Politisches Unvermögen oder reine Gier nach Selbstdarstellung

Landauer Schwimmbad im Frühjahr
 
Landauer Badeanstalt etwa um 1960/62
 
Landauer Badeanstalt etwa um 1930

Kostenexplosion und Steuergelder

Was in der heutigen Zeit die Bürger am meisten aufregt, sind sicher nicht die Horrormeldungen aus den Islamischen Ländern, nicht die Wahlbetrügereien und der Bürgerkrieg in der Ukraine. Auch die sogenannte NSA Affäre war doch für einen Intelligenten Menschen im Smartphone Zeitalter absolut keine Überraschung.
Nein, was die Bürger hierzulande richtig aufbringt, ist die endlose Gier nach Selbstdarstellung und die Ratlosigkeit der eigenen Politiker und die damit einhergehende Verschwendung von Steuergeldern in Millionenhöhe.
Da werden von der Politik minutiös Bau Objekte geplant, ein Kostenrahmen festgelegt und dann der Auftrag nach genauen Regeln und Maßgaben (mindestens Europaweit) ausgeschrieben. Die Anbieterfirma, die vorgibt, mit ihrem Angebot in diesem Rahmen zu bleiben, bekommt den Zuschlag. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob der Zuschlag an eine Baufirma aus der Region (die ja hier auch fleißig Steuern zahlt), oder an einen Anbieter, beispielsweise aus Rumänien, Spanien oder Polen geht. Billig muß es sein. Schließlich will man ja dem deutschen Michel, auch plausibel machen, das man selbst alles tut, um Geld zu sparen, damit der so eingeschläferte Steuerzahler bei der Stange bleibt. Für den Laien ist meist nicht erkennbar, ob es nötig war, das zur Frage stehende Objekt wirklich im geplanten Maße zu erneuern, oder ob es ein Umbau in geringerem Maße auch getan hätte. Wichtig ist nur, das der verantwortliche Politiker, der Entscheidungsträger und „Geldgeber“, am Ende gut da steht und das das Projekt, sofern alles im Rahmen bleibt, in Zukunft mit seinem Namen verknüpft ist. Ein Denkmal für die Ewigkeit. Der deutsche Michel verneigt sich….

Zitate

„Denn was glauben sie, was los wäre, wenn wir wüßten was in diesem Lande los ist.“ (Volker Pispers). Und schon Berthold Brecht wußte: „Die Bürger werden eines Tages nicht nur die Taten der Politiker zu bereuen haben, sondern auch das furchtbare Schweigen der Mehrheit“

Eigene Meinung

Für mich als Bürger und Steuerzahler sind folgende denkwürdige Denkmäler in der Region ein Tritt in den Allerwertesten. Unter dem Deckmäntelchen des Notwendigen und der verbalen (nicht aber finanziellen)Unterstützung von Industrie, Banken und sogenannten Fachleuten, Steuergelder zum Fenster hinaus geworfen, die an anderer Stelle dringend gebraucht würden.
1. Denkmal der Verschwendung Flughafen Kassel-Calden, geplante Baukosten knapp 64 Millionen €, tatsächliche Baukosten etwa 271 Millionen € plus 17 Millionen € Verlust bis zum ersten Flug.
2. Denkmal der Unzulänglichkeit Hallenbad Korbach (ein Fehler für den offenbar niemand verantwortlich ist), für etwa 10 Millionen € (bis jetzt)
3. Denkmal der Geltungssucht Freizeitbad Arobella (im Zuge des „Verfallen lassens“ des alten Schwimmbades, Millionengrab), Auszug aus dem Beteiligungsbericht 2012 der Stadt Bad Arolsen:
„Das Geschäftjahr 2012 endet für den Bäderbetrieb mit einem Verlust in Höhe von 979000€. Somit ist das Ergebnis um knapp 64 T€ schlechter als die Prognose des Wirtschaftplans (erwarteter Verlust von 915 T€).“
4. Denkmal des Protzes Strandbad Twistesee (hatte seinen eigenen Charme und hätte sicher instandgehalten werden können), Neubau für veranschlagte 1,04 Million €
5. Denkmal ohne Sinn Bürgerhaus Bad Arolsen (hätte man vielleicht billiger Neu bauen können), Sanierung für ca. 2 Millionen €, im Umfeld des Gebäudes wegen Geldmangels und zu hoher Forderungen weggefallen: Kino, Kegelbahn, mehrere Einkaufsmöglichkeiten
Dabei bleiben für die Bürger wichtige Aufgaben, an der Schwelle des Einsparens hängen. Aufgaben der Stadt werden nicht mehr, oder nur noch unzulänglich wahrgenommen und die Aussicht auf eine wirkliche Idee in Punkto Demografiewandel und ausbluten der Dörfer und Stadtteile bleibt dabei auch auf der Strecke. Es würde ja Geld kosten und am Ende würde kein Denkmal in der Landschaft stehen, wo die Leute stehen bleiben und sich erinnern. Zudem ist die Förderung von Land und Bund in diesen Fällen eher gering, weil dieses Problem inzwischen ganze Landstriche in Deutschland beherrscht. Die Politik freilich hält es solange in Wartestellung aus, bis vielleicht einer daher kommt, den zündenden Gedanken für eine Lösung hat und man sich dann mit Diesem im Glanz der Sonne suhlen kann.

