. . . von Dampfmaschinen und Narreteien

von Ralph Busch aus Bad Arolsen | am 25.11.2009 | 392 mal gelesen | 5 Kommentare | 6 Bildkommentare | 4 Bilder
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Rechts Rathaus und Dampfmaschine, links der Dreschkasten
 
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gemeinsame Arbeit, immer beobachtet von vielen Kindern - es gab ja noch kein Fernsehen

Bad Arolsen: Dreschen am Marktplatz | ...in den Jahren vor dem großen Krieg, es war wohl Ende der Dreiziger Jahre, stand in Landau neben dem Rathaus noch die alte Gemeinschaftsscheune. Wo heute der Marktplatz eine kleine Erweiterung gefunden hat und die Sicht auf den Rathaussaal freigibt, dort wurde früher eben die Dampfmaschine untergestellt. Die Bauern mußten sich die Maschine teilen, denn eine Dampfmaschine war teuer.

In der Erntezeit wurde sie schon Sonntags aus der Scheune geholt und auf dem Marktplatz zusammen mit dem Dreschkasten, den sie antreiben mußte, aufgestellt. Manchmal wurde auch der Kessel schon angeheizt, damit am frühen Montagmorgen das Dreschen gleich beginnen konnte.

Von der Neugier angelockt, ergab es sich, das eine kleine Schar großer "Rotzlöffel", früher sagte man Lausejungen, sich einmal in der Dunkelheit wißbegierig und ausgeschlafen um das Dampfroß scharten um irgendwelchen Schabernack auszubrüten.

Warum sollte man nicht dem Kessel schonmal ein bißchen Dampf machen?
Lange Rede kurzer Sinn, Es wurden Kohlen geschaufelt und das Feuer geschürt, so das schon nach kurzer Zeit richtig was "am Kochen" war.
Eigentlich wäre es jetzt an der Zeit gewesen abzuhauen, aber die Burschen versuchten das Feuer wieder auszubekommen, damit niemand von ihrem Heizversuch Wind bekam.
Feuer machen ist einfach, Feuer ausmachen allerdings kann sich schon etwas schwieriger gestalten.....

Nacheinander stellte man sich vor die Feuerluke und versuchte ernsthaft die Kohlen auszupinkeln ! Welch grandiose, allerdings nicht funktionierende Idee !
Leider ist nicht überliefert, wer von den Burschen die Idee hatte.

Wie's der Deibel (Teufel) nun aber so wollte, dauerte es nicht lange, das der Spaß aufflog, und die Jungens erwischt wurden.
Das war ein Schrecken.

Am nächsten Tag mußten sie beim Bürgermeister in der Amtsstube antanzen. In ordentlichen Klamotten, gereinigt und gebadet, damit über sie Gericht gehalten werden konnte. Was für eine Schmach...

Der Bürgermeister kam auch ohne Umschweife direkt zur Sache. Weil eben NOCH nichts passiert war, außer der Verlust einiger Kohlen, die umsonst verheizt wurden, beließ er es bei einer Beleerung über die Gefahren einer solchen Aktion und damit sie es sich besser merken konnten, sollte jeder 5 Mark als Strafe bezahlen.
5 Mark!
Das war eine Menge Geld wenn man nur ein paar Groschen Taschengeld pro Woche bekam.
Nun, wie soll ich sagen, die Jungens hatten Glück im Unglück. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.
In jenen Tagen vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges erließ aus. A.H. verschiedene Generalamnestien. So kamen zum Beispiel die von der Wehrmachtjustiz verurteilten soldatische Straftäter (Polenfeldzug) nach der Generalamnestie vom 4.Oktober 1939 wieder auf freien Fuß.

Eine dieser Amnestien jener Zeit muß dann wohl auch auf die Landauer Jungens gepaßt haben. Die 5 Mark brauchten sie jedenfalls nicht mehr bezahlen.
Gestraft wurden sie gegen Ende des Krieges aber dann durch ihre Einberufung und die Mobilmachung der jugendlichen....

Die Geschichte erzählte mir der Vater eines Freundes, Karl Trotte, etwa ein Jahr vor seinem Tod, 2008
Karl Trotte (und den anderen Rotzlöffeln von damals) sei diese Veröffentlichung in stillem Gedenken gewidmet.

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