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Anspruchsvolle Ausstellung "Dialog des Geistes" seit neun Jahren ein Publikumsmagnet

Die Ausstellung "Dialog des Geistes" (Konzeption: Holger von Neuhoff, 2002), in der die unterschiedlichen Kulturen, Mentalitäten und Religionen angesprochen werden, wird seit neun Jahren im Marienkirchturm gezeigt.
 
Moses ben Maimon, auch Maimonides (1138 - 1204), Detail, von Dieter Weidenbach, Terrakotta (gebrannt), 2002
Wismar: Marienkirchturm | Bereits seit neun Jahren erweist sich die sehr anspruchsvolle Ausstellung "Dialog des Geistes", die im Marienkirchturm gezeigt wird, als ein besonderer Publikumsmagnet. Ihr ungebrochener Dauererfolg scheint damit zusammenzuhängen, dass sie auf Fragen nach dem Sinn des Lebens und den Möglichkeiten des friedlichen Zusammenlebens eingeht.

Der Konstellation der sechs im Halbkreis angeordneten lebensgroßen Backsteinfiguren, historische Größen der Geistesgeschichte, Vertreter unterschiedlicher Kulturen und Religionen, werden Originalzitate – gesprochen von dem Schauspieler Bruno Ganz - aus ihren Werken gegenübergestellt.

Zur näheren Information (Quelle Ausstellungstexte):
„Dialog des Geistes“
Idee und Konzeption: Holger von Neuhoff, 2002
Figuren von Dieter Weidenbach, Terrakotta (gebrannt), 2002
Sprecher: Bruno Ganz

In allen Kulturepochen gab es einen „Dialog des Geistes“ auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und den Möglichkeiten des friedlichen Zusammenlebens der Menschen.

Die sechs Backsteinfiguren, die hier in einem Dialog vereint sind, sollen ein Symbol für die Bereitschaft zum Gespräch sein. Als Vertreter unterschiedlicher Kulturen und Religionen treten sie mit Originalzitaten aus ihren Schriften in einen Dialog über Gott und seine Schöpfung.

Es sprechen ein Pilger, der streitbare Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux, der Philosoph und Theologe Abaelard, der persische Dichter Hafis, der Rabbi, Arzt und Philosoph Moses ben Maimon, der auch Maimonides genannt wurde, und Parzival, der Held aus Wolfram von Eschenbachs berühmten Ritter-Epos.

Moses ben Maimon, auch Maimonides (1138 – 1204)
Der Arzt und Philosoph gilt als bedeutendster jüdischer Gelehrter des Mittelalters. In seinen Werken versucht Maimonides, Wissenschaft und Philosophie mit jüdischem Glauben und jüdischer Frömmigkeit in Einklang zu bringen.
Sein Hauptwerk, der „Führer der Unschlüssigen“, fand im 13. Jahrhundert weite Verbreitung, auch unter christlichen Theologen.

Petrus Abaelard (1079 – 1142)
Der frühscholastische Philosoph und Reformtheologe verfasste u. a. Das „Gespräch eines Philosophen, eines Juden und eines Christen“, Sein Traum: Eine Menschheit, die sich über alle Glaubensgegensätze hinweg auf die Suche nach Gott macht.
Auch in Glaubensfragen setzte Abaelard auf die Vernunft: „Indem wir nämlich zweifeln, ... erfassen wir die Wahrheit“. Mit diesem modernen Standpunkt näherte er sich der biblischen Überlieferung und kirchlichen Lehrsätzen. 1141 wurden Abaelards Schriften als ketzerisch verurteilt.

Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153)
Der Gründungsabt des Zisterzienserklosters Citeaux brachte seinen Orden zu hoher Blüte. Er hatte großen Einfluss auf kirchliche und weltliche Machthaber, auch in der Auseinandersetzung um die Lehren von Petrus Abaelard. Erfolgreich arbeitete Bernhard von Clairvaux am Zustandekommen des Zweiten Kreuzzugs (1147 – 1149). Zugleich wandte er sich jedoch gegen die weltliche Herrschaft der Päpste und empfahl diesen Armut, Demut und die Beschränkung auf das religiös-kirchliche Gebiet. Bernhard von Clairvaux gilt als Begründer der mittelalterlichen Christus-Mystik.

Hafis, eigentlich Muhammad Schams ad-Din (um 1326 – 1389/1390)
Hafis' Gedichte preisen vordergründig die Schönheit der Natur, die Liebe und den Wein: Wegen ihrer Spiritualität wurden die Gedichte Hafis' in der islamischen Welt auch als Orakel genutzt. Der Name Hafis ist ein islamischer Ehrentitel und bedeutet übersetzt „Der den Koran im Gedächtnis Bewahrende“.
Fast 600 Gedichte des persischen Dichters wurden nach dessen Tod in einer Werkausgabe, einem so genannten Diwan, zusammengestellt. Dessen Übersetzung regte Goethe zu seinem 1819 erschienenen „West-östlichen Diwan“ an.

Parzival
Wie sich ritterlich-höfisches Ideal und göttlicher Wille in einer Existenz miteinander verbinden, das versinnbildlicht Parzival, der Titelheld des gleichnamigen Versepos von Wolfram von Eschenbach. Das um 1300 verfasste Werk war zu seiner Zeit eine literarische Sensation und gehörte zu den meistgelesenen Schriften des Mittelalters.
Die Gnade Gottes führt Parzival letztlich zum Oral, in dem der Dualismus von Gott und Welt aufgehoben wird.

Ein Pilger
Das Pilgerwesen gehörte zu den bedeutendsten Phänomenen mittelalterlicher Religiosität: Es zeigt den Menschen auf seiner persönlichen Suche nach Gott. Seine körperliche Reise symbolisiert einen spirituellen Weg zu Gott.
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