...aus vergangenen Tagen

Neulich ist mir ein Zeitungsbericht der Waldeckischen Landeszeitung vom 15.5. 1965 in die Hände gefallen, der einmal zeigt, das es auch anders geht, oder zumindest früher gegangen ist.
Der Titel des Berichtes: „Landauer Sommerbad bald fertig“ und im Untertitel kann man überraschenderweise lesen, das Baukosten eingespart worden sind. Wie das? Das Schwimmbad hat zwei neue, auch heute noch vorhandene, Schwimmbecken bekommen und die Liegewiese wurde durch abtragen eines Erdwalls vergrößert. Es fehlt einzig und allein noch der Anstrich in hellblauer Spezialfarbe. Das Bad soll in 5 Tagen, pünktlich zum Saisonbeginn, wieder eröffnet werden. So etwas ist den Menschen in der heutigen Zeit sicher lange nicht untergekommen.
Der ausführende Architekt teilte den Bürgern auf einer Bürgerversammlung mit, das man von den mit 130000 DM veranschlagten Kosten des 1. Bauabschnittes, 5000 DM einsparen konnte. Des weiteren habe man Teilarbeiten, die für den 2. Bauabschnitt (Installation der Umwälzanlage und der dazugehörigen Rohre) vorgesehen waren, schon mitfinanzieren können. Die eingesparten 5000 DM werden zusätzlich zur Finanzierung des neuen Umkleidegebäudes verwendet. Die Gesamtkosten beider Bauabschnitte waren mit 180000 DM angesetzt und der Rechnungsbetrag wurde am Ende sicher eingehalten, ganz im Gegensatz zur heutigen Zeit. Soweit es möglich war, gingen alle Aufträge an einheimische, sprich Landauer Betriebe.
Mal ganz abgesehen von den Unglaublich niedrigen Baukosten 1965 (im Vergleich zu heutigen Projekten), versetzte mich dieser alte Bericht in ungläubiges Staunen. Das Bad wurde pünktlich eröffnet und niemand hat sich die Taschen voll gemacht.

Fakten

Der Neubau des Arobella Bades verschlang ca. 17.000.000 (17 Millionen) DM für die Nutzfläche von 750 qm, die Bauzeit belief sich auf knapp 3 Jahre (Quelle: www.schuett-architekten.com)
Die Kosten für die Sanierung des Korbacher Hallenbades wurden 2010 auf etwas über 4,8 Millionen € veranschlagt, nach einer Sanierung der vorausgegangenen Sanierung sind sie 2012 auf etwa 10 Millionen € gestiegen. Das verheerende hierbei: Das Bad ist wegen Unzulänglichkeiten des Bauherrn, wegen Verantwortungslosigkeit der Politik und wegen der vorhandenen Keime immer noch immer nicht eröffnet worden. Bauzeit inzwischen 4 Jahre.

...am Ende der Dumme

Nun gut, die beiden zum Vergleich herangezogenen Bäder sind Hallenbäder, daher mag der Vergleich ein wenig hinken und die Preise sind definitiv seit der Euroeinführung um ein mehrfaches gestiegen, aber Verständnis kann ich hier nicht aufbringen. Warum ist man heutzutage nicht in der Lage, den Rahmen der angesetzten Baukosten einzuhalten? Wer ist hier verantwortlich und warum muß der Steuerzahler sich das eigentlich alles gefallen lassen? Die Mehrkosten sollte in Zukunft der verantwortliche Bauherr bzw. die Baufirma tragen, und zwar aus eigener Tasche! Beim kleinen Mann ist die Unterschrift schließlich auch bindend!
Die Baukosten des neuen Strandbades werden übrigens auf nur etwa 1,04 Millionen € geschätzt, die energetische Sanierung des Bad Arolser Bürgerhauses kostete den Steuerzahler nur knapp 2 Millionen Euro (wovon die Stadt selbst nur ca.275000€ aufbringen mußte). Es werden Landes- und Bundesmittel zur Finanzierung herangezogen. Na Gut – die Zuschüsse wären sowieso „verbraten“ worden, warum also nicht in Bad Arolsen? Aber gab es nichts wichtigeres oder dringlicheres zu tun, als einen 60er Jahre Plattenbau beinahe zum Neupreis zu renovieren und ein eigentlich intaktes, in Wahrheit nur unmodernes Strandbad von Grund auf zu erneuern?
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6 Kommentare
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Karl Göllner aus Bad Arolsen | 09.11.2014 | 18:58  
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R. B. aus Bad Arolsen | 09.11.2014 | 20:13  
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Karl Göllner aus Bad Arolsen | 10.11.2014 | 13:33  
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R. B. aus Bad Arolsen | 10.11.2014 | 17:45  
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Karl Göllner aus Bad Arolsen | 10.11.2014 | 22:00  
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Stephanie Alvarado aus Bad Arolsen | 13.12.2014 | 10:35  
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