Familie versucht, Informationen zu alten Fotos aus dem Celler Raum zu bekommen

Unbekannter Verwandter als Soldat in Celle. (Foto: Auguste und Hermann Niemann. Repro: Kreger)
 
Unteroffizierkorps des Ersatz-Bataillons Nr. 48 in Landsberg, 1915. (Foto: Auguste und Hermann Niemann. Repro: Kreger)
 
Feldpostbrief aus Landsberg vom 23. Juni 1915 an Erna Buhr in Hornshof bei Garßen. Rückseite des Gruppenfotos aus Landsberg. (Foto: Auguste und Hermann Niemann. Repro: Kreger)
 
Unbekannter Verwandter als Soldat in Celle, vielleicht ein Garner oder Niemann. (Foto: Auguste und Hermann Garner. Repro: Kreger)
Spurensuche in Garßen, Groß Hehlen, Adelheidsdorf und Eschede

Es ist ein großes Geheimnis, das es zu lüften gilt. Seit Jahren ist die Familie Janan und Michael Kreger in Heidelberg im Besitz von alten Familienfotos. Es ist ein wahrer Schatz. Aber es ist so, wie überall: Man hat es seinerzeit versäumt, bei den Großeltern oder Urgroßeltern nachzufragen, von wem denn die vielen schönen Einzelporträts seien.

Janan Kreger schreibt: „Ich bin Amerikanerin. Meine Familie ist in den Jahren 1906 und 1912 von Celle in die Vereinigten Staaten ausgewandert. In den letzten Jahren habe ich sehr alte Familienfotos bekommen, die wurden in früheren Jahren von Celle aus zu uns geschickt, aber leider ohne Namen. Meine Hoffnung ist, die fehlenden Namen der Leute auf diesen Fotos zu erhalten. Diese Bilder sind von der Familie Auguste und Hermann Niemann gekommen. Die Nachnamen der Familien lauten Garner, Niemann, Roffmann und Drangmeister, aber es gab bestimmt noch mehr. Sie haben in Garßen, Groß Hehlen, Adelheidsdorf und Eschede gewohnt.“
Offensichtlich handelt es sich um eine Reihe von Familienporträts, die aus Anlass besonderer Familienfeiern in Celle, Hannover, Lehrte und Hamburg entwickelt wurden. Es sind auch einige Militärfotos dabei, die möglicherweise auf Militärdienste in der Celler Garnison hinweisen. In einem Fall zeigt sich die Hochzeitsgesellschaft von Erna Garner, in einem weiteren eine militärische Einheit, vielleicht um 1918. Einmal wartet eine unbekannte Familie auf den Milchwagen, war es in Hornshof?
Am Ende ist es Teil einer Auswanderergeschichte.
Im Jahr 1902 verließ Hermann Niemann Celle in Richtung Nordamerika. Im Jahr 1908 bestieg Auguste Garner, die Tochter von Jürgen und Johanna Garner (geb. Roffmann), ebenfalls ein Schiff in Richtung USA. Beide waren die Großeltern von Michael Kreger. Sie hatte in Deutschland ihren Vater, Jürgen Garner (aus Garßen), einen Bruder, Otto, und dessen Frau Emma Garner (geb. Drangmeister) (Eschede), sowie zwei Schwestern, Erna Buhr (geb. Garner) und Olga Niemann (geb. Garner) (Adelheidsdorf, Ehefrau von Heinrich Niemann), zurückgelassen. Marie Niemann, weitere Schwester von Hermann und Heinrich Niemann, wanderte ebenfalls in die USA aus.
Im gleichen Jahr (1908) war die Hochzeit des Paares in Des Plaines, einer Stadt in Illinois, geplant. Hermann besaß einen Zeitungskiosk in Chicago. Einige Jahre später zog er mit seiner Familie nach Eagle River, Wisconsin. Zusammen mit ihrem Bruder Hermann (Garner) kaufte Auguste Garner-Niemann das „Eagle River Resort“ (einen Urlaubsort), das ein Haus, Hütten und den See Aidenn enthielt. Auguste war die Managerin des Resorts. Ihr Enkel und ihre Enkelin, Terry und Sandra Kreger, verbrachten dort viele schöne Jahre mit ihren Großeltern. Hermann und Auguste verbrachten zusammen dort und im kleinen Dorf Eagle River den Rest ihres Lebens. Auguste starb im Alter von 102 Jahren und Hermann im Alter von 83 Jahren.

