunden wissen seither den für einen Ort der Größe Walkenrieds ungewohnt guten Service zu schätzen, doch nehmen auch Auswärtige aus der „Vertriebs-Diaspora“ der Bahn die Dienste gern in Anspruch.
Doch nun ziehen schon wieder dunkle Wolken am Verkaufshorizont auf. DB Regio, so der Leiter des Betriebes Braunschweig kürzlich gegenüber PRO BAHN-Mitgliedern, „stehe kurz davor, die Reißleine zu ziehen“. Dafür gibt es zwei Gründe – von denen einer prinzipiell abstellbar und der andere mehr als ärgerlich ist.

Gründe für Schließung


1. ungeduldige Kunden


Grund Nummer eins sind ungeduldige Kunden, die nicht nachvollziehen können, dass der Mitarbeiter der Bahn in erster Linie Fahrdienstleiter und damit für die Zugfahrten verantwortlich ist. Wenn Züge fahren, muss man schon einmal ein paar Minuten warten. Wenn dabei ein Wort das andere ergibt, kann sich eine solche Situation leicht aufschaukeln – angeblich bis hin zu Anrufen bei der Bundespolizei. Hier kann man nur an die Walkenrieder und andere Nutzer appellieren, Geduld zu haben. Nach wenigen Minuten geht es ja weiter. In diesem Zusammenhang ist es natürlich sehr ärgerlich, dass der Bahnhof telefonisch nicht mehr erreichbar ist und man, gerade als Auswärtiger, schlecht in Erfahrung bringen kann, ob die Fahrkartenausgabe geöffnet ist oder, wie kürzlich, aufgrund technischer Probleme kein Verkauf erfolgen kann. Mit dem Abmelden des Telefons hat die Bahn unerfreulichen Situationen am Schalter insoweit selbst Vorschub geleistet, denn wer unverrichteter Dinge wieder abziehen muss, ist natürlich entsprechend „geladen“.

2. übereifrige Kontrolleure vom Eisenbahn-Bundesamt


Der andere Grund ist eigentlich ein ungeheuerlicher und zeigt, warum es die Eisenbahn heutzutage in unserer Gesellschaft nicht leicht hat. Sie wird nämlich vom Eisenbahn-Bundesamt kontrolliert, und zwar nicht nur, wie man es sicher für richtig hält, in Sachen Sicherheit der Fahrzeuge und Gleise, sondern auch in Sachen Vertrieb. Und da haben übereifrige Kontrolleure sich gerade kleine Verkaufsstellen herausgepickt und tauchen mit Fragen wie der „Mitnahme von Hunden in Zügen in Österreich“ und anderem mehr am Schalter auf. Wird die Frage falsch beantwortet, kommt ein Bußgeldbescheid.
„Es ist unglaublich, dass ausgerechnet das Eisenbahn-Bundesamt dafür sorgt, dass immer mehr Verkaufsstellen aufgeben. Manches Reisebüro hat den Fahrkartenverkauf schon beendet, weil es kein Bußgeld mehr riskieren will. Und nun geht es den ländlichen Vertriebsstellen der Bahn auch an den Kragen, nur weil einige Sesselpupser ihre Existenzberechtigung unter Beweis stellen wollen“ meint Michael Reinboth von der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ hierzu. Statt sich auf wichtige Dinge zu stürzen, werden unter anderem in Walkenried Fragen gestellt, die ansonsten in 100 Jahren nicht einmal auftauchen – und der Verkauf ganz gewöhnlicher Inlandstickets nebst Beratung, die in Walkenried recht gut funktionieren und 99,9 % der Geschäfte ausmachen, werden nachhaltig bedroht.
Für falsche Fahrkarten und Auskünfte gibt es geregelte Beschwerdewege und Instanzen. Das Eisenbahn-Bundesamt wird gerade hierfür keineswegs benötigt. Aber es tritt auch in anderer Beziehung eher als Bremser in Erscheinung (Fahrzeug-Zulassungen werden infolge immer neuer und kurzfristig eingeführter Vorgaben verzögert und so weiter). Im Falle ländlicher Verkaufsstellen ist das Engagement der Behörde kontraproduktiv. Die Quittung für behördliches Kontrollgehabe zahlen wir – die Kunden der Eisenbahn.
Pikant: Wer sich nolens-volens im Internet um einen Fahrschein bemüht, ist für Fehleingaben und falsches Heraussuchen selbst verantwortlich.
Und noch pikanter: Im Fernbusbereich wird überhaupt nicht kontrolliert, was angeboten und was verkauft wird…

Michael Reinboth (Stand 6.12.2015)

Viele Grüße

Burkhard Breme

Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz"

E-Mail: burkhard.breme@suedharzstrecke.de
Internet: http://www.suedharzstrecke.de
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