August Unverfehrt (1873-1924) zeigte, „wie ein Krieger im Felde aussieht“

Die Reserve der 14. Compagnie des ostpreußischen Füsilier-Regiments Graf Roon Nr. 33 im Jahr 1897. Der Zweite von rechts in der vorderen Reihe ist August Unverfehrt, Kompaniechef Major Weimer ist der linke der beiden stämmigen Männer mit den hellen Mänteln in der zweiten Reihe. (Foto: Monika Kurzawa)
 
August Unverfehrt präsentiert sich 1917 in seiner Einsatzkleidung. (Foto: Monika Kurzawa)
„Allezeit treubereit für des Reiches Herrlichkeit“ / Ein Hauch von Patriotismus

Vor hundert Jahren brach der Erste Weltkrieg aus. Ambitioniert marschierten die jungen Männer in Richtung Kriegsfront, glaubend, sie würden einen Ausflug unternehmen, von dem sie bald zurückkehren würden. Einer von ihnen war August Unverfehrt.

August Unverfehrt ist einer von vielen gewesen. Er gehörte zur Reserve der 14. Compagnie des ostpreußischen Füsilier-Regiments Graf Roon Nr. 33, welches auch in den Jahren des Ersten Weltkrieges (1914-1918) zum Einsatz kam. Gestiftet wurde jenes ruhmgekrönte Regiment 1749, die Garnison befand sich in Gumbinnen (Ostpreußen). 1870/71 zog es in den Krieg gegen Frankreich, und 1889 erhielt es seinen aktuellen Namen zu Ehren seines Kommandeurs der Jahre 1864-1879 Oberstleutnant Albrecht Graf von Roon (1803-1879), der seine militärische Karriere als Generalfeldmarschall beendete. Ein gerahmtes Gruppenbild von 1897 weist August Unverfehrt als einen von zwei Tambouren seiner Einheit aus. „Parole Heimath! Allezeit treubereit für des Reiches Herrlichkeit“, lautet die patriotische Losung des Gruppenbildes, unter der man angetreten war, um das Soldatentum zu verherrlichen. Am 1. April jenes Jahres 1897 erfolgte die Abgabe des IV. Bataillons des Regiments Nr. 33 an das Infanterie-Regiment Nr. 147.

Geburt 1873 in Kraginnen in Ostpreußen

August Unverfehrt wurde am 21. Oktober 1873 in Kraginnen/Kreis Goldap (Ostpreußen) als Sohn des Schmiedes Gottlieb Unverfehrt und seiner Ehefrau, der Wirtstochter Marie, geborene Conrad, geboren. Er heiratete 1904 in Groß Rhüden bei Seesen am Harz Wilhelmine Pülm, sein Bruder Friedrich Gottlieb diente im Deutschen Kaiserreich (1871-1918) als Husar.
Die Füsilierbataillone waren gegen Ende der 1840er Jahre die Ersten, die mit dem Zündnadelgewehr ausgerüstet wurden, mit dessen Einführung im ganzen Heer in den 1850er Jahren fiel dieses Unterscheidungsmerkmal jedoch weg, sodass ab dann bis zum Ende der Alten Armee 1919 die Bezeichnung von Verbänden als Füsiliere nur mehr traditionelle Gründe hatte. Auf dem großen Gruppenbild von 1897 sind die Füsiliere und Gefreiten Morell, Ordell, Schmidt, Scheffler, Neumann, Wiora, Watelsky, Melzer, Wolter, Schäfer, Bartsch, Grigoleit, Mattukat, Weber, Rau, Rädtke, Balzereit, Danawitz, Galinat, Mäser, Zeus, Kausch, Danner, Naundorf, Schimma, Lindenau, Müller, Hinz, Burmeister, die Sergeanten Bukbesch, Hundsdörfer, Lenk, Weiss und Szewcsyk, die Unterführer Müller I, Müller II, Lengies, der Feldwebel Strunz, Premier-Lieutenant Scheuermann, Kompaniechef Major Weimer (späterer Oberst und Inspizient der Waffen bei den Truppen in Berlin), Hauptmann Freiherr von Schrötter, Seconde-Lieutenant Wollschläger, Versorgungsfeldwebel Zakowski und im Vordergrund die Hornisten Gritzmacher und Mann, die Tamboure Tübbike und Unverfehrt zu sehen, die für den Fotografen alle das Glas erheben.
August Unverfehrt nahm am Ersten Weltkrieg teil. Stolz präsentierte er sich auf Gruppenfotos, ließ sich einmal auch fotografieren, um zu zeigen, wie ein „Krieger im Felde“ aussah. 1916 kam der Tambour nach Mariensee a. d. Leine bei Neustadt. Dort wurden seit 1896 unter militärischer Leitung Pferde für den Militäreinsatz, so genannte Remonten, gezüchtet. Unverfehrt schrieb: „Liebe Minna! Bin seit gestern in Mariensee. Hoffentlich geht es dir besser als in Mecklenhorst. Ist wenigstens nicht so einsam. Bin frisch gesund und munter, ihr doch hoffentlich auch? Dies ist eine Karte von meinen Kameraden. Nächste Woche schick ich dir meine Wäsche. Alles übrige nächstes mal. Mit herzlichen Grüßen an euch allen August.“

„Da kannst du sehen, wie ein Krieger im Felde aussieht.“

Seiner Ehefrau Minna schrieb er am 28. Juli 1917: „Liebe Minna, ich schicke euch hiermit ein Bild im Sturmanzug. Da kannst du sehen, wie ein Krieger im Felde aussieht. Bin sonst gesund und munter und hoffe das Gleiche von Euch. Bitte schreibe mir ob Du diese Karte erhalten hast. Mit Herzlichem Gruß D. August.“
Die Feldpost erreichte ihr Ziel. Im Jahr darauf war August Unverfehrt eingesetzt beim Grenzschutz an der belgischen Zollgrenze. Auf der Rückseite einer Postkarte, die ein Gruppenfoto zeigt, schrieb er: „Zur Erinnerung an unsere Grenzschutzwache in Ravensbourg … /Belgien, aufgenommen am Himmelfahrtstage den 9 Mai 1918 auf Wache 6“.
August Unverfehrt starb am 20. Oktober 1924 in Groß Rhüden (Kolonie), wo noch heute Nachkommen leben.
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