Serviettentuch zu Mildreds Einsegnung

Olga Niemann, geb. Garner, war die Ehefrau des Bahnwärters Heinrich Niemann in Adelheidsdorf. Im Haus lebte nur noch die jüngste Tochter, Erna. Sie schrieb am 9. März 1926 an ihr liebes Schwesterchen und den Schwager sowie die Kinder Hermann, Terese und die soeben eingesegnete Mildred. Ihre Schwester Erna hatte eine Krankheit hinter sich, und Terese hatte sie in dieser Zeit fleißig im Haushalt unterstützt: „Mein liebes Schwesterchen und lieber Schwager nebst lieben Kleinen! Wir gratulieren euch alle recht herzlich zur Einsegnung eures zweiten Töchterchens(,) möge sie euch alle der liebe Gott gesund erhalten u. auf ihrem weiteren Lebenswege treu zur Seite stehn u. sie selbst auf seinen Wegen wandeln u. nicht davon abweichen. Denn liebe kleine süße Mildred. / Bleibe stets ein gutes Kind, Deiner Eltern Freund u. Manne Frau, wie es die Englein sind, dann lacht dir des Lebens-Sonne. Und am Abend hell und rein schläfst du recht zufrieden ein. / Nun liebe Mildred tritt ruhig in das rechte Leben ein, den(n) deine lieben Eltern u. Verwan(d)ten werden dich noch schützen u. leiten bis du einst stark bist u. deinen Eigen Weg gehen kannst. / Nun feiert recht schön im Kreise eurer lieben u. seid alle recht vieltausendmal gegrüßt u. geküßt von uns allen Onkel Heinrich, Tante Olga u. Erna. / Anbei schicken wir Milli ein Serviettentuch(,) haben beide Mädchen das gleiche ich wußte auch sonst nichts u. euren Wunsch habt ihr ja nicht geschrieben. Nun liebe Schwester wie geht’s mit deiner Gesundheit hoffentlich besser u. Terese ist sie auch wieder besser? ich dachte ihr hättet mal geschrieben eure lieben Weihnachtsbriefe mit vielen Dank erhalten es hat uns sehr leid gethan das du liebe Schwester so krank warst aber hoffentlich hast dus gut überstanden, u. das Terese so für dich eingesprungen u. deinen Haushalt besorgte ist doch furchtbar nett, hoffentlich ist sie auch wieder gesund ich hätte schon längst mal geschrieben aber ich bin den ganzen Winter krank Magen u. Leber ist schon so lange geschwollen u. Gallenblase u. Herz u. Hämoriden u. Reumatismus das sind die Wechseljahre rein zum verzweifeln habe schon oft geweint. Erna wird die Arbeit allein auch über u. so weit von der Stadt ist kein Doktor herzukriegen bei Schnee u. son schrecklichen Wetter diesen Winter u. einhohlen mit Rad nach Celle. Erna hatte diesen Winter öfter grade nicht leicht, ich verschnappe mich so leicht da ist nicht wieder von zu kommen hier habens die Leute viel(,) überhaupt sind alle Menschen krank – Grippe Kinder u. alte u. Vieh hatt überall Maul- u. Klauenseuche(,) son ungesunden Winter hats wohl lange nicht gegeben. Nun wünschen wir euch noch Fröhliches Ostern eure Olga. / Grüßt Hermann u. Terese u. wenn ich kann schreib ich ihnen auch. Schreibt bald mal wieder.“
Auguste und Hermann Niemann brachten drei Kinder zur Welt: Herbert, Erna und Millie. Der Bruder von Auguste, Hermann Garner, hatte keine Kinder. Als Erwachsener wohnte Herbert in einem Vorort in Indianapolis und wurde als „großer, liebenswürdiger Mann“ beschrieben. Erna hatte wie ihre Mutter rote Haare und wohnte ein paar Jahre lang in Chicago. Schließlich zog sie mit Michael Kregers Großvater Wilmer nach Iron River, einem Dorf im oberen Teil von Michigan. „Ich bin mir nicht sicher“, so Kreger, „wo genau Millie wohnte, aber ich denke, sie war in der Nähe ihrer Eltern, Auguste und Hermann Niemann, in Iron River“.

Erinnerungen aus Iron River

Michael Kreger erinnert sich weiter:
„Mit Erna und meinem Großvater in Iron River verbrachte ich die meiste Zeit. Erna war ausgezeichnet, wenn es ums Haushalten ging, und sie gab ihren Enkelkindern genug zu essen, ob wir es brauchten oder nicht. Sie liebte es auch, in das soziale Leben ihrer Gemeinschaft einbezogen zu werden durch Kirchen, Brückenfeiern, karitative Organisationen und „Square Dance“. Sie und Wilmer liebten es zu tanzen. Sie wohnten ihr ganzes Leben in Iron River, in dem Haus, welches Wilmer in 1960 entworfen und selbst gebaut hatte. Mein Vater kann sich an den aufregenden Moment erinnern, wo sie den Strom installieren. Durch konstantes Arbeiten war der Garten immer perfekt und das Haus immer makellos. Ich liebte es, dort Zeit zu verbringen.
Heute ist die Familie weit in Arizona, Indiana, Pennsylvania und South Dakota verteilt. Sandra wohnt jetzt schon über 40 Jahre lang in Phoenix, Arizona, und meine Eltern, Terry und Linda, haben den größeren Teil von 45 Jahre in Pennsylvania und Minnesota verbracht. Ich bin 1999 nach Deutschland gezogen, um für die amerikanische Armee in Heidelberg zu arbeiten. Meine letzte Aufgabe war es dort, viele von unseren Operationen in Heidelberg zu schließen und Personen und Eigentum zu anderen Garnisonen zu transportieren. Ich wohne immer noch zusammen mit meiner Familie in der Nähe von Heidelberg. Wir haben immer noch die US-Bürgerschaft, aber unsere drei Kinder sind in deutschen Schulen. Meine Frau und ich strengen uns an, und wir machen Fortschritte, aber die Sprachkenntnisse unserer Kinder sind viel besser als unsere.
Im Jahr 1999 fuhren wir nach Celle und ein paar anderen Dörfern in dieser Region (Garßen, Groß Hehlen und Scheuen), wo wir wussten, dass die Familie früher dort wohnte. Wir kannten ein paar Namen, also besuchten wir Kirchen, Friedhöfe und viele Häuser, um zu sehen, was wir herausfinden könnten. Wir hatten auch einen alten Brief, den Ernas deutsche Cousine geschrieben hatte, die eine Adresse enthielt. Also besuchten wir das Haus und fanden die Tochter der Cousine meiner Oma, die dort noch mit ihrem Mann wohnte. Wir hatten einen sehr schönen, dreistündigen Besuch bei ihnen, obwohl meine Frau und ich fast kein Deutsch und sie kein Englisch konnten. Es gab viel Lachen, viel Zeigerei und ungeschickte Gespräche mit unserem schlechten Grundwortschatz. Wir hatten ein paar alte Familienfotos dabei, aber wir erkannten die meisten Personen nicht. Sie hatten auch Familienfotos teilweise von meinen Großeltern, meiner Tante und meinem Vater, die ich davor noch nie gesehen habe. Wir sind sehr dankbar für ihre Hilfe und Freundlichkeit. Deutschland ist für uns eine Art Zuhause geworden. Es ist ein gutes Leben. Michael Kreger, Urenkelsohn von Hermann und Auguste (Garner-)Niemann.“
Wer Vermutungen oder Informationen zu diesen Fotos hat, melde sich bitte per Mail an janank[ät]yahoo.com; blazek2007[ät]t-online.de, Tel. 05141/883813, oder füge an dieser Stelle einen Kommentar hinzu.
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Janan Kreger aus Heidelberg | 27.08.2014 | 12:56  